Jahrzehntelang strömten Schwermetalle ungefiltert aus den Kaminen der Metallwerke Dornach. Die Stoffe, vor allem Kupfer, Zink und Kadmium, lagerten sich in den Gärten in der Nachbarschaft ab. Erkannt wurde die Belastung bereits im Jahr 1988. Aufgrund fehlender gesetztlicher Grundlagen blieben die Metalle aber lange Zeit in der Erde.

Erst im vergangenen August konnten die Arbeiter damit beginnen, den Boden zu sanieren. Betroffen von den Massnahmen sind 16 Privatgärten im Gebiet der Metallwerke. «Die obersten 40 Zentimeter Erdreich werden abgetragen und mit sauberer Erde ersetzt», sagt Anna Plotzki vom Solothurner Amt für Umwelt, das die Sanierungen verantwortet. Die Arbeiten sollen im nächsten Sommer beendet sein. Eine Belastung privater Grundstücke durch Immissionen aus der Industrie sei im Kanton Solothurn selten.

Anwohner gingen vor Gericht

Die Gesamtkosten für die Altlastensanierungen in Dornach belaufen sich auf rund 1,65 Millionen Franken. Gemäss einem Verteilschlüssel teilen sich der Verursacher der Belastungen und die Liegenschaftsbesitzer die Kosten. Da die Anwohner erstmals 1988 über die Belastungen informiert wurden, sind Betroffene, die ihr Grundstück zuvor gekauft haben, von einer Kostenbeteiligung befreit. Solche, die es erst danach erworben haben, müssen zwischen 10 und 30 Prozent selbst bezahlen. Dies, da man davon ausgeht, dass sie Kenntnis über die belastete Erde hatten. Je später sie das Land kauften, desto höher ist der Prozentsatz, den sie selber berappen müssen.

Dass auch sie einen Teil der Kosten übernehmen müssen, kommt bei einigen Betroffenen schlecht an. «Ich verstehe nicht, weshalb wir zahlen müssen», sagt eine Anwohnerin. «Die Metallwerke Dornach haben den ganzen Dreck bei uns abgeladen. Sie sollten die gesamten Kosten tragen.» Die Sanierungen bedeuteten für sie Ausgaben von mehreren zehntausend Franken, erklärt sie. Zudem bezweifle sie, dass der Boden in einem gesundheitsgefährdenden Zustand sein soll. «In meinem Garten sind die Erdbeeren immer wunderbar gewachsen. So schlecht kann die Erde nicht sein.» Die Unzufriedenheit in der Nachbarschaft über die Sanierungen sei gross, ist sie sich sicher.

Um von einer Kostenbeteiligung befreit zu werden, zogen einige Anwohner sogar vor Gericht. Sowohl beim Solothurner Kantonsgericht als auch beim Bundesgericht blitzten sie mit ihrem Begehren ab. Die Gerichte argumentierten unter anderem damit, «dass die Sanierung zu einer erheblichen Wertsteigerung der Grundstücke führt, da diesen nach der Sanierung uneingeschränkte Baulandqualität zukommt». Das Bundesgericht hielt im Urteil vom Juni 2016 weiter fest, dass sämtliche Beschwerdeführer aus der Sanierung einen beträchtlichen wirtschaftlichen Vorteil erlangten. Deshalb sei die Auferlegung eines Kostenanteils von bis zu 30 Prozent nicht zu beanstanden.

Kanton übernimmt Ausfallkosten

Den grössten Teil der Sanierungskosten müssen die Metallwerke Dornach übernehmen. Da das Unternehmen jedoch nicht mehr existiert und sich die Nachfolgefirma Weidenareal Metall AG in Nachlassliquidation befindet, ist fraglich, ob sie für Kosten aufkommen kann. «Wie hoch der Kostenanteil sein wird, den sie übernehmen kann, ist noch unbekannt und hängt von der Nachlassdividende ab», erklärt Christine Tschan vom Rechtsdienst des Solothurner Bau- und Justizdepartements.

Sollte die Weidenareal Metall AG nicht alles bezahlen können, übernimmt der Kanton Solothurn die Ausfallkosten. Es ist also gut möglich, dass die Anwohner noch einmal zur Kasse gebeten werden – als Steuerzahler.