Basel

Trotz Stellenabbau zeigen die Lehrer auch pragmatisches Verständnis

Künftig übernimmt jeder Lehrer eine Unterrichtsstunde mehr.  Archiv

Künftig übernimmt jeder Lehrer eine Unterrichtsstunde mehr. Archiv

Die Fakten sind klar: Durch das Entlastungspaket 12/15 verlieren rund 170 Lehrer der Sekundarstufe I und II ihre Stelle. Dazu kommt, dass die unterrichtenden Lehrerinnen und Lehrer eine Stunde mehr aufgebürdet bekommen.

Die Reaktionen von der Seite des Lehrerverbands und des Verbands des Personals öffentlicher Dienste (VPOD) waren eindeutig: Es herrschte Empörung. «Es macht einfach grundsätzlich keinen Sinn, in der Bildung zu sparen», meint Heidi Mück, Generalsekretärin des VPOD Region Basel. «Ausserdem sind die Lehrer schon mit anderen Umsetzungen von Reformen wie Harmos und dem Sonderschulkonkordat ausgelastet», enerviert sie sich weiter.

Auch Christoph Straumann, Vizepräsident des Lehrerverbands (LVB) kann es nicht verstehen: «Die Zitrone ist bei den Schulen längst ausgepresst. Es kann doch nicht sein, dass nur eine Gruppe von Kantonsangestellten so stark vom Sparpaket betroffen ist. Diesen Entlastungsvorschlag weisen wir entschieden zurück.»

Ebenfalls in Aufruhr ist Thierry Moosbrugger, Mitglied des Initiativkomitees «Keine Zwangsverschiebung». Denn das Entlastungspaket fördere die Neuverteilung der Schüler: «Es wird einfach gnadenlos von oben verfügt.» Der VPOD, der VBL und das Komitee «Keine Zwangsverschiebung» sehen den Lehrerberuf in Gefahr. Obwohl der Stellenabbau den Lehrern entgegenkommt, verliere er durch die zusätzliche Belastung und den damit verbundenen Lohnkürzungen an Attraktivität. Auch die Motivation unter den Lehrern leidet.

Alternativlösungen

Bei dieser einstimmigen Unzufriedenheit kommt die Frage nach Alternativlösungen auf. Ein Ansatz wäre, dass nicht die Lehrer eine Stunde mehr übernehmen, sondern der Unterricht um eine Stunde gekürzt wird. Die Meinungen dazu gehen bei den Lehrern auseinander: «Ich denke nicht, dass das einen grossen Unterschied machen würde. Die Leistung der Lehrkraft müsste ja gleich bleiben, auch bei weniger Stunden. Die Qualität würde jedoch darunter leiden», findet Lukas Bühler, Lehrer des Gymnasiums Liestal. «Aber ich habe sowieso das Gefühl, dass wir Lehrer unter dem Generalverdacht stehen, zu wenig zu arbeiten.» Dabei treffe genau das Gegenteil zu: Die Pflichten hätten zugenommen; und dadurch sei auch die Arbeitsbelastung gestiegen. «Und trotzdem gibt es jetzt eine Lohnreduktion, wo doch zum Beispiel im Kanton Aargau, Zürich und Schwyz erst gerade eine Lohnerhöhung stattgefunden hat.»

Christina Schläfli, Klassenlehrerin am Gymnasium Muttenz sieht die Sache etwas lockerer: «Wir sind nicht die einzigen Leidtragenden und eigentlich sind wir noch glimpflich weggekommen.» Sie findet den Vorschlag, eine Unterrichtsstunde zu kürzen, sogar vertretbar. Es sei einfach grundsätzlich ein Widerspruch, da das Motto des Kantons, «Gute Schule Baselland» so nicht umgesetzt werden könne. Denn unabhängig, ob eine Stunde mehr oder weniger gearbeitet wird, bleibe der Aufwand und die Arbeit praktisch gleich. «Ich finde, man sollte sich eher die Frage stellen, wie wir auch mit einem gekürzten Budget schlussendlich gute Schule betreiben könnten.»

Erhalt einer guten Schulqualität

Die Grundstimmung ist also bei allen nicht erst seit dem Sparpaket schlecht. Christoph Straumann: «Es ist uns einfach wichtig, dass die Leute verstehen, dass es uns in erster Linie um den Erhalt einer guten Schulqualität geht.» Diese sei mit der jetzigen «unfairen» Arbeitsbedingung für Lehrpersonen stark gefährdet.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1