Asylunterkunft

Unsichere Ikea-Häuschen: Zürcher Alternativ-Hütten genügen Baselland nicht

Die Hütten aus Holzspanplatten, die nun Zürich nutzt, genügen Baselland nicht.ZVG

Die Hütten aus Holzspanplatten, die nun Zürich nutzt, genügen Baselland nicht.ZVG

Auch der Kanton Baselland verzichtet nach den Zürcher Brandtests auf die mobilen «Better Shelter»-Unterkünfte von Ikea. Als Ersatz steht im Baselbiet Gasbeton oder feuerfestes Holz zur Wahl.

Nun steht es fest: Wie schon Zürich verzichtet auch Baselland auf den Einsatz der mobilen «Better Shelter»-Unterkünfte von Ikea. «Das kommt nach den Brandtests von letzter Woche nicht mehr infrage», bestätigt der Baselbieter Asylkoordinator Rolf Rossi auf Anfrage. Zur Erinnerung: Am Freitag zündete die Zürcher Gebäudeversicherung ein Kopfkissen in einer Ikea-Hütte an. Nach dreieinhalb Minuten war von der Plastik-Hütte nichts mehr übrig.

Brandgefährliche IKEA-Häuser (18.12.2015)

Brandtest: So schnell brennen die Ikea-Häuser.

Beim geplanten Bundes-Registrierungszentrum für 500 Flüchtlinge auf dem Feldreben-Areal in Muttenz hätten 150 Ikea-Hütten à 17 Quadratmeter Grundfläche in die Hallen gestellt werden sollen, um etwas Privatsphäre zu ermöglichen. Am Montag trafen sich Vertreter des Bundes und des Kantons nun vor Ort, um zwei Muster-Hütten als Alternativen zu begutachten. Auch wenn der definitive Entscheid gemäss Rossi erst Anfang Januar fällt, ist bereits klar, dass Baselland nicht denselben Weg wie Zürich geht: Dort hat man sich entschieden, bei einer Zürcher Firma 62 Häuser aus Holzspanplatten zu bestellen (siehe Bild).

«Simple Spanplatten kommen für uns nicht infrage», sagt Rossi. Nach dem Ikea-Debakel lege man grössten Wert auf den Brandschutz. Konkret stehen zwei Materialien zur Debatte: Entweder feuerfeste mitteldichte Holzfaserplatten (MDF) oder Gasbeton-Platten. Letztere würden grösstmöglichen Brandschutz bieten. Rossi konzentriert sich bei seinen Ausführungen denn auch vor allem darauf. Der Nachteil: «Steine brennen zwar nicht, aber man müsste die Hütten mauern.»

Flüchtlinge kommen erst im März

Der Aufwand halte sich aber in Grenzen, da die leichten Ytong-Steinplatten gross seien. Für den Holzbau würde sprechen, dass die Hütten nach ihrem Einsatz im Asylzentrum andernorts weiterverwendet werden könnten. Ob Holz oder Gasbeton: Baselland möchte die Neuplanung nutzen: «Wenn wir schon frisch über die Bücher müssen, dann wollen wir auch gleich gewisse Unzulänglichkeiten der Ikea-Hütten ausmerzen», sagt Rossi. Diese hätten nur ganz kleine Fenster gehabt, weswegen ganztags künstliche Beleuchtung nötig gewesen wäre. Dasselbe treffe auch auf die Spanplatten-Bauten aus Zürich zu. Deshalb überlege man sich, im Hüttendach ein Fenster einzubauen.

Unausweichlich ist, dass durch die Umplanungen Mehrkosten entstehen. Hat eine Ikea-Hütte rund 1300 Franken gekostet, rechnet Rossi nun mit 2500 bis 3000 Franken. Bei 150 Hütten macht das um die 400 000 statt 200 000 Franken. Dies würde aber vom Bund als Mieter übernommen. Da nach dem definitiven Entscheid das Baugesuch angepasst werden muss, verzögere sich der Zeitplan des Asylzentrums um zwei bis vier Wochen. Vor Ende Februar/Mitte März könnten die Flüchtlinge kaum einziehen, so Rossi: «Aber wir wollen bei einem Projekt dieser Grösse alles besonders gut vorbereiten, damit das Baugesuch möglichst wenig Angriffsfläche bietet.»

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