Surprise, Surprise: Im neuen Netzplan zur Entwicklung des Basler Tramnetzes taucht ein bekanntes, tot geglaubtes Projekt wieder auf. Was das Baselbieter Stimmvolk Ende September 2017 unter dem Namen «Margarethenstich» deutlich abgelehnt hat, ist als «Direktanbindung Leimental Bahnhof SBB-West» erneut Bestandteil der Basler öV-Planung.

«Diese Achse ist wegen des damaligen Abstimmungsergebnisses nicht einfach gestorben», sagte der Basler Bau- und Verkehrsdirektor Hans-Peter Wessels (SP) gestern vor den Medien.

Auf Anfrage ergänzt er: Die Verbindung sei vom Nutzen her so gut, dass sie langfristig eine Option bleiben solle – in der Meinung, dass sie eines Tages realisiert werden könne. Ähnlich äussert sich BLT-Direktor Andreas Büttiker – auch wenn er es tunlichst vermeidet, den belasteten Begriff «Margarethenstich» in den Mund zu nehmen. «Es ist wichtig, das Trassee als Option offen zu halten.»

Politisch heikel

Die Wiederaufnahme des Projekts ist politisch heikel. So kritisierte etwa die Baselbieter Baudirektorin Sabine Pegoraro (FDP) im Herbst 2017 jene Basler Politiker, die kurz nach dem Baselbieter Volksnein vorschlugen, Basel-Stadt möge die 365 Meter lange Tramverbindung an der Kantonsgrenze doch in Eigenregie realisieren.

«Das wäre eine Missachtung des Volkswillens», sagte Pegoraro damals. «Den Entscheid des Baselbieter Stimmvolks zur Finanzierung des Margarethenstichs trage ich nach wie vor mit», bekräftigt Pegoraro auf Anfrage. Sie fügt aber an: Über eine bessere Anbindung des Leimentals an den Bahnhof SBB müsse – nebst dem Express-Tram und dem Doppelspurausbau Spiesshöfli – in der öV-Planung weiterhin nachgedacht werden können.

«Es muss möglich sein, bei veränderter Ausgangslage im Zeithorizont von 20 Jahren nochmals über eine Variante für eine Direktanbindung zu diskutieren», findet sie. Daniel Schoop, Verkehrsplaner in Pegoraros Bau- und Umweltschutzdirektion, erläutert, was das heissen könnte: «Realisieren die SBB auf der Margarethenbrücke ihre Pläne für eine Aufwertung des Bahnhofzugangs West, dann bieten sich neue Möglichkeiten für eine schnellere Anbindung des Leimentals.» Die Linienführung sei aber offen, zudem werde ein allfälliges Projekt kaum in den nächsten zehn Jahren umgesetzt, fügt Schoop an.

SVP-Chef bringt Tunnel ins Spiel

Der Baselbieter SVP-Chef Oskar Kämpfer hat an vorderster Front gegen den Margarethenstich gekämpft. Zur Neuauflage sagt er: «Wir wollen auch kein Planungsverbot für alle Zeiten.» Schliesslich sei eine bessere öV-Anbindung des Leimentals an den Bahnhof SBB auch im Sinne der SVP. Als Mit-Initiant des Doppelspurausbaus fügt er an: «Allerdings ist dazu ein Gesamtkonzept und eine Entflechtung von öV und dem motorisierten Individualverkehr nötig.»

Der entscheidende Schwachpunkt des Margarethenstich-Projekts sei gewesen, dass die Verbesserungen für den Tramverkehr auf Kosten der Autofahrer gegangen wären. Neue Ideen seien gefragt, sagt Kämpfer und lanciert gleich eine Variante: Einen Tramtunnel zwischen Bottmingen und Gundeldingen. «Dieser kostet zwar eine Stange Geld, bringt aber für die öV-Pendler einen spürbaren Zeitgewinn und beeinträchtigt den Individualverkehr nicht.»