Schliessung

Um ihr Spital zu retten, drohen Schliessungs-Gegner mit dem Laufental-Vertrag

Ein Bild, das bald der Vergangenheit angehört? Das Spital Laufen soll im Herbst dieses Jahres zu einem ambulanten Gesundheitszentrum werden. (Archivbild)

Ein Bild, das bald der Vergangenheit angehört? Das Spital Laufen soll im Herbst dieses Jahres zu einem ambulanten Gesundheitszentrum werden. (Archivbild)

Das Schriftstück gewährleistet das Laufner Spital. Kritiker der Schliessung überlegen, den Vertrag einzufordern.

Es ist ein einziger Satz, und doch lässt er die Wogen im Laufental hochgehen: «Der Bestand des Spitals mit Grundversorgung für Chirurgie, Innere Medizin, Gynäkologie, Geburtshilfe und mit der Notfallstation bleibt dauernd gewährleistet.» Geschrieben stehen diese Worte im Paragrafen 45 des Laufentalvertrags. Das Schriftstück trat an Neujahr 1994 in Kraft und regelte die Aufnahme des bernischen Laufentals in den Kanton Baselland.

Schon heute stimmt die Formulierung im Vertrag nicht mehr mit der Realität überein. Das Kantonsspital Baselland (KSBL) hat in Laufen mehrere Abteilungen geschlossen. Nun plant das KSBL mit dem Kanton Baselland und einer Verhandlungsdelegation aus Laufentaler Politikern, das defizitäre Spital zu schliessen und durch ein ambulantes Gesundheitszentrum in Bahnhofnähe zu ersetzen. Aufnehmen soll das Zentrum seinen Betrieb im Herbst dieses Jahres in den Spitalräumlichkeiten an der Lochbruggstrasse. Im Jahr 2024 soll der Umzug in einen Neubau beim Bahnhof stattfinden.

Kanton habe das Laufner Spital aushungern lassen

An einer Informationsveranstaltung stellten die Verantwortlichen am Dienstagabend der Laufentaler Bevölkerung ihre Pläne vor. Das Interesse an der Zukunft der Gesundheitsversorgung im Tal war riesig. Rund 200 Besucherinnen und Besucher hörten sich an, was mit ihrem Krankenhaus geschehen soll. In der Fragerunde waren die Stimmen, welche die Schliessung kritisierten, in der Überzahl. Das KSBL habe das Spital Laufen konsequent aushungern lassen, lautete eine Hauptkritik. Die tiefen Fallzahlen, die als einer der Gründe für die Schliessung ins Feld geführt werden, seien hausgemacht. Mehrere Votanten pochten auf eine Notfallversorgung mit einem rund um die Uhr anwesenden Arzt. Andere plädierten dafür, die Hausärzte ins Boot zu holen und die Anliegen der Bevölkerung einzubeziehen.

Immer wieder stützten sich die Kritiker in ihren Ausführungen auf den Laufentalvertrag. Mehrmals wurde auf die Möglichkeit hingewiesen, den Vertrag einzufordern. Mit einer sogenannten Feststellungsverfügung könnte man von den Verhandlungspartnern verlangen, dass der Laufentalvertrag eingehalten wird. Die beteiligten Behörden müssten entscheiden, ob sie darauf eingehen und den Vertrag einhalten. Tun sie es nicht, ist es möglich, an ein Gericht zu gelangen.

«Die Laufentaler werden für dumm verkauft»

Erste Schritte wurden diesbezüglich bereits in die Wege geleitet. FDP-Stadtrat Simon Felix hat vor, einen Verein oder eine Interessensgemeinschaft für den Erhalt des Spitals zu gründen. «Ein Teil unserer Arbeit wird sein, rechtliche Abklärungen zum Laufentalvertrag machen zu lassen», sagt er am Tag nach dem Infoanlass. Gleichzeitig fordert er den Gesamtstadtrat auf, ebenfalls tätig zu werden. Auf Antrag der Laufner Freisinnigen wurden erfolgreich für derartige rechtliche Untersuchungen 100'000 Franken ins Laufner Budget aufgenommen.

Simon Felix möchte die Votanten, die sich kritisch äusserten, überzeugen, in seiner Gruppierung mitzuarbeiten. Zu den Kritikern gehört auch Guido Karrer aus Röschenz. «Der Laufentalvertrag wird einfach unter den Teppich gekehrt. Die Laufentaler werden für dumm verkauft», sagte er am Dienstagabend. Karrer klagte vor sieben Jahren erfolglos gegen die Schliessung der Bezirksschreiberei und des Bezirksgerichts in Laufen durch den Kanton.

Gerichtlich vertreten wurde Karrer vom Riehener Anwalt und SVP-Grossrat Heinrich Ueberwasser. Auf Anfrage schreibt dieser: «Die Behörden, die sich mit den Fragen um das Spital Laufen befassen, sind an den Laufentalvertrag gebunden.» Die rechtlichen Chancen, mit einer Feststellungsverfügung Entscheidendes zu erreichen, seien intakt.

Meistgesehen

Artboard 1