Muttenz

Vehementer Widerstand gegen Muttenzer Windpark-Pläne von wenigen

Am Dienstag trafen Promoter und Gegner des Windparks zum ersten Mal direkt aufeinander. (Symbolbild)

Am Dienstag trafen Promoter und Gegner des Windparks zum ersten Mal direkt aufeinander. (Symbolbild)

Am Dienstag präsentierte der Muttenzer Gemeinderat an einer Infoveranstaltung zum ersten Mal die Pläne zum Windpark. Die Promotoren verteidigten das Vorhaben, während des von den Gegner harsche Kritik hagelte.

Man musste mit einem Schlagabtausch zwischen Windkraftgegnern und Gemeinderat rechnen, als diese am Dienstagabend im Mittenza-Saal zum ersten Mal seit Bekanntwerden der Pläne von Primeo Energie ausserhalb der Medien aufeinandertrafen. So gross und breit, wie SVP-Landrätin Anita Biedert den Widerstand angedeutet hat, scheint dieser aber nicht zu sein. Viele Plätze blieben leer.

Zwar bat Gemeindepräsidentin Franziska Stadelmann (CVP) darum, nur Fragen zu stellen und politische Statements erst im Rahmen der in drei Wochen startenden öffentlichen Mitwirkung einzubringen. Doch jene, die gegen das Vorhaben sind, äusserten trotzdem in Kritik – manchmal auch in Fragen verpackt. Die meisten kritischen Anmerkungen kamen von Biedert selber.

Lärmimmissionen, der Abstand zum Siedlungsgebiet, der Einfluss aufs Grundwasser und die Gefahren durch Eisabwurf und Brände standen dabei im Zentrum. Biedert reichten die Erklärungen des zuständigen Gemeinderats Thomi Jourdan und von Antoine Millioud, CEO der Aventron AG, aber nicht. Letztere plant die Windräder, Primeo Energie ist Hauptaktionärin der Aventron AG, die Wasser-, Wind- und Solarkraftwerke plant und betreibt.

Rotoren würden bei Eis automatisch abstellen

Biedert fühlte sich von den beiden nicht ernst genommen und empfand die Antworten «zum Teil als despektierlich», wie sie nach der Veranstaltung klagte. Die SVP-Landrätin hat das Gefühl, dass Primeo Energie aufgrund der ablaufenden Bundessubventionen aufs Tempo drückt. Beweis dafür sei, dass sogar der Gemeinderat von der offensiven Kommunikation des Energiedienstleisters und der Berichterstattung überrascht wurde, wie Gemeindepräsidentin Stadelmann zugab.

Anita Biedert sprach von unterschätzten Risiken und Gefahren. Der mögliche Eisabwurf erhöhe die Unfallgefahr auf der Autobahn nebenan. Antoine Millioud entgegnete, dass die Turbinen dank moderner Technologie bei Eisbeschlag genauso wie bei hohen Fledermausaktivitäten automatisch abstellen würden. Das Bundesamt für Strassen (Astra), das landesweit für das Autobahnnetz verantwortlich ist, sieht gemäss Thomi Jourdan das Projekt positiv.

Sorgen bereitet Biedert und einem anderen besorgten Votanten der Lärm. Obwohl die beiden Windturbinen zwischen Autobahn und Rangierbahnhof in einem schon heute lärmgeplagten Gebiet zu stehen kämen, würden für das Siedlungsgebiet zusätzliche Immissionen drohen.

Gemäss Jourdan befindet sich das nächste Wohngebäude 460 Meter von den Windrädern entfernt. Dies entspreche der Vorgabe des Bundesrats, wiederholte der Gemeinderat mehrfach. Dies reichte Biedert und dem anderen Votanten aber nicht. Der Einwand von Millioud und Jourdan, dass gemäss Berechnungen sämtliche Lärmgrenzwerte eingehalten werden, beschwichtigten die Kritiker nicht.

Windmessungen ergaben moderate Geschwindigkeit

Diskutiert wurde auch die zuletzt aufgekommene Frage, wie stark der Wind an besagter Stelle wirklich weht. «In 140 Metern Höhe haben wir über eine längere Zeitspanne eine durchschnittliche Windstärke von 4,6 Metern pro Sekunde gemessen», erklärte Millioud. Er sprach von einer «moderaten Windgeschwindigkeit». Mit grossen Rotoren – geplant sind solche mit Durchmessern von 117 Metern – und genügend Höhe liessen sich die Anlagen mit jährlich bis zu 5,3 Gigawattstunden Stromerzeugung effizient betreiben.

Die Messungen hätten zudem ergeben, dass der Wind im Winter stärker weht als im Sommer. Dies sorge für eine optimale Kombination mit Solarenergie, mit der im Sommer mehr Strom produziert werden kann, frohlockte der Aventron-CEO.

Doch Biedert überzeugte dies nicht. Sie schlug vor, anstatt in diesem «heiklen» Gebiet doch auf der Chrischona Windräder zu bauen. Dort sei sicher auch die Effizient grösser. Sie stellte klar: «Ich bin nicht grundsätzlich gegen Windkraft. Aber nicht dort.

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