Morgen diskutiert der Landrat neben dem Budget auch über das Investitionsprogramm 2016 bis 2025. Bei dessen Anblick dürfte mancher gestaunt haben: Für die Umgestaltung der Baslerstrasse in Allschwil ist kein Rappen eingestellt – für den Ersatz der komplett veralteten Schienen entlang der sanierungsbedürftigen Strasse allerdings 6 Millionen. Millionen, die verloren sind, sobald die Strassensanierung beginnt. Denn dann werden die Schienen wieder entfernt (bz berichtete).

Immerhin: Der erste Eindruck täuscht, wie sich auf Nachfrage bei der Bau- und Umweltschutzdirektion herausstellt. Obwohl die Regierung die Erneuerung der Baslerstrasse im Investitionsprogramm nicht eingeplant hat, möchte sie 2021 mit dem Umbau beginnen, wie Kommunikationsleiter Dieter Leutwyler verrät.

In Allschwil hält sich die Begeisterung trotzdem in Grenzen. «Ich würde das Vorhaben so schnell wie möglich angehen», sagt Gemeinderat Robert Vogt. «Mich erstaunt, dass man nochmals 6 Millionen in Notsanierungen der Tramschienen investieren will, bevor man mit der Erneuerung der Baslerstrasse anfängt. Das macht betriebswirtschaftlich keinen Sinn.»

12 Millionen für Notmassnahmen

Aufgrund der schlechten Finanzlage hat der Regierungsrat beschlossen, das jährliche Investitionsvolumen zu begrenzen. Deshalb zögert er die Sanierung der Baslerstrasse hinaus: Bis zum letzjährigen Investitionsprogramm ging man noch von einem Spatenstich 2015 aus, später sprach man von 2019, mittlerweile also von 2021. In der Zwischenzeit muss der Kanton aus Sicherheitsgründen allerdings immer wieder Teile der überalterten Tramschienen notsanieren. Das hat er sich gemäss den Basler Verkehrsbetrieben (BVB) seit 2005 schon 6 Millionen kosten lassen. Anfang Jahr soll der Landrat weitere 6 Millionen für Sofortmassnahmen an die lädierten Schienen der Tramlinie 6 sprechen.

Sagt das Parlament Ja, investiert es 6 Millionen Franken in Schienen, die später wieder entfernt werden. «Verlustinvestitionen» nennt sich das beim Kanton. Sagt das Parlament Nein, müssen die BVB das Tram aus Sicherheitsgründen ab Morgartenring bis Allschwil Dorf durch Busse ersetzen. Auch dies wäre teuer: 2,5 Millionen kostet der Bus-Ersatz im Jahr.

Weitere Verlustinvestitionen will der Regierungsrat aber verhindern. Deshalb wünscht er sich den Baubeginn per 2021. Denn erneuert werden bei den Notsanierungen jeweils nur die Schienen, nicht aber der Untergrund. Deshalb sind die Gleise maximal zehn Jahre lang befahrbar. «Würde sich die Erneuerung der Baslerstrasse also bis 2025 oder später verzögern, würden wohl weitere Kosten für Sofortmassnahmen anfallen», erklärt Leutwyler.

Zeit bis 2024

So lange Zeit lassen sollte sich der Kanton aber auch aus einem anderen Grund nicht: Denn ein grosser Teil der Sanierung der Baslerstrasse hängt mit dem Behindertengleichstellungsgesetz zusammen. Dieses verlangt die Anpassung diverser Tramhaltestellen in Allschwil und müsste bis 2024 umgesetzt sein.

Den Realisierungskredit für die Erneuerung der Baslerstrasse möchte die Regierung dem Parlament schon möglichst bald beantragen. Sollten sich nämlich andere Verschiebungen im Investitionsprogramm ergeben, etwa langwierige Einsprachen bei der Verlegung der Rheinstrasse im Gebiet Salina Raurica, könnte die Baslerstrasse vorgezogen werden. «Dann könnten die Kosten für weitere dringende Geleisesanierungen und Reparaturen am Strassenbelag vermieden oder zumindest reduziert werden», so Leutwyler.