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Uhrenfirma Oris: «Swiss Made ist ein riesiger Vorteil»

Die beiden Oris-Chefs («Joint Executive Officer») Rolf Studer und Claudine Gertiser-Herzog.

Die beiden Oris-Chefs («Joint Executive Officer») Rolf Studer und Claudine Gertiser-Herzog.

Oris, die Oberbaselbieter Uhrenfirma, kommt betrieblich in eine neue Phase. Zurzeit wird sie von Claudine Gertiser-Herzog und Rolf Studer im Duo geleitet. Die Firma setzt bei der Produktion trotz starkem Franken nach wie vor auf Schweizer Qualität.

Schaut man in den Katalog der Uhrenfirma Oris, stellt man unschwer fest: Für eine
relativ kleine Firma ist das ein riesiges Angebot. Mehrere 100 Modelle sind hier zu finden. Es sei gerade diese Modellvielfalt, die der Firma zur Stabilität verholfen hatte, sagt Co-Leiter Rolf Studer, verantwortlich für das Oris-Marketing. Läuft ein Modell vielleicht weniger gut, hat es einige andere, die das wettmachen können.

Weltweit zugelegt

Oris konnte im vergangenen Jahr weltweit zulegen, obwohl der Markt drei Prozent im Minus lag. «Mit dem globalen Markt sind wir soweit zufrieden und in der Schweiz hatten wir ein gutes Resultat.»

Spürt Oris die Schwäche des chinesischen Marktes nicht? Studer lässt sich nicht in die Karten blicken und sagt lediglich: «Wir sind sehr gut aufgestellt. 50 Prozent des Marktes ist Westen, 50 Prozent Osten.» Es zahle sich aus, dass Oris schon vor Jahren in Europa und in den USA viel in den Vertrieb investiert hatte – 2006 beispielsweise mit einer eigenen Tochtergesellschaft in den USA.

Dass praktisch alles in der Schweiz produziert wird, hat Vor- und Nachteile. «Swiss Made ist ganz klar ein riesiger Vorteil. Aber der harte Franken ... Das konnte niemand so wegstecken», sagt Studer. Preisreduktionen nahm die Firma nicht vor. «Wir haben keine Luft in den Preisen», sagt Studer. Trotz den faktischen Preisaufschlägen im Ausland ist die Uhr in Deutschland, Österreich und vor allem Frankreich gut gelaufen.

Die Werke sind Swiss made und stammen von Sellita und ETA. 2014 entwickelten die Oris-Uhrmacher erstmals nach 35 Jahren wieder eigenes Werk, das «Kaliber 111», eines mit Handaufzug und Gangreserve-Anzeige. Oris hatte wegen der Quarzuhr-Konkurrenz die Eigenproduktion in den 70er Jahren aufgegeben.

Der Aufbau erfolgt Schritt für Schritt. Das nächste Werk, das Kaliber 112, ist bereits lanciert. Die Uhr hat eine zweite Zeitzone, bei der man sogar sieht ob dort gerade Tag oder Nacht ist. Oris arbeitet mit über 20 Partnern der Uhrenindustrie zusammen. Weltweit zählt Oris 140 Angestellte, 60 davon in Hölstein.

Doppelleitung - ungewöhnlich

Betrieblich steht Oris vor einer neuen Phase. Ulrich W. Herzog, der langjährige Geschäftsführer, hat sich aus dem operativen Geschäft zurückgezogen und konzentriert sich auf das Verwaltungsratspräsidium. Seit Beginn dieses Jahres sind Herzogs Tochter, Claudine Gertiser-Herzog und Rolf Studer am Drücker. Sie leiten die Firma im Duo, eine in der Schweizer Industrielandschaft seltene Konstellation. Ob das gut geht? Ja, klar, finden beide.

«Wir haben das gleiche Grundverständnis. Damit ist ein grosser Teil des Konfliktpotenzials weg. Wir sind beide unkompliziert und kommunizieren direkt. Und ganz wichtig: Wir ergänzen uns Ideal», sagt Claudine Gertiser. Sie hatte in den vergangenen 20 Jahren ihr eigenes internationales Geschäft aufgebaut und ist seit 2005 Verwaltungsrätin bei Oris. In ihrer neuen Rolle verantwortet sie das Rechnungswesen, die IR und das Personalwesen.

Rolf Studer stiess vor 10 Jahren zu Oris. Er ist für das Marketing, Vertrieb und das Produkt- und Supply-Chain-Management (im Prinzip also die Produktion) zuständig.

Oris sei in den vergangenen Jahren stets gewachsen und stark von Ulrich Herzog geprägt gewesen. So, wie das Herzog 40 Jahre lang gemacht habe, könne das heute niemand mehr, sagt Studer. Die Prozesse seien auch komplexer geworden. «Dem müssen wir gerecht werden.» Eines ist sicher, ist das Chef-Duo überzeugt: Die Firma wird unabhängig bleiben.

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Autor

Stefan Schuppli

Stefan Schuppli

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