Update: Nun ging es schneller als gedacht: Dieser Zeitung liegen unterdessen eine Mitteilung an die Mitarbeiter wie auch die vorbereitete Medienmitteilung der Prattler Rohner AG vor. Sie bestätigen, dass die Firma beim zuständigen Zivilkreisgericht die Bilanz deponiert hat. «Damit stellt die Rohner AG Pratteln ihre Betriebstätigkeit nach über 100-jähriger Tätigkeit voraussichtlich ein», heisst es in beiden Schreiben.

Die «nach wie vor ungeklärte» Grundwasserverunreinigung und die darauf folgenden öffentlichen Schliessungsforderungen von einzelnen Politikern sowie das Medienecho hätten zu «grossen Verunsicherungen und Irritationen der Kunden geführt und Auftragsstornierungen provoziert», so die Medienmitteilung. Lohnzahlungen hätten nicht mehr erfolgen können, was zu Arbeitsniederlegungen geführt habe. Die vom Verwaltungsrat geplanten Sanierungsmassnahmen konnten nicht umgesetzt werden, da «die aufgenommenen Finanzierungsgespräche leider scheiterten».

In der internen Mitteilung an die Mitarbeiter entschuldigt sich die Geschäftsführung zudem «für die schwierigen Umstände der letzten Monate, insbesondere für die Lohnverzögerungen».

Ende Update.

Das Prattler Chemieunternehmen steht offenbar kurz vor dem Bankrott: Zwar sei bisher «kein Konkursverfahren eröffnet worden», sagte Adrian Baumgartner, Sprecher der zuständigen Baselbieter Sicherheitsdirektion, am Freitag auf Anfrage. Allerdings scheint dieser Schritt nur noch eine Frage von Tagen zu sein. Wie die «Schweiz am Wochenende» aus gut informierten internen Quellen weiss, hat kürzlich ein Insolvenzverwalter das Unternehmen besucht. Auch sei der letzte verbliebene mögliche Investor aus den USA abgesprungen.

Kanton müsste überwachen

Dass Rohner Zahlungsschwierigkeiten hat, ist bekannt: Diese Zeitung berichtete bereits über Lohnausstände gegenüber der Belegschaft. Lieferanten wie die Industriellen Werke Basel (IWB) gaben an, die Gaslieferungen an Rohner eingestellt zu haben, weil Rechnungen nicht bezahlt wurden.

Vor zwei Wochen verfügte das kantonale Amt für Umwelt und Energie (AUE), Rohner müsse sein Abwassersystem ausser Betrieb nehmen. Die drastische Massnahme ist Folge eines Lecks, das im Februar entdeckt worden war. Für Rohner ist die Verfügung des Kantons verheerend: Seit die Firma kein Abwasser mehr ableiten darf, steht der Betrieb still. Doch schon vor der Verfügung des Kantons lief die Produktion nur noch auf Sparflamme. Im Falle eines Konkurses müsste das AUE die Produktionsanlagen in Pratteln überwachen, damit vom Betrieb keine weitere Gefährdung der Umwelt, insbesondere des Grundwassers, ausgehen kann. (haj/mn/bos)