Zwei Eritreer müssen die Schweiz verlassen. Das Baselbieter Strafgericht in Muttenz verurteilte die zwei Asylsuchenden am Donnerstag zu Landesverweisen von mehreren Jahren. Das Duo nahm im August 2017 eine eben erst volljährig gewordene Landsfrau mit ins Aescher Asylheim. Dort kam es zu sexuellen Übergriffen und einer Vergewaltigung. Das Gericht verordnete zudem Freiheitsstrafen. Der Haupttäter muss dreieinhalb Jahre ins Gefängnis.

Das Opfer und die zwei Täter im Alter von 26 und 27 Jahren lernten sich am 4. August 2017 an einem Anlass in Reinach kennen. Die Frau, die im Kanton Aargau wohnt, arbeitete hinter der Bar. Als das Fest zu Ende war, ging das Trio nach Basel, um weiterzufeiern.

Einer der beiden Männer bot der Eritreerin, die seit ihrem 14. Lebensjahr in der Schweiz lebt, an, sie könne bei ihm übernachten, in einem Zimmer im Aescher Asylheim. So bestiegen alle drei das Tram nach Aesch.

Heim war zur Tatzeit leer

Im Zimmer kam es zu den Übergriffen. Der Freund des Bewohners – sein Gross-Cousin – zwang die Frau zu Oralverkehr. Danach drang er auch in sie ein. Zuvor hatte der Gastgeber ebenfalls Oralsex mit der Lehrtochter vollzogen. Das jedoch geschah laut Opfer einvernehmlich. Er habe sie dazu überredet, sagte die Frau an der Hauptverhandlung am Montag. Sie habe letztlich eingewilligt – auch in der Hoffnung, danach endlich schlafen zu können.

Die amtlichen Verteidiger der beiden Gross-Cousins plädierten auf Freisprüche. Die Frau sei für ihr ausschweifendes Liebesleben berüchtigt, brachten sie während der Hauptverhandlung vor. Sie habe bereits in Basel mit beiden Beschuldigten getanzt und zumindest mit einem herumgeknutscht. Richter Daniel Schmid sagte, allfällige Absichten der Frau spielten gar keine Rolle: «Sie konnte ihre vorgefasste Meinung jederzeit ändern.»

Für die Übergriffe gibt es keine Zeugen und keine Beweise. Zur Tatzeit am Samstagmittag befand sich ansonsten niemand im Heim. So stand das Dreiergericht vor der Schwierigkeit, sich fast vollständig auf Aussagen abstützen zu müssen. Der Frau schenkte es bedeutend mehr Vertrauen. «Es liegen Welten zwischen den Aussagen der Klägerin und jenen der Angeklagten», sagte Richter Schmid. Die Beschuldigten hätten sich in Widersprüche verheddert – In dubio pro reo habe somit keinen Platz.

Am Montag hatte ein Angeklagter vorgebracht, die Frau wolle sich an ihnen rächen. Sein Onkel habe sie einst als Flittchen beleidigt. Schmid nannte diese These «völligen Quatsch». Thema war auch, dass das Opfer sich nicht zur Wehr setzte. Schmid erklärte das damit, die Klägerin habe sich vor Gewalt fürchten müssen.

Der 27-jährige Haupttäter muss nach seiner Freiheitsstrafe die Schweiz für acht Jahre verlassen, der 26-Jährige für sechs Jahre. Als Mittäter erhält er eine bedingte Gefängnisstrafe von zwei Jahren. Laut Gericht war sein Beitrag zur Tat massgeblich. Hinzu kommt eine Genugtuung und weitere Summen, welche die Täter leisten müssen. Sie können das Urteil weiter ziehen.