Läufelfingerli-Strecke

«U-Abo würde rund zehn Prozent teurer»: TNW-Geschäftsführer stellt sicht gegen Ausweitung bis Olten

Für TNW-Geschäftsführer Adrian Brodbeck liegen die Vorteile des U-Abos in seiner Einfachheit: Das Abo ist auf allen Verkehrsmitteln gültig.

Für TNW-Geschäftsführer Adrian Brodbeck liegen die Vorteile des U-Abos in seiner Einfachheit: Das Abo ist auf allen Verkehrsmitteln gültig.

Die im Baselbieter Landrat geforderte Ausweitung des U-Abos auf der Läufelfingerli-Strecke nach Olten beschäftigt auch den Geschäftsführer des Tarifverbunds Nordwestschweiz (TNW). Im Interview erklärt Adrian Brodbeck, dass der TNW nicht grundsätzlich gegen eine weitere Vergrösserung des Verbundsgebiets sei.

Das U-Abo des Tarifverbunds Nordwestschweiz (TNW) ist einzigartig. Für einen vergleichsweise geringen Geldbetrag kann man in der Nordwestschweiz alle öffentlichen Verkehrsmittel nutzen. In den vergangenen Monaten stand das Abo immer wieder in den Schlagzeilen. Seit dem Fahrplanwechsel ist es möglich, damit auch im südbadischen Raum unterwegs zu sein.

Ein Postulat im Baselbieter Landrat verlangt, dass die Gültigkeit des U-Abos auf der Strecke des Läufelfingerli bis Olten ausgeweitet werden soll. Die Regierung des Kantons Baselland muss den Vorstoss von Susanne Strub (SVP) in den kommenden Monaten noch einmal prüfen. Der TNW äussert sich allerdings skeptisch. Geschäftsführer Adrian Brodbeck erklärt im Interview, was gegen eine Ausweitung des Geltungsbereichs in der S9 bis Olten spricht. Und er kontert die Kritik, mit dem Ausbau nach Deutschland den Einkaufstourismus zu begünstigen.

U-Abo Gültigkeitsbereich

U-Abo Gültigkeitsbereich

Warum ist der TNW gegen eine Ausweitung des U-Abos auf der Strecke des Läufelfingerli bis Olten?

Adrian Brodbeck: In der gleichen Zone und im Tal nebenan fährt die S3 nach Olten. Wir haben uns überlegt: eine unterschiedliche Behandlung ist über längere Zeit nicht tragbar. Wenn man die S9 ermöglicht, dann kommt automatisch die Forderung nach einer Ausweitung des U-Abos auf der S3 auf den Tisch. Bei einer einseitigen Ausweitung der Läufelfingerli-Strecke würden die Passagiere im Homburgertal gegenüber jenen im Raum Gelterkinden bevorteilt. Der Verbundgedanke der uneingeschränkten Wahl des Verkehrsmittels im Verbundgebiet muss gewährleistet werden.

Aber weshalb ist es dann nicht gleich möglich, den Verbund auch auf der S3 bis nach Olten auszuweiten?

Das würde zu wesentlichen Einnahmeausfällen führen. Selbst wenn das U-Abo nicht auf Fernverkehrszügen gültig wäre, würden viele auf die S3 umsteigen, um nach Olten und dann in Richtung Mittelland zu gelangen. Die SBB würden im Fernverkehr eine Entschädigung verlangen.

Wie hoch wären denn die Mehrkosten?

Wir gehen von einem tiefen zweistelligen Millionenbetrag aus bei einer U-Abo-Gültigkeit bis Olten. Dies aufgrund von Studien, die wir vor einigen Jahren gemacht haben. Wir verkaufen knapp zwei Millionen U-Abos. Das U-Abo würde rund zehn Prozent teurer. Der TNW stellt sich nicht grundsätzlich gegen eine Ausweitung. Wenn die Mehrkosten etwa der Kanton Baselland übernehmen würde, wäre dies eine andere Ausgangslage und wir würden dies mit den TNW-Partnern prüfen.

Auch ein um zehn Prozent teureres U-Abo wäre noch immer konkurrenzlos günstig. Denken Sie nicht, dass die Kunden eine Erhöhung des Preises mitmachen würden?

Das denken wir nicht. Zwei Drittel unserer Abonnenten sind in Basel und im Unterbaselbiet zuhause. Diese reagieren sensitiv auf eine Preiserhöhung. Mit 80 Franken haben wir eine Limite erreicht. Dies auch, weil im Agglomerationsverkehr die Konkurrenz unter den Verkehrsträgern gross ist. Wir sehen auch, dass im Nahverkehr die Passagierzahlen stagnieren – im Gegensatz zum Fernverkehr, wo sie stetig steigen.

Das würde für eine Zonierung des U-Abos sprechen?

Das U-Abo ist das einzige regionale Abo der Schweiz, das in allen Zonen gültig ist. Oft ist zu hören, dass die Städter mit U-Abo jene auf dem Land quersubventionieren, weil sie das Abo in der Stadt unternutzen. Wir haben in einer Nutzerstudie festgestellt, dass dem nicht so ist. Die städtischen Passagiere fahren zwar im Schnitt kürzere Strecken, aber sie fahren häufiger.

Befürchten Sie, dass eine Ausweitung des U-Abos nach Olten Tür und Tor öffnen würde für eine Ausweitung in andere Regionen?

Der TNW ist durch verschiedene natürliche Grenzen begrenzt: Im Laufental ist es die Sprachgrenze, im Raum Basel die Landesgrenzen oder sonst sind es Gebirgsgrenzen.

Seit kurzem ist das U-Abo aber auch im grenznahen Deutschland gültig. Wieso geht es dort und Richtung Olten nicht?

Die Situation lässt sich nicht miteinander vergleichen: Wir haben nicht den TNW ausgeweitet, sondern anerkennen die Gültigkeit von Abos in zwei Verbünden im Rahmen eines Tauschgeschäfts. Wir möchten mit der gegenseitigen Anerkennung den Freizeitverkehr aus Südbaden nach Basel fördern.

Was sagen Sie zum Vorwurf, mit dieser Anerkennung würden Sie den Einkaufstourismus weiter fördern?

Wir haben diese Diskussionen geführt. Der Einkaufstourismus ist vor allem von Faktoren wie dem Wechselkurs und dem Warenangebot abhängig. Wir sind überzeugt, dass die Leute nicht wegen unseres Angebots in Deutschland einkaufen gehen. Wenn sie dies aber tun, sollen sie nach Möglichkeit den öffentlichen Verkehr nutzen.

Gibt es Ideen für eine weitere geografische Erweiterung der grenzüberschreitenden Verbünde im Dreiland?

An der Schifflände verkehren einige der blauen Distribus-Busse, auf denen das U-Abo nur bis zur Landesgrenze gültig ist. Schön wäre es, wenn das U-Abo auch über die französische Landesgrenze hinaus auf diesen Bussen gültig wäre.

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