Grippesaison

Ungeschütztes Spitalpersonal: Angestellte des Kantonsspitals verweigern Grippe-Impfung

(Symbolbild)

Dass ausgerechnet die Spitalmitarbeiter, die in engem Kontakt mit ohnehin geschwächten Patienten stehen, sich nicht impfen lassen, lässt die Spitalspitze ratlos zurück.

(Symbolbild)

Experten fürchten eine schlimme Grippewelle in Europa. Davon lassen sich die Spitalmitarbeiter nicht aus der Ruhe bringen. Im Kantonsspital Baselland folgen nur 20 Prozent der Angestellten der Impf-Empfehlung des Bundes.

Noch herrschen spätsommerliche Temperaturen. Doch der Herbst lässt sich nicht aufhalten. Mit dem Temperatursturz gehen die ersten Erkältungen einher. Und auch die Grippe wird wieder zuschlagen. Nachdem in Australien die schlimmste Grippesaison seit Jahren zu Ende gegangen ist, warnen auch die Gesundheitsexperten in Europa vor einer Epidemie.

So weit will sich Adrian Egli zwar nicht aus dem Fenster lehnen. Der Leiter Klinische Mikrobiologie des Universitätsspitals Basel sagt, dass derlei Prognosen ähnlich unpräzis seien wie die Wettervorhersagen über mehrere Monate. Eines sei jedoch «so sicher wie das Amen in der Kirche: Die Grippewelle kommt auch in diesem Winter nach Basel.»

Kaum Erfolg – trotz Anreizen

Die Grippe ist nicht zu unterschätzen. Jährlich sterben daran in der Schweiz mehrere hundert Menschen. Das Bundesamt für Gesundheit empfiehlt deshalb allen Medizinal- und Pflegefachpersonen, sich impfen zu lassen. Die Mühe ist grösstenteils vergeblich, wie eine Umfrage bei den hiesigen Spitälern zeigt. Im Universitäts-Kinderspital beider Basel (UKBB) liegt die Grippe-Impfrate beim Pflegepersonal «deutlich unter 50 Prozent», wie Ulrich Heininger einräumt. Der Leiter der Abteilung Infektionskrankheiten kann im Gegensatz zu anderen Spitälern immerhin auf einen hohen Prozentsatz bei den Ärzten verweisen. Hier erreicht das UKBB rund 70 Prozent.

Bedeutend schlechter steht es um die Quote im Unispital Basel (USB) und im Kantonsspital Baselland (KSBL). Im USB lassen sich lediglich 26 Prozent des gesamten Personals sowie 31 Prozent der Ärzte und Pflegenden impfen. Im KSBL sind es sogar nur 20 Prozent. 13 Prozent der Pflegenden und 44 Prozent der Ärzte sind hier grippegeimpft.

KSBL-Sprecherin Anita Kuoni betont zwar, dass sich das Hygieneteam dafür einsetze, die Mitarbeitenden für die Grippeimpfung zu motivieren. «Doch wird die Impfung von vielen abgelehnt.» Eine Erklärung dafür, warum sich ausgerechnet das Spitalpersonal nicht vor der Grippe schützt, haben selbst die Experten nicht zur Hand. Ulrich Heininger gibt zu, dass ihn die Frage ratlos mache. «Wir zerbrechen uns seit Jahren den Kopf. Leider ohne Erfolg.»

Man habe alles versucht, um das Personal für die Grippeimpfung zu motivieren. So habe man beispielsweise den Impfwilligen Essensgutscheine verteilt und Aufklärungskampagnen durchgeführt. Auch das Unispital setzt auf niederschwellige Angebote für alle Mitarbeitenden. Von Ende Oktober bis Januar wird vor der Mensa eine sogenannte «Impfbar» aufgestellt, bei der sich die Mitarbeiter impfen lassen können. Warum solche Massnahmen kaum Wirkung zeigen, darüber kann auch Ulrich Heininger nur spekulieren. «Vielleicht liegt es
daran, dass die Grippe nicht ein Gesicht hat und die meisten nicht schwer krank werden.»

Maskenpflicht für Ungeimpfte

Das ist für Rahel Bänziger keine Entschuldigung. Die Baselbieter Grünen-Landrätin und Präsidentin der Volkswirtschafts- und Gesundheitskommission ist der Meinung, dass das Pflegepersonal auch «in sozialer Hinsicht» in der Pflicht stehe. «Wenn ich eine Grippe selber gut wegstecken kann, dann ist es das Eine. Aber bei einer Impfung geht es auch darum, dass man die anderen nicht ansteckt. Und das sind im Spital ja meist geschwächte Menschen.»

Das USB hat eine eigene Lösung. Es kennt die Maskenpflicht für die nichtgeimpften Mitarbeitenden in Ausnahmesituationen. «Sie wird angeordnet, sobald zehn Grippepatienten hospitalisiert sind und entsprechend eine Influenza-Kohortenstation eröffnet wird», sagt Mediensprecher Martin Jordan. Davon sieht das KSBL bisher ab. Kuoni sagt: «Wir wollen in der emotionalen Diskussion keine Mitarbeitenden an den Pranger stellen. Wir respektieren, dass der Impfentscheid gemäss der geltenden Gesetzeslage ein privater Entscheid ist.» Anders sieht dies Bänziger. Sie wünscht auch für das KSBL: «In der Grippesaison sollen alle Mitarbeitenden eine Maske tragen, die nicht geimpft sind.»

Meistgesehen

Artboard 1