Kriminalstatistik

Trotz Rückgang der Kriminalität um 5 Prozent – Baselland bleibt ein Einbruch-Hotspot

(Symbolbild)

Minus 5 Prozent beim Total der Delikte, weniger Einbrüche: Trotzdem warnt der Sicherheitsdirektor.

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Die Baselbieter Polizei veröffentlichte heute die Kriminalstatistik 2017. Insgesamt wurden 12‘342 Straftaten erfasst. Im Vorjahr waren es noch 12'985. Das ist ein Rückgang von 5 Prozent.

Isaac Reber weiss sich zu verkaufen. Zitronengelb sei seine Lieblingsfarbe, sagte der Baselbieter Sicherheitsdirektor bei der gestrigen Präsentation der kantonalen Kriminalstatistik 2017. Damit spielte Reber auf eine Karte an, die er in Liestal präsentierte. Auf ihr ist die Kriminalitätsbelastung der Kantone farblich abbildet. Je heller ein Kanton, desto sicherer ist er, und umgekehrt. Baselland ist zitronengelb eingefärbt, was bedeutet: Auf 1000 Einwohner verzeichneten die Strafverfolgungsbehörden weniger als 40 Straftaten. Der Schweizer Schnitt liegt bei 52 Straftaten. So verkündete Reber: «Das Baselbiet gehört mittlerweile zu den sichersten Kantonen.» Er könne mit Stolz vermelden, dass man gut unterwegs sei – ja, sogar «sauguet».

Noch im Vorjahr erschien Baselland in besagter Karte in Orange-Gelb. Damals waren 43 Straftaten pro 1000 Einwohner registriert worden, 2017 verzeichnete man deren 39. Der Trend zeigt seit 2013 nach unten: Zum vierten Mal in Folge ist das Total der Delikte gesunken (siehe Grafik), zwischen 2016 und 2017 um 5 Prozent.

Die Gewaltdelikte nahmen ebenfalls ab, das dritte Jahr in Folge und in allen Haupt-Kategorien. 2017 verzeichnete man ein Minus von 12 Prozent. Von den 641 Straftaten zählten 27 zu schweren Delikten, darunter war eine Tötung.

Die Westgrenze ist ein Einfallstor

Baselland steht mit seinen Zahlen besser da als die «Kriminalitätshauptstadt» der Schweiz: Basel-Stadt hatte am Dienstag seine Zahlen ausgewiesen (siehe bz von gestern). Im Stadtkanton wurden 2017 mehr Straftaten vermeldet als im Vorjahr. Auffällig war, dass es zu mehr Gewalt gegen Beamte kam. Und es wurden mehr Drogen konfisziert, vor allem Marihuana.

Einen Tolggen im Reinheft gibt es auch im Landkanton: Obwohl die Zahl der Einbrüche abnahm (-11 Prozent gegenüber 2016), bleibt Baselland in einer Kategorie auf einem Spitzenplatz: In keinem anderen Kanton ist der Anteil der Einbruchdiebstähle am Total der Delikte so hoch. Er liegt bei 32 Prozent.

Vorwärts gemacht hat man im Baselbiet aber bei der «Nachbearbeitung» der Einbrüche, also bei der Aufklärungsquote. Hier liegt Baselland mittlerweile im vorderen Drittel der Kantone. Fast jede vierte Person, die in eine Wohnung einsteigt, wird geschnappt. Noch vor wenigen Jahren lag dieser Anteil bedeutend tiefer.

Reber bezeichnete die Einbrüche trotz allen Verbesserungen als Sorgenkind. Das Problem habe mit der Nähe zu Frankreich zu tun. «Alle Kantone», sagte Reber, «welch eine überdurchschnittliche Belastung durch Einbrüche auf 1000 Einwohner haben, sind diejenigen mit einer Grenze Richtung Westen.» Dazu zählen – neben den beiden Basel – Waadt, Solothurn, Neuenburg und Genf. Auch der Kriminaltourismus ist noch nicht ganz besiegt. Der grösste Teil der Tatverdächtigen stammt aus Rumänien (29), auf Rang zwei liegt Serbien/Montenegro (13). Die Schweiz stellt mit 12 dingsfest gemachten Einbrechern die drittgrösste Gruppe.

Obwohl Polizei und Staatsanwaltschaft bei den Einbrüchen gute Arbeit leisten, wurde gestern aber auch gewarnt. Martin Grob, Chef der Kriminalpolizei, betonte, dass ein grosser Teil der aufgeklärten Einbrüche nur dank DNA-Hits möglich waren. Das heisst: An einem Tatort wurden DNA-Spuren gefunden, die zum Täter oder zumindest zu Komplizen führten. 106-mal war das im vergangenen Jahr der Fall.

Bis es zu einem Treffer kommt, braucht es manchmal viel Geduld. Fast die Hälfte der 2017 aufgeklärten Einbrüche waren in den Vorjahren begangen worden. Doch das Bundesgericht hat die Bestimmungen verschärft. So braucht es seit Ende 2014 «erhebliche und konkrete Anhaltspunkte», dass die Betroffenen in andere Delikte verwickelt sein könnten, um bei ihnen eine Speichelprobe zu nehmen. Noch 1994 reichte für einen Anfangsverdacht eine «leicht erhöhte Wahrscheinlichkeit» für künftige kriminellen Handlungen.

«Unsere Aufklärungsquote könnte wegen dieser restriktiven Regelung zusammenfallen», sagte Grob. Über kurz oder lang habe die strengere gesetzliche Grundlage über das Anlegen von DNA-Profilen Auswirkungen. Man arbeite daran, sagte Grob, dass die Verschärfungen wieder rückgängig gemacht würden. Auch Isaac Reber betonte die Wichtigkeit von DNA-Proben.

Fünf Posten vor Schliessung

Per 1. April arbeitet die Baselbieter Polizei mit einer neuen Struktur. Auf dieses Datum hin werden die Polizeiposten in Aesch, Birsfelden, Bubendorf, Münchenstein und Gelterkinden geschlossen. Jener in Arlesheim ist bereits per Ende 2017 aufgehoben worden.
Reber versprach, dass nach Abschluss der Reorganisation der Polizei die Präsenz auf den Strassen nochmals deutlich erhöht werde. Er erklärte sich den allgemeinen Kriminalitätsrückgang damit, dass vermehrt Patrouillen unterwegs seien. Er sagte: «Wenn dein Gegner flexibel und mobil ist, dann musst Du das auch sein!»

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