Muttenz

Verheiratete Frauen retten den «Jungfrauenchor»

Der Frauenchor Muttenz zählt 28 Mitglieder und probt regelmässig für seine kleineren und grösseren Auftritte  zvg

Der Frauenchor Muttenz zählt 28 Mitglieder und probt regelmässig für seine kleineren und grösseren Auftritte zvg

Der Frauenchor Muttenz gehört zu den ältesten Chören im Baselbiet. Am Samstag jubiliert und feiert er im Hotel Mittenza - auch wenn der Verein Mühe hat, junge Frauen für ein Engagement zu begeistern.

«Singen macht Spass und hat eine therapeutische Wirkung», erklärt Uschi Eichenberger, die Vereinspräsidentin des Frauenchors Muttenz. So wirke sich das Chorsingen positiv auf die psychische Gesundheit aus. Beim Singen atmen die Sängerinnen tief in ihren Brustkorb ein und lernen ihre Atmung bewusst wahrzunehmen und zu steuern. «Die Sängerinnen können sich von ihren Problemen quasi freisingen», erzählt die Vereinspräsidentin. Im Anschluss an die Proben gehen die Frauen oft miteinander etwas trinken. Bei diesen Gelegenheiten werden auch persönliche Geschichten ausgetauscht. Der Chor schafft musikalische und soziale Gemeinschaften.

Professioneller Laienchor

Während der Proben üben die 28 Mitglieder geistliche und weltliche Lieder. Claudia Moppert dirigiert seit fünf Jahren den Frauenchor. «Etwa die Hälfte der Frauen kann nicht Noten lesen», erzählt die Dirigentin. Die Sängerinnen erkennen aus der Notenschrift nur, ob die Gesangslinie in die Höhe oder in die Tiefe gehen muss. «Dies ist für mich kein Problem, ich singe den Frauen die Lieder einfach mehrmals vor», erzählt die Chorleiterin.

Moppert hat eine professionelle Gesangs- und Chorleitungsausbildung absolviert und wird mit rund 8500 Franken pro Jahr entlohnt. Eichenberger lobt die Zusammenarbeit mit Moppert: «Sie verbreitet eine gute Stimmung zwischen den Mitgliedern und ist sehr professionell.»

Vor fünf Jahren sei die Situation anders gewesen. Interne Querelen zwischen der ehemaligen Präsidentin und den Chormitgliedern hätten beinahe eine Auflösung des Vereins zur Folge gehabt. «Die Mitglieder sind reihenweise gegangen», so Eichenberger. Auseinandersetzungen habe es in der Vereinsgeschichte jedoch immer wieder mal gegeben. Das älteste Chormitglied ist 87 Jahre alt, das jüngste ist 28-jährig. Den Gesangschor bilden vorwiegend Frauen ab 40 Jahren.

Ledige Frauen in der Unterzahl

Der Verein hat Mühe, junge Mitglieder zu finden. Aus diesem Grund sieht der Chor neue Projekte vor, beispielsweise an Schulen, um auf den Verein aufmerksam zu machen. Viele Frauen seien beruflich stark eingebunden und fänden keine Zeit regelmässig zum Singen zu kommen, auch wenn sie wollten, sagt die Vereinspräsidentin.

Interessanterweise war der Frauenchor Muttenz zu Beginn ein reiner «Jungfrauenchor». Nur ledige Frauen waren im Chor willkommen. Heiratete eine der Sängerinnen, musste sie sofort den «Jungfrauenchor» verlassen. Diese Regelung prägte den Gesangverein rund 50 Jahre. Dann gingen dem Chor die ledigen Sängerinnen aus. Der Vereinspräsident entschied sich für eine Änderung der Statuten: Verheirate Frauen dürfen seither dem Chor beitreten. Diese weise Entscheidung hat den Chor gerettet. In der gegenwärtigen Formation überwiegen die verheirateten Frauen: 26 sind verheiratet und zwei ledig. Am 17. September feiert der Chor im grossen Saal des Hotels Mittenza sein 125-Jahre-Jubiläum.

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