Die Architekten des Harry Gugger Studios gehen nicht zimperlich mit der alten Bausubstanz im Birsfelder Ortskern um. Ihrem Bauprojekt, das der Gemeinderat unterstützt, sollen drei historische Gebäude an der Schulstrasse weichen (die bz berichtete). An der Ecke Schulstrasse/Kirchstrasse, wo sich derzeit das Museum befindet, sehen die Architekten in einem Neubau ausdrücklich öffentliche Nutzungen vor.
Erstes öffentliches Gebäude

Doch dort steht das Ortsmuseum, ein Gebäude aus dem Jahre 1852, das ursprünglich als Schule diente. Zahlreiche Birsfelder hängen an diesem Eckgebäude. Das wurde am öffentlichen Workshop zur Zentrumsplanung vor kurzem deutlich. Und dies, obwohl für das Museum ein Ersatzstandort vorgesehen ist. Das schlichte, zweistöckige Eckgebäude steht zwar in keinem Verzeichnis schützenswerter Bauten. Es spielte aber eine entscheidende Rolle bei der Abspaltung Birsfeldens von Muttenz, weil es sich um das erste öffentliche Gebäude ausserhalb von Muttenz handelte. 1874 entstand daneben ein weiteres Schulhaus (heute der Jugendtreff), 1893 die Schule (heute Ludothek). Beide sind nicht denkmalgeschützt.

Geht es nach dem Willen der Architekten, fallen alle drei historischen Gebäude der Abrissbirne zum Opfer. Doch jetzt ist nicht mehr sicher, ob der Gemeinderat das auch so sieht. «Das Museumsgebäude hat einen gewissen historischen Wert», sagt Gemeindepräsident Christof Hiltmann. Schliesslich handle es sich um das erste Schulhaus der Gemeinde. «Diesem Umstand wollen wir jetzt Rechnung tragen, wenn wir weitere Überlegungen zur Zentrumsplanung anstellen.»

Das deckt sich mit den Überlegungen seiner Partei, der FDP. Sie schreibt: «Falls die Bevölkerung es als wichtig erachtet, das Museumsgebäude zu erhalten, kann sich die FDP für eine Diskussion bereit erklären.» Hiltmann bremst aber allzu hohe Erwartungen. «Ob dies zur Folge hat, dass das Museumsgebäude stehen bleibt, kann ich noch nicht sagen.» Nicht im selben Masse für schützenswert hält Hiltmann die beiden später erstellten Schulbauten. Zudem ruft er in Erinnerung, dass in der Zentrumsplanung die alte Turnhalle stehen bleiben soll, «als Reminiszenz an die Vergangenheit». Diese wurde 1911 erstellt. Die kantonale Denkmalpflege empfiehlt der Gemeinde, sie unter Schutz zu stellen. Geschehen ist das bisher nicht.

Aus einem weiteren Grund dürften zahlreiche Birsfelder zögern, das Eckgebäude aufzugeben: wegen dem Lift. Dieser wurde 2014 erstellt, nach jahrelangem Streit darüber, ob sich das finanziell schwache Birsfelden dies leisten dürfe. Am Ende brauchte es einen Zusatzkredit, der Lift kostete über 120 000 Franken. Diese Investition würde bei einem Gebäudeabriss obsolet.