Verkehr

Unfälle mit E-Bikes nehmen deutlich zu – jetzt will die Polizei diesen Unheiltrend stoppen

Ein Polizist gibt Vollgas, um zu prüfen, ob das E-Bike schneller fährt als erlaubt.

Ein Polizist gibt Vollgas, um zu prüfen, ob das E-Bike schneller fährt als erlaubt.

Unfälle mit E-Bikes nehmen immer mehr zu. Nun nimmt die Baselbieter Polizei die Elektrovelos ins Visier: Mit einer grossen Kontrollaktion will sie diesen Trend stoppen.

Dienstagmorgen vor der Gemeindeverwaltung in Binningen: Zehn Polizisten stehen einsatzbereit, acht aus dem Baselbiet und zwei aus Basel. Daneben mehrere Kastenwagen und sogar ein Polizeihund. Grund für das Aufgebot ist eine Fokuswoche der Baselbieter Polizei zum Thema E-Bike.

Noch bis zum nächsten Montag kontrolliert die Polizei auf dem ganzen Kantonsgebiet E-Biker und ihre Fahrzeuge. «Von 2011 bis 2018 haben sich die Unfälle mit E-Bikes mehr als verdreifacht», sagt die Chefin der Verkehrspolizei Baselland, Stephanie Eymann. Mit den Kontrollen will man vor allem auf die Gefahren des schnellen Velofahrens aufmerksam machen.

Autofahrer unterschätzen die Geschwindigkeit

Zu Unfällen komme es häufig, weil sich Autofahrende nicht an solch schnelle Velos gewohnt seien, erklärt Eymann. Gerade bei einer Kreuzung könne das zu Kollisionen führen. Andererseits seien sich oft auch die Lenkenden des E-Velos nicht bewusst, mit welcher Geschwindigkeit sie unterwegs sind. «Auch E-Biker halten sich nicht immer an die Verkehrsregeln. Bei dieser Geschwindigkeit ist das besonders gefährlich», sagt Eymann.

Gegen neun Uhr stoppt die Polizei eine Lenkerin, die von Münchenstein nach Basel unterwegs ist. Sie kennt die gefährlichen Situationen im Strassenverkehr: «Die Leute sind überrascht, wie schnell ich mit meinem Velo daher komme», sagt die 60-Jährige. Das Elektrovelo nutzt sie vor allem für die Arbeit: «Damit bin ich schneller als mit dem ÖV.»

Die Kontrolle verläuft relativ ruhig. Mit einem Laser wird die Geschwindigkeit der entgegenkommenden Velos von weitem gemessen. Fahren sie schneller als 25 km/h, werden sie gestoppt. Die 25 km/h entsprechen der Maximalgeschwindigkeit eines E-Bikes der langsamen Klasse. Die schnelle Klasse darf bis zu 45 km/h fahren. Dafür braucht man die Töffliprüfung, ein gelbes Nummernschild sowie einen Helm. Wer letzteren nicht trägt, muss mit einer Busse von 30 Franken rechnen.

Frisierte E-Bikes stellen ein Problem dar

Die langsamen und schnellen Elektrovelos unterscheiden sich technisch kaum. Bei den schnellen E-Bikes wird lediglich eine höhere Geschwindigkeit freigeschaltet. Das machen sich immer mehr E-Biker zunutze.

«Mit ein bisschen Recherche auf Youtube ist es heute technisch sehr einfach, ein Elektrovelo schneller fahren zu lassen», sagt ein Verkehrspolizist vor Ort. Was man früher von den Töfflis kannte, hat sich heute auf die E-Bikes verlagert. Anders als bei den Elektrovelos seien frisierte Töfflis heutzutage eigentlich kein Problem mehr, sagt der Polizist: «Zwar sind Töfflis wieder im Kommen, dann aber eher bei der älteren Generation und diese will eben genau das Retro-Feeling, mit 30 km/h unterwegs zu sein.»

Fazit der Kontrolle: Kein Baselbieter wurde gebüsst

Die Bilanz nach eineinhalb Stunden Polizeikontrolle: Alle gestoppten Fahrzeuge entsprechen den Vorgaben, niemand wurde gebüsst. Stephanie Eymann ist zufrieden mit dem Einsatz: «Ich erteile den E-Bike-Fahrern im Baselbiet ein gutes Zeugnis.» Der Polizeihund Jay musste während des Einsatzes im Auto warten. Der junge Spürhund war lediglich dabei, um sich an den Polizeialltag zu gewöhnen.

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