Gericht

Unternehmer steckte Firmengelder in eigene Tasche: Baselbieter Staatsanwaltschaft fordert Gefängnisstrafe

Die Vorwürfe gegen den 46-jährigen Gerüstbauunternehmer, der nun vor Gericht steht, sind schier endlos. Ein Urteil wird Ende Monat erwartet.

Die Vorwürfe gegen den 46-jährigen Gerüstbauunternehmer, der nun vor Gericht steht, sind schier endlos. Ein Urteil wird Ende Monat erwartet.

Der Gerüstbauerunternehmer hat einige Vorwürfe am Hals. Unter anderem soll er Arbeitgeberbeiträge bis zum Konkurs für Luxusautos und eigenen Hausbau verwendet haben.

«Auf Anraten meines Anwalts möchte ich keine Aussagen machen», übersetzte die Dolmetscherin im Gerichtssaal in Muttenz diese Woche gebetsmühlenartig immer und immer wieder. Der 46-jährige Angeklagte blieb dabei: Weder über seine persönlichen Verhältnisse noch zu den Vorwürfen wollte er sich äussern.

Vor einigen Jahren hatte er bereits zu viel gesagt. Das Konkursamt hatte den Unternehmer aus Giebenach im Jahr 2014 befragt, und dort gilt im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eine Mitwirkungspflicht. Dass die dort gemachten Äusserungen nun im Strafverfahren verwendet werden, wo ein Angeklagter ohne Nachteile die Aussage verweigern darf, wurde von seinem Anwalt heftig kritisiert. «Mein Klient hat unter Zwang ausgesagt», so Verteidiger Andreas Noll, er verglich das Vorgehen der Behörden mit Folter. Deshalb seien auch die Beweise unverwertbar.

«Der Gesetzgeber wollte das so, im Konkursverfahren bestehen Mitwirkungspflichten. Und bei jedem Strafverfahren, das wir vom Konkursamt erhalten, bekommen wir die Aussageprotokolle. Und dieses Protokoll war ein Grund, weshalb wir eine Strafuntersuchung eröffnet haben», konterte Staatsanwalt Pascal Heinold.

Die Vorwürfe gegen den 46-jährigen Gerüstbauunternehmer sind schier endlos: betrügerischer Konkurs, Misswirtschaft, Gläubigerschädigung, Unterlassen der Buchführung, Urkundenfälschung sowie ungetreue Geschäftsbesorgung. Hauptsächlich geht es um Vorwürfe aus den Jahren 2011 und 2012, der Gerüstbauer soll aus mehreren von ihm kontrollierten Firmen Gelder rausgezogen haben, es floss in das eigene Haus.

Buchhaltungsunterlagen spurlos verschwunden

Vor dem Umbau seiner eigenen Liegenschaft in Giebenach verlangte die Bank eine Bonitätsprüfung, doch seine Firma stand kurz vor dem Konkurs. Im Mai 2011 löste er das Problem elegant: Er hob 50'000 Franken in bar von seinem Konto bei der Gerüstbaufirma ab, und zahlte es kurz darauf ein paar hundert Meter entfernt bei der anderen Bank ein, diesmal aber auf sein Privatkonto zur Finanzierung seines Hauses. Die Buchhaltungsunterlagen aus jener Zeit sind spurlos verschwunden.

Beruflich war er hauptsächlich Subunternehmer: Von einer grossen Gerüstbaufirma erhielt er 45 Franken pro Stunde pro Mitarbeiter, im Jahr 2012 beschäftigte er so als Unterakkordant 40 Mitarbeiter auf Baustellen. Sozialversicherungsbeiträge führte er jedoch nie ab. Die Gewinne gingen zumindest teilweise für Luxusschlitten drauf, darunter einen Porsche mit einer monatlichen Leasingrate von 2100 Franken.
Den Porsche brachte er im Dezember 2011 als angebliche Sacheinlage im Wert von 100'000 Franken auch zur Gründung einer weiteren Aktiengesellschaft ein, wobei ihn dabei offenbar nicht störte, dass ihm das Leasingfahrzeug nicht gehörte. Für die Staatsanwaltschaft ein klarer Fall einer «Schwindelgründung».

Die Lohnadministration der Gerüstbaufirma übernahm eine 21-jährige Frau, die nach drei Jahren Handelsmittelschule ohne Diplom für 3500 Franken Bruttomonatslohn arbeitete. Gebucht wurde von ihr immer, auch wenn es keinerlei Belege gab. Irgendwann entliess der 46-Jährige sie fristlos.

Verlustscheine von 445000 Franken

Im November 2012 überschrieb der Mann seiner Ehefrau die Hälfte seiner Liegenschaft in Kaiseraugst, im Februar 2013 die Hälfte eines Hauses in Giebenach. Für die Staatsanwaltschaft ein klarer Fall, er wollte den Zugriff auf das Geld verhindern. Die Baselbieter Sozialversicherungsanstalt (SVA) sitzt nun auf Verlustscheinen in der Höhe von 445'000 Franken.

Die SVA wie auch die Steuerverwaltung haben ihre Ansprüche im Strafverfahren angemeldet, der 46-Jährige soll nebst den Sozialversicherungsbeiträgen ebenfalls den Arbeitern abgezogene Quellensteuern nicht abgeliefert haben. Das Baselbieter Strafgericht wird auch über diverse komplizierte Ersatzforderungen und Einziehungen entscheiden müssen, von denen teilweise auch Dritte betroffen sind.

Die Staatsanwaltschaft fordert für den Mann eine teilbedingte Freiheitsstrafe von drei Jahren, zwölf Monate davon soll der Mann absitzen. Die drei Richter wälzen sich nun während zwei Wochen durch die Akten und fällen ihr Urteil Ende Monat.

Meistgesehen

Artboard 1