UPK Basel

Uni-Psychiatrie stellt ein Sektenmitglied ein

Die Universitäre Psychiatrische Kliniken Basel (Archiv)

Die Universitäre Psychiatrische Kliniken Basel (Archiv)

Ein Oberarzt der Psychiatrischen Kliniken (UPK) in Basel gehört zur umstrittenen Kirschblütengemeinschaft des Solothurner Anführers Samuel Widmer. Mitarbeiter der UPK wittern einen Skandal.

Die Universitären Psychiatrischen Kliniken (UPK) Basel haben einen neuen Oberarzt angestellt. Gemäss Informationen der bz ist er Mitglied der umstrittenen Kirschblütengemeinschaft. Genau aus diesem Grund hat der Mediziner seine Stelle als Assistenzarzt bei den Psychiatrischen Diensten der Solothurner Spitäler AG verloren. Doch nun hat er im gleichen Beruf eine neue Stelle in Basel gefunden; erst noch in höherer Funktion als Oberarzt. Seit Anfang Jahr arbeitet er in der Zentralen Aufnahme der UPK. Sein Name ist der bz bekannt.

Arbeitskollege äussert Kritik

Für einen UPK-Mitarbeiter, der anonym bleiben möchte, stellt die Anstellung eines «Sektenmitglieds» in einer Universitätsklinik einen Skandal dar: «Die Psychiatrie hat in ihrer Geschichte schon genug dunkle Seiten erlebt», meint er. Zwar geht der UPK-Angestellte nicht davon aus, dass sich die privaten Ansichten des neuen Oberarztes negativ auf dessen Arbeit auswirken. «Aber schon nur der Akt, jemanden anzustellen, der seine Stelle wegen einer Sektenzugehörigkeit verloren hat, ist mehr als fragwürdig. Hat die Geschäftsleitung denn keine Referenzen eingeholt?»

Diese Frage beantwortet UPK-Direktor Gerhard Ebner nicht. Zum Thema will er sich gegenüber der bz nur mit drei Sätzen äussern: «Der Fall ist der Geschäftsleitung bekannt. Mit dem betreffenden Mitarbeitenden wurden diesbezüglich Gespräche geführt und die Sachlage geklärt. Es besteht kein weiterer Handlungsbedarf.» Diese Antwort hört sich an, als hätte Ebner die klärenden Gespräche erst nach der Anstellung geführt.

Dabei macht der neue Oberarzt aus seiner umstrittenen Orientierung kein Geheimnis: In seinem Lebenslauf hat er vermerkt, dass er bei Samuel Widmer, dem Anführer der Kirschblütler, seine Ausbildung in psycholytischer Psychotherapie absolviert hat.

Oberarzt demonstriert

Der neue Basler Oberarzt findet es falsch, dass er wegen seiner Gemeinschaft diskriminiert wird. Nach seiner Entlassung in Solothurn ist er mit seiner Frau, einer Psychiaterin, der ebenfalls gekündet wurde, und weiteren rund hundert Kirschblütlern in Solothurn auf die Strasse gegangen. Auf einem Plakat stand: «Wir werden gemobbt. Jetzt reichts.» Die Demonstration fand im April dieses Jahres statt. Damals arbeitete der Arzt bereits seit vier Monaten in Basel. Er hielt sich zurück, während seine Frau die Öffentlichkeit suchte. Der az Solothurner Zeitung (SZ) sagte sie, dass sie und ihr Mann sich als Kriminelle abgestempelt fühlten. Die Leitung der Psychiatrischen Dienste in Solothurn habe ihnen gesagt, dass sie in der ganzen Schweiz nie mehr eine Stelle finden würden.

Mit der Protestaktion in Solothurn haben sich die Kirschblütler nicht die erhofften Sympathien erkämpft. Daniel Bielinski, Vizepräsident der Schweizerischen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, kritisierte in der SZ: «Das Gedankengut von Samuel Widmer ist mit den Wertvorstellungen der Ärzteschaft nicht vereinbar.» Konkret wirft er den Anhängern vor, in der Beziehung zu den Patienten nicht richtig mit der «Frage von Nähe und Distanz, Beziehung und Sexualität» umzugehen. Die Kirschblütler hingegen betonen, dass sie ihr privates Sexualleben strikt vom Beruflichen trennen.

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