Die ersten Vorwürfe datieren vom August 2004: Der damals 24-jährige Mann hatte im Kanton Zürich in einem Musiklokal eine 15-Jährige aufgegabelt, man traf sich am nächsten Morgen auf einem Spielplatz. Dort gab es zuerst einige Fummeleien, dann soll der Mann massiv psychischen Druck aufgesetzt und die junge Frau schliesslich vergewaltigt haben.

Ähnliche Vorwürfe erhebt eine damals 14-jährige Frau aus dem Baselbiet, die der Mann im Herbst 2008 über das Partyportal festzeit.ch kennengelernt hatte: Zuerst hatten die beiden offenbar im Elternhaus der Frau im Oberbaselbiet einvernehmlichen Sex, am nächsten Tag hingegen soll es in der Wohnung des Mannes in Birsfelden dann zu Übergriffen gekommen sein.

Die Einschüchterungsmethode klingt brutal: Der Mann hat seiner Partnerin offenbar erzählt, er sei Grenadier bei einer Spezialeinheit des Militärs, und selbst die Polizei habe Angst vor ihm. Auch habe er einen Mikrochip im Kopf, der werde aktiviert, wenn er jemanden umbringen solle. Dennoch traf sich die Frau noch mehrmals mit ihm, bis sie Schluss machte.

Frist läuft im August aus

Am Montag sollten die Vorwürfe vom Baselbieter Strafgericht in Muttenz beurteilt werden, doch der 39-Jährige erschien nicht zur Verhandlung. Staatsanwältin Patrizia Krug regte vergeblich an, man könne den heute im Aargau wohnhaften Mann von der Polizei holen lassen und die Verhandlung möglicherweise am Nachmittag weiterführen. Das Dreiergericht entschied hingegen, eine neue Verhandlung anzusetzen, dann wäre auch bei einem zweiten Nichterscheinen ein Abwesenheitsurteil möglich.

Er wisse nicht, weshalb sein Mandant heute nicht hier sei, betonte Verteidiger Daniel Bäumlin. Eine Vermutung liegt allerdings nahe: Kann der Mann geltend machen, er habe sich damals im Alter der Frauen getäuscht, kommt eine mildere Strafe zum Zuge, und die Vorwürfe wären nach zehn Jahren bereits verjährt. Die Vorwürfe punkto vorsätzlichem Sex mit Minderjährigen wie auch die Vergewaltigung hingegen verjähren erst nach 15 Jahren, womit zumindest im Zürcher Fall ein Urteil nach August 2019 nicht mehr möglich wäre.

Dass das Gericht vor September einen neuen Verhandlungstermin findet, ist eher unwahrscheinlich. Die Frau aus Zürich hatte erst im Jahre 2014 Strafanzeige erstattet. Die neuen Bestimmungen der Unverjährbarkeitsinitiative finden zwar auch rückwirkend ihre Anwendung, betreffen aber nur Opfer, die zum Tatzeitpunkt jünger als 12 Jahre gewesen sind.
Beide Frauen hatten damals massive Probleme im Elternhaus.

Wie am Montag bekannt wurde, ist eine der Frauen auch heute noch traumatisiert, hat Drogenprobleme und will auch nicht vor Gericht aussagen. «Man darf sich schon fragen, ob das, was in der Anklageschrift steht, wirklich das ist, was die Frau aus der Bahn geworfen hat», kritisierte Verteidiger Daniel Bäumlin am Montag. Er hatte vergeblich gefordert, über die Frau ein Glaubhaftigkeitsgutachten einzuholen. Der Fall bleibt vorläufig ausgestellt.