Allschwil wächst. Und Allschwil floriert. Aber nicht alle in der grössten Baselbieter Gemeinde profitieren vom Boom. In den vergangenen Jahren sind die Sozialhilfekosten stark angestiegen. Im kantonalen Vergleich liegt der Basler Vorort derzeit an neunter Stelle. Nun will die Gemeinde der Armut auf den Grund gehen. Geht es nach dem Willen des Gemeinderats, so wird das Institut für Soziologie der Universität Basel sich dem Phänomen annehmen.

Maximal 60 000 Franken soll die Studie kosten. Der Gemeinderat will den entsprechenden Kredit dem Einwohnerrat an dessen nächster Sitzung unterbreiten. Diese findet am Dienstag in einer Woche statt.

Gründliche Studie geplant

Aller Voraussicht nach wird das Gemeindeparlament der Vorlage zustimmen - schon zweimal hatte sich eine Mehrheit für eine vertiefte Analyse der Armut ausgesprochen.

Auch Ueli Mäder wird die Sitzung des Einwohnerrats besuchen. Der Soziologie-Professor ist als Leiter der Studie vorgesehen. Er hat sich mit diversen Arbeiten als Armutsforscher einen Namen gemacht. So leitete er etwa die Sozialuntersuchung Baselland (1995), die Studie «Armut im Kanton Basel-Stadt» (1991) und die Nationalfondsstudie «Working poor in der Schweiz» (2004).

Mit dem vorgesehenen Betrag sei eine «gründliche, auf lokale Verhältnisse zugeschnittene» Studie möglich, sagt Mäder auf Anfrage. «Wir haben schon einige Erfahrung auf dem Gebiet, müssen nicht bei null beginnen.»

Allschwil bezeichnet er als spannendes Forschungsfeld: «Die Gemeinde ist überschaubar, hat ein funktionierendes Gemeinwesen, aber als Vorort wohl auch viele typisch städtische Probleme.» Es würde bei der Studie nicht darum gehen, «mit der Lupe jeden einzelnen Armen zu zählen», sondern darum, wichtige Zusammenhänge heraus zu finden.

So soll unter anderem beantwortet werden, in welche Richtung sich die Gemeinde entwickle und welche Angebote es brauche. Allschwil rechnet für die Sozialhilfe für das laufende Jahr mit Kosten in der Höhe von über sechs Millionen Franken - 2011 waren es noch rund fünf Millionen Franken. Damit folgt die Gemeinde einem langjährigen gesamtkantonalen Trend.

Mäder mit öffentlichem Referat

Die Forderung für einen Armutsbericht geht auf einen Vorstoss der SP-Fraktion vom Januar 2013 zurück. Der Gemeinderat wollte ihn nicht entgegennehmen, der Einwohnerrat sprach sich jedoch zweimal für eine Studie aus, zuletzt grossmehrheitlich im April. Darauf hin lud der Gemeinderat Ueli Mäder ein, damit dieser Varianten und Kosten eines allfälligen Berichts erläutern kann.

Auch dem Einwohnerrat wird Ueli Mäder sein Konzept vorstellen: zu Beginn von dessen nächster Zusammenkunft am 17. Juni, 18 Uhr im Schulhaus Lettenweg wird er ein Referat halten - die Sitzung ist öffentlich, die Bevölkerung ist eingeladen.