Büchermarkt

Verkauf nach Jahrzehnten: Liestals Buchhandel ist im Umbruch

Maya Itin (links) und Farah Dettwiler von der Buchhandlung «Rapunzel». Hier kann man sich zum Lesen auch einschliessen lassen.

Maya Itin (links) und Farah Dettwiler von der Buchhandlung «Rapunzel». Hier kann man sich zum Lesen auch einschliessen lassen.

Die «Buchinsel» wird verkauft. Die «Arche» erhält neue Geschäftsleiterin. Nur «Rapunzel» sonnt sich in Konstanz.

Seit dem grossen Knall vor etwas mehr als sechs Jahren bewährt sich die Liestaler Bücherszene durch Stabilität. Damals schloss die weit über den Kantonshauptort hinaus bekannte Buchhandlung und Papeterie Lüdin. Die verbliebenen drei Player, die unterschiedlicher kaum sein könnten, profitierten teils davon. So etwa die vor allem auf Kinder- und Jugendbücher ausgerichtete «Buchinsel». Sie übernahm Personal von Lüdin, baute den Papeterie-Bereich aus und führte neu die Bereiche Büromaterial und Reiseliteratur ein. Inhaberin Heidi Jauslin sagt: «Etwa ein Drittel der Lüdin-Kunden blieb Liestal treu, der Rest orientierte sich neu.»

Solothurner Firma übernimmt

Jetzt sorgt Heidi Jauslin für die nächste Bewegung im Liestaler Büchermarkt, aber nicht in Form eines Knalls: Sie verkauft ihr Geschäft auf Ende Jahr an die Lüthy-Gruppe in Solothurn, die in der Deutschschweiz bereits 15 Buchhandlungen betreibt. Die 61-jährige Jauslin wird bis zu ihrer Frühpensionierung Ende 2020 noch als Angestellte in der «Buchinsel» für Kontinuität sorgen. Sie sagt: «Ich bin happy mit dieser Lösung. Alle zehn Mitarbeiterinnen können bleiben, der Geist bleibt erhalten. Das ist das Beste, was passieren konnte.» Was ändert: Die neue Besitzerin will den Erwachsenenbuch-Bereich aus- und den Laden im 2021 umbauen.

Jauslin hat die «Buchinsel» zusammen mit ihrem Mann vor 23 Jahren in einer kleinen Lokalität an der Kanonengasse ins Leben gerufen. Den grössten Schub habe der Umzug an die Rathausstrasse in die Räume der ehemaligen Buchhandlung Landschäftler gebracht. Jauslin: «Die Lage ist matchentscheidend. Der Buchmarkt ist ein hartes Geschäft mit kleinen Margen, hohe Frequenzen sind wichtig.» Umsatzmässig bewege sich die «Buchinsel» im «tiefen einstelligen Millionenbereich» pro Jahr.

Auch der Buchladen Rapunzel im Palazzo-Gebäude am Bahnhof hat von der Lüdin-Schliessung profitiert. Um etwa einen Fünftel sei der Umsatz damals gestiegen, sagt Mitinhaberin Maya Itin; heute bewegt er sich um die 600 000 Franken pro Jahr. Eine Delle habe es mit dem Aufkommen des Online-Handels gegeben. Aber das ist Schnee von gestern. Itin: «Die Leute schätzen den persönlichen Kontakt in kleinen Läden wieder viel mehr. Ich bin sehr optimistisch, was die Zukunft von ‹Rapunzel› betrifft.»

Zuerst feministisch, heute breit aufgestellt

Auf jeden Fall hat sich dessen Rezept über vier Jahrzehnte bewährt: Der Laden wird von einer Genossenschaft geführt, die 1980 von Frauen aus der links-feministischen Szene gegründet wurde. Heute besteht diese Trägerschaft aus vier gleichberechtigten Frauen. Das Angebot hat sich aber stark ausgeweitet von der einst vorherrschenden Literatur zu sozialen, ökologischen und Frauen-Themen hin zu einem «allgemeinen Sortiment mit Literatur aus aller Welt», wie es Itin ausdrückt. Dazu kämen Sachbücher zu diversen Themen von Ernährung bis Spiritualität. Vor dem Wechsel bei der «Buchinsel» hat Itin keine Angst: «Ich hoffe, das gute Einvernehmen wird weitergehen. In Liestal hat es genug Platz für uns beide.»

Die Aussage zeigt, dass Liestals dritter Buchladen in einer eigenen Liga spielt: die «Arche» an der Kanonengasse. Sie wird von einem Verein mit 100 Mitgliedern aus Landes- und Freikirchen getragen und konzentriert sich auf christliche Literatur sowie Geschenkartikel. Den Jahresumsatz beziffert Vereinspräsident Christian Tschudin auf einen «sechsstelligen Betrag in der unteren Hälfte». Zusätzlich sei man auf Spenden angewiesen.

Übernächste Woche feiert die «Arche» mit diversen Angeboten ihr 30-Jahr-Jubiläum. Zur Zukunft sagt Tschudin: «Ich bin überzeugt, dass wir mittelfristig unsern Platz in Liestal haben.» Neue Impulse erwarte er von der künftigen Leiterin Sabine Bürk, die den Laden samt Café nächste Woche übernehme.

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Autor

Andreas Hirsbrunner

Andreas Hirsbrunner

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