Schüler-Verschiebungen

Überdurchschnittlich viele Schüler zwangsversetzt: Jetzt will Aesch Betroffenen das U-Abo zahlen

Aesch zähle zuviele Schülerverschiebungen, klagt die Gemeinde. Jetzt will sie ein «starkes Zeichen» setzen.

Aesch zähle zuviele Schülerverschiebungen, klagt die Gemeinde. Jetzt will sie ein «starkes Zeichen» setzen.

Aesch glaubt, bei den Verschiebungen benachteiligt zu werden. Der Gemeinderat will nun ein «starkes Zeichen» setzen. Er will denn Eltern der Betroffenen ihre Ausgaben für den öffentlichen Verkehr zurückerstatten.

Lange war es ruhig rund um die Schulzuweisungen im Kanton Baselland. Seit 2012 verschiebt die Bildungsdirektion konsequent Sekundarschüler und -schülerinnen – mit dem Ziel, dass an allen Standorten die Klassen voll werden. Doch die «Fremdplatzierungen» haben immer wieder für Unmut gesorgt.

Jüngstes Beispiel ist Aesch. Die Gemeinde fühlt sich vom Kanton unfair behandelt. Überdurchschnittlich viele Schüler würden neu zwangsversetzt, klagt der Gemeinderat in seinen Mitteilungen. Darum plane er ein «starkes Zeichen»: Den Familien der Betroffenen soll das Geld für Tram und Bus zurückerstattet werden. Im Budget 2019 ist bereits ein Betrag für das «Tramgeld» eingestellt worden. Es sind 20 000 Franken. Das solle reichen für die öV-Ausgaben der 24 Betroffenen.

Die Rechnung dürfte aufgehen: Pro Kopf entfallen 833 Franken. Ein Jahres-Umweltschutz-Abonnement (U-Abo) kostet 530 Franken. Es gewährt auf dem gesamten Netz des Tarifverbunds Nordwestschweiz (TNW) freie Fahrt.

Klassen zu gross – oder zu klein

Ursprünglich verlangte der Gemeinderat, der Kanton solle für die öV-Ausgaben aufkommen. Dafür fehle jedoch die gesetzliche Grundlage, sagt Beat Lüthy, Leiter des Baselbieter Amts für Volksschulen (AVS), auf Anfrage der bz. Auch bei den Angaben zu den Zahlen der Betroffenen gibt es Widersprüchlichkeiten. Laut der Zählung des AVS sind 19 Aescherinnen und Aescher «fremden» Sekundarschulen zugeteilt worden. 10 besuchen ab Beginn des neuen Schuljahrs im August die Sek Arlesheim, 9 diejenige in Reinach.

Trotzdem: 19 verschobene Schüler sind viel im Vergleich zum kantonalen Total. Gemäss AVS sind insgesamt 73 Schülerinnen und Schüler anderen Gemeinden zugeteilt worden. Das habe mit einer ungünstigen Konstellation zu tun, sagt Lüthy. Im Niveau P zähle Aesch 50 Schüler. Zu viele für zwei Klassen – maximal sind 24 Schüler erlaubt –, aber zu wenige für drei. «Jetzt besuchen fünf dieser Schüler im Niveau P die Sek Arlesheim», sagt Lüthy.

Die Richtzahl ist 22. So gross sollen die Sekundarschulklassen im Kanton Baselland sein. Liegt eine Klasse unter dem Wert, gibt es zwei Möglichkeiten: Man löst sie auf und verteilt die Schüler auf andere Standorte. Oder aber man füllt die Klasse mit «Ortsfremden» auf. Ausschlaggebend für diese Regelung waren Sparbemühungen: Mit jeder nicht geführten Sekundarschulklasse sinkt der Aufwand der Bildungsdirektion um rund eine Viertelmillion Franken pro Jahr.

Es gibt aber Grenzen der Pendlerei: Die 17 Sekundarschulen im Baselbiet sind sieben Schulkreisen zugeteilt. Grundsätzlich sind Zuweisungen über Schulkreise hinweg zu vermeiden – es drohen zu grosse Distanzen zwischen Wohnort und Schulhaus. Doch selbst diese Regelung führt zu Problemen, etwa im Laufental (siehe Kasten).

Auch innerhalb eines Schulkreises können die Schulwege lang werden. Das moniert Aesch. Zuteilungen nach Reinach habe es immer wieder gegeben, sagt Gemeindepräsidentin Marianne Hollinger zur bz. Das sei wegen der Tramverbindung gut machbar. «Neu wurden jedoch viele nach Arlesheim zugeteilt, das verkehrstechnisch viel ungeschickter liegt.»
Abo als «faire Entschädigung»

Auch in Pratteln sind Schüler unzufrieden mit ihrer Versetzung. Einige, welche die Sek in Muttenz statt an ihrem Wohnort besuchen müssen, haben dem Orts-Parlament einen Brief geschrieben. Sie klagen, in der eineinalbstündigen Mittagspause müssten sie «nach Hause kommen, essen, auf Toilette gehen, ein bissschen entspannen und wieder in die Schule fahren.» Das sei kaum möglich. Darum fordern die Verfasser des Briefs ein Tram-Abo – als «faire Entschädigung».

Auch ein Kind des Prattler Einwohnerrats Patrick Weisskopf (Unabhängige) muss nach Muttenz pendeln. Er reichte eine Interpellation ein, in der er vom Gemeinderat unter anderem wissen wollte, ob er sich eine Beteiligung an den öV-Kosten vorstellen könne. Doch der Gemeinderat lehnte ab. Das Sekundarschulwesen sei Sache des Kantons, hiess es.

Patrick Weisskopf will sich aber noch nicht geschlagen geben. Er sagt auf Anfrage: «Mein Ziel ist, das Anliegen im Landrat aufs Tapet zu bringen.»

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