Fasnacht Dornach 2017

Umzug mit Migrationshintergrund

Fasnachtsmigranten aus der Schweiz und Deutschland marschierten im Dornacher Umzug vom letzten Samstag mit. Vom Blaggedde-Motto „Es knischteret im Gebälk“ war wenig zu spüren.

Frau Fasnacht war das Wetterglück in Oberdornach hold, auch wenn sich hin und wieder eine unangenehme Föhnböe erhob. Erwartungsfrohe Kindergesichter blickten in Richtung Umzugsspitze. Die Ruinenarre, die einzige Guggenformation in Dornach, eröffneten den Umzug. Er führte wie immer zweimal durch die Hauptstrasse und die Unterdorfstrasse und zurück zur Schmiedegasse.

Zum vierten Mal hatte das Fasnachtskomitee Guggen, Wagen und Schyssdräggziigli aus der Region und von weiter weg eingeladen. Insgesamt liefen 25 Einheiten mit. Das Motto, das auch auf der Blaggedde prangt, lautet: «Es knischteret im Gebälk». In der Medienmitteilung gab das Komitee gleich auch eine Erklärung für das Motto: «Das vergangene Jahr war in Dornach geprägt von kommunalen Unstimmigkeiten. Missklänge aus Gemeindeverwaltung und Schule gelangten in die Medien.» Tatsächlich hätte es einige Themen gegeben, die richtig fasnachtstauglich gewesen wären: die politische Gesprächskultur, das Dornacher Steuerwunder, die schlechten Noten für die Sekundarschule oder der Streit um die Ausrichtung im Kloster.

Gäste aus Baden-Württemberg

Liebhaber bissiger Verse wurden jedoch enttäuscht und suchten auch bei den Dornacher Schyssdräggziigli vergeblich nach aktuellen Sprüchen. Schmerzlich vermisste man den aus drei Generationen bestehenden Im-Mu-Clan, der drei Jahre lang zuverlässig attraktive Kostüme gezeigt und träfe Pointen gesetzt hatte. Da die wiederbelebte Fasnachtstradition des Bäramsle-Dorfes noch verhältnismässig jung ist und Dornach nicht einmal einen eigenen Waggiswagen besitzt, muss sich das Komitee jeweils auf andere Stärken als auf das Ausspielen politischer Sujets besinnen.

Obmann Benjamin Jutzi ist offenbar sehr gut mit der Fasnachtsszene in der Schweiz und im nahen Ausland vernetzt. Es gelingt ihm immer wieder, auch Gruppen aus Deutschland an die Birs zu locken. Aus der Nähe von Stuttgart stammt die noch junge Freie Narrenzunft Fellbach, die sich mit ihren furchteinflössenden Höhla Bära präsentierte. Bei den Betzinger Krautskräga erinnerte der Vortrab mit der strammen weiblichen Roten Garde und den Offiziellen in blau-goldenen Narrenkappen stark an nördlichere Faschingsbräuche mit ihrem «Helau» und «Alaaf». Die Mühla-Katza spiegelten den alemannischen Einfluss in dieser Narrenzunft wider. Vertrauter muteten die Rüebe Waggis aus Lörrach an.

Guggenstark und offen

Aus Dornach kamen neben den altbewährten maskierten Ruinenarre mit ihrem geschnäuzten HD-Soldat-Läppli-Fahrer drei Schyssdräggziigli zum Einsatz: d Löchlifligger, d Rosinepicker und d Bruggwäg-Hiener. Von den sieben Wagen stammten fünf aus Aesch und zwei aus Therwil. Neben den drei deutschen Formationen gab es weitere Guggen mit inländischem «Migrationshintergrund». Die Chacheler Musig Kriens wusste mit ihren schönen Kostümen und Masken ebenso zu gefallen wie die Grossstadtchnulleri Kaiseraugst, die optisch an den venezianischen Karneval anknüpften.

Sechs Guggenformationen aus Goldiwil (BE), Zizers (GR), Appenzell, Hedingen und Rüti (ZH) sowie Courtepin (FR) spielten mit – in unserer Region eher verpönten – bemalten Gesichtern. Damit erwies sich aber der Dornacher Umzug einmal mehr als tolerant gegenüber unterschiedlichsten Fasnachtstraditionen. Da fast ständig Gugge auf Gugge folgte, war das Gelände intensiv beschallt. Der Höhepunkt war natürlich das Guggenmonster auf dem Museumsplatz, um den herum auch die meisten Stände, Beizen und Bars zu finden waren.

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