Klimawandel

Verbrannte Buchenstämme, verdurstende Fichten – der Baselbieter Wald leidet immer mehr

So sah es letztes Jahr ab Ende Juli im Hardwald in Muttenz aus. Die braunen Flecken sind vorwiegend Buchen, die ihre Blätter vorzeitig abstossen.

So sah es letztes Jahr ab Ende Juli im Hardwald in Muttenz aus. Die braunen Flecken sind vorwiegend Buchen, die ihre Blätter vorzeitig abstossen.

Die Diagnose ist düster. Den Bäumen im Baselbieter Wald geht es schlecht. Ihre Reserven sind aufgebraucht, viele Bäume müssen vorzeitig und damit weit vor dem Höchstertragswert gefällt werden.

Sie kamen in ihren gewohnten Tenues in Grün-braun-Tönen, gepasst hätte aber auch Schwarz. Denn was mehrere Vertreter des Försterverbands beider Basel in Begleitung von Regierungsrat Thomas Weber an der Medienkonferenz am Donnerstag im Muttenzer Hardwald auftischten, war wie eine Abschiedszeremonie vom Baselbieter Wald, wie wir ihn bisher kannten.

Die Diagnose ist düster. Der Hauptbrotbaum, die Buche: serbelnd, weil zu wenig hitzebeständig. Ein anderer wichtiger Baum, die Esche: sterbend wegen einem eingeschleppten Pilz. Ein ebenfalls nicht ganz unwichtiger Baum, die Fichte: am Verdursten wegen ihren flachgründigen Wurzeln und somit ein leichtes Opfer des Borkenkäfers.
Bauchweh macht vor allem, dass die Buche ziemlich schnell ziemlich viel an Vitalität eingebüsst hat.

Christian Kleiber – Präsident des Försterverbands beider Basel sowie Revierförster der Bürgergemeinde Basel und damit auch für den Hardwald zuständig – formulierte es so: «Die Buchen haben im letzten Sommer ab Ende Juli ihre Blätter abgeworfen. Ohne den Schatten der Blätter verbrannten die Stämme, ein Teil der Äste verdorrte. Jetzt sind viele Buchen ein Sicherheitsrisiko für die Leute im Hardwald.» Die Folge: Das Forstpersonal muss grossflächig Bäume, nicht nur Buchen, notfallmässig fällen.

Neue Arten mit Fragezeichen

Dass die Buchen ihre Blätter vorzeitig abstossen, ist ein Schutzmechanismus. Müssten die Bäume auch noch die Blätter mit dem knappen Wasser versorgen, würden sie verdursten. Die Blätter aber fehlen für den Nährstoffaufbau, den die Bäume vor allem im Frühling beim Austreiben brauchen. Spielt dieser Mechanismus einmalig nach einem Trockenjahr wie dem letzten, ist er nicht dramatisch – die Bäume können von ihren Reserven zehren.

Doch diese sind mittlerweile weitgehend aufgebraucht. Wieso, erklärte Kleiber mit den Wetterkapriolen. Seit 1864 gebe es Wetteraufzeichnungen. Dabei habe es alle 30 Jahre einen extrem heissen Sommer wie den letzten gegeben. Doch der vorletzte datiere erst von 2003, zudem folgten seither fünf Sommer mit sehr langen Trockenperioden.

Kleiber: «Die Bäume sind deshalb im permanenten Stress.» Das hat auch finanzielle Auswirkungen für die Waldeigentümer: Viele Bäume müssen vorzeitig und damit weit vor dem Höchstertragswert gefällt werden.

Markus Lack, seit 30 Jahren als Förster im Allschwiler Wald tätig, sagte: «Für mich ist das eine neue Situation, ich habe früher nie so lange Trockenperioden erlebt.» Das Resultat für seinen Wald: 80 Prozent der Fällungen sind Zwangsnutzungen. Dadurch sei die Waldplanung «massiv» eingeschränkt.

Für die Förster birgt der Klimawandel noch eine andere Herausforderung: Sie müssen bei Jungplanzungen auf alternative, wärmeresistentere Arten ausweichen. Hoch im Kurs sind Traubeneiche, Winterlinde, Edelkastanie oder Speierling. «Ob das ein Erfolg wird, wissen die nächsten Generationen», umschrieb Kleiber die Ungewissheit, die dabei mitspielt.

Um hierzu mehr Erkenntnisse zu gewinnen, hat sich der Kanton Baselland mit der Korporation Zug zusammengetan. Mit dem Langzeitprojekt «Provenienzversuche» würden auf zwei Flächen auf dem Sulzkopf und im Hardwald Versuchspflanzungen durchgeführt, sagte Thomas Weber, der auch Forstdirektor ist. Und weil die Zusammensetzung des Waldes – 41,8 Prozent des Baselbiets sind Wald – immer vielfältiger und die Pflege dadurch aufwendiger werde, würden Bund und Kanton die Jungwaldpflege mit jährlich 800 000 Franken unterstützen.

Auch die alle vier Jahre durchgeführten Waldtage, die im nächsten September in Rünenberg unter dem Motto «Ressource Holz» stattfinden, thematisieren den Klimawandel. Revierförster und OK-Präsident Samuel Bürgin kündete nebst allerlei Aufklärendem auch Attraktionen an. So etwa einen Baumwipfelsteg.

Verwandtes Thema:

Autor

Andreas Hirsbrunner

Andreas Hirsbrunner

Meistgesehen

Artboard 1