Rünenberg

Trotz vielen Herausforderungen: «Wir Förster haben den schönsten Arbeitsplatz, den es gibt»

Samuel Bürgin ist OK-Chef der Waldtage in Rünenberg.

Samuel Bürgin ist OK-Chef der Waldtage in Rünenberg.

Der Hardwald bleibt mindesten bis Ende Jahr gesperrt. Die Sicherheit der Waldbesucher geht vor. Auch der Wald in Rünenberg leidet. Doch an den Waldtagen wollen die Förster nicht nur die negativen Seiten des Waldes zeigen.

Samuel Bürgin leitet das Forstrevier Homburg im Oberbaselbiet. Er hat derzeit alle Hände voll zu tun. Nicht nur als Revierförster, sondern primär als OK-Chef der Waldtage in Rünenberg, die von heute bis Sonntag dauern. Der bald 38-Jährige hat sich in den vergangenen Wochen ganz auf den Grossanlass fokussiert, der zum achten Mal stattfindet und stets mehrere tausend Besucher anzieht. «Die Waldtage liegen mir am Herzen», betont Bürgin, aber die wichtigsten geschäftlichen Sachen müssten auch erledigt werden. Deshalb leistet er momentan lange Arbeitstage, gegen zwölf Stunden.

Kernstück dieser Waldtage ist der Rundgang, ein fester Bestandteil, der sich seit der ersten Austragung 1991 bewährt hat. Auf einem Parcours werden alle Themen, die den Wald betreffen, anschaulich dargestellt. «Die Waldbesucher wollen durch den Wald laufen, beobachten, diskutieren und geniessen», weiss Samuel Bürgin.

Die vielseitige Ressource Holz

Dem trockenheissen Sommer 2018 und dem Klimawandel, die in aller Munde sind und das Forstpersonal vor grosse Herausforderungen stellen, geben die Waldtage den entsprechenden Raum. Auch im Wald um Rünenberg hat es abgestorbene Bäume. Man sieht gut, was leidet. Eine Baumschule stellt Baumarten vor, die mit erhöhter Trockenheit klarkommen und für einen zukunftsfähigen Bestand sorgen sollen.

Leitthema der Waldtage 2019 ist jedoch ein ständig aktuelles: Ressource Holz. Holz verwenden heisst auch Wald pflegen. «Gesunde Wälder sind widerstandsfähiger», erklärt Bürgin und fügt an: Holz nutzen bedeute längerfristig ebenfalls CO2 binden. Den Besuchern soll bewusst werden, dass der Rohstoff Holz, den sie daheim in Form von Tischen, Stühlen und anderen Möbelstücken haben, vor ihrer Haustüre wächst. Er ist zudem Baumaterial und Energieträger.

Das Forstpersonal ist dafür zuständig, dass die Funktionen des Waldes dauerhaft sichergestellt sind. Mit den Trockenheitsschäden wird das schwieriger, auch bezüglich Sicherheit der Waldbesucher. Aber jede Krise ist auch eine Chance. Der Totholzanteil im Wald müsse erhöht werden – Naturschutz als Lebensraum. «Das können wir nun hervorheben. Wir wollen an den Waldtagen auch das Positive zeigen wie Waldpflege und die vielseitige Nutzung des herrlichen Rohstoffs», unterstreicht der OK-Präsident und Revierförster. «Und dass wir den schönsten Arbeitsplatz haben, den es gibt.»

Die Waldtage in Rünenberg stehen heute und morgen vor allem Schulen offen. Gut 110 Klassen mit über 2000 Schülerinnen und Schülern sind gemeldet. Diese werden gezielt auf den Rundgang geschickt und zu Posten geleitet, die für Kleine ab Kindergartenalter, Schüler der Unter-, Mittel- oder Oberstufe ausgelegt und gestaltet sind.

Kinder und Jugendliche werden am besten für ein Thema sensibilisiert, wenn sie selber etwas tun können, etwas demonstriert wird und sie dann Eindrücke mitnehmen können. Samuel Bürgin: «Wir zeigen, wie wir einen Baum fällen, und erklären, weshalb wir das tun.» Damit möchten die Forstleute das Verständnis bei Jungen fördern. Wenn etwas verankert sei, dann wüssten sie es. «Bei älteren Leuten ist das schwieriger», meint Bürgin.

Beste Gelegenheit für Aufklärungsarbeit

Dieser freut sich nach einer langen Vorbereitungszeit nun auf zahlreiche Begegnungen mit Besucherinnen und Besuchern und auf interessante Diskussionen, «auch auf Kritiken gegen uns». Das sei die beste Gelegenheit, um Aufklärungsarbeit zu betreiben.

Samuel Bürgin ist überzeugt, dass Waldtage bei Besuchern nachwirken. Diese träfen später immer wieder auf Forstpersonal im Wald. So könnten sie Verbindungen knüpfen: «Das habe ich schon gesehen. Der macht Holzschnitzel, mit denen man heizt. Das ersetzt so und so viel Heizöl», zählt Bürgin auf und bekräftigt: «Solches ist auf jeden Fall nachhaltig.»

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