Lohndumping

Ungarische Gipser schuften für einen Hungerlohn von acht Franken

Gipser auf einer Baustelle in Allschwil schufteten für acht statt 32 Franken pro Stunde - ein Fall für die Unia. (Symbolbild)

Gipser auf einer Baustelle in Allschwil schufteten für acht statt 32 Franken pro Stunde - ein Fall für die Unia. (Symbolbild)

Ein neuer Fall von Lohndumping beschäftigt die Unia. Auf einer Baustelle in Allschwil arbeiten ungarische Gipser für einen Hungerlohn von acht Franken pro Stunde. Der Fall kam wegen des Unfalls eines Arbeiters ans Tageslicht.

Ein Unfall auf einer Baustelle in Allschwil brachte es ans Tageslicht: Ungarische Gipser arbeiteten dort für einen Stundenlohn von acht Franken, bis zu 60 Stunden in der Woche. «Das ist ein krasser Verstoss gegen die arbeitsrechtlichen Bestimmungen», sagte Hansueli Scheidegger , Co-Leiter der Gewerkschaft Unia Nordwestschweiz, an einer Medienkonferenz am Montag. Gemäss dem Gesamtarbeitsvertrag (GAV) für das Gipsergewerbe in Basel-Stadt gilt die 41,25-Stundenwoche.

Der ungarische Arbeiter geriet mit der Hand in eine Kabelwinde und wurde verletzt. Sein Chef, ebenfalls Ungar und gemäss Unia Besitzer einer Firma in Winterthur, wollte ihn nach Hause in sein Heimatland schicken - anstatt zum Arzt. Er solle doch einen Schnaps gegen die Schmerzen trinken. Der Verletzte und zwei seiner Kollegen meldeten sich aber bei der Gewerkschaft. Diese meldete sie bei der Arbeitsversicherung Suva an.

Gemäss GAV verdient ein Gipser inklusive Zuschläge brutto 32.29 Franken pro Stunde. Netto, also nach Abzug von AHV, Pensionskassen, Versicherungen müsste man von netto 26 Franken ausgehen, sagte Gewerkschaftssekretär Andreas Besmer. Die acht Franken, die den Arbeitern pro Stunde bezahlt worden sei, seien also gerade mal ein Drittel des regulären Lohnes. Besmer räumte ein, dass die Unterkunft, in diesem Fall eine Ferienwohnung in Efringen-Kirchen, wohl vom Arbeitgeber gestellt worden sei. «Aber wir erhielten auf Nachfrage bei der Firma keine Angaben.» Die Arbeiter seien auf einem Internetportal auf die Winterthurer Firma aufmerksam geworden.

Die Winterthurer Firma sei im Prinzip eine Scheinfirma zur Umgehung des Arbeitsrechts. «Eigentlich ist es eine Personalvermittlungsfirma, aber als solche sei sie nicht angemeldet.» Auch die Personalvermittler müssten den GAV bis auf ein paar Sonderregelungen einhalten.

Diese Art von Ad-Hoc-Firmen sei ein relativ neues Phänomen. Zum ersten Mal sei die Methode, eine Schweizer Scheinfirma zu gründen, welche ausländische Arbeitskräfte einstellt, auf der Sawiri-Baustelle in Andermatt aufgetaucht.

Teilweise sei auch das geltende Gesetz lückenhaft, sagt Scheidegger. Bei der AHV sei es möglich, dass Mitarbeiter auch erst rückwirkend angemeldet werden können, was die Schwarzarbeit begünstige. Die Unia fordert denn auch, das die Meldung der Arbeiter vorgängig erfolgen müsse und dass diese im Besitz eines Sozialversicherungsausweises sein müssten. Weiter müssten die Baustellenkontrollen effektiver durchgeführt werden können.

Die Gewerkschaft stellt jetzt im Namen der drei Angestellten Nachfordeungen in der Höhe von insgesamt 50'000 Franken.

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