Zunahme der Autos

Verkehr nimmt im Baselbiet weiter zu: Der Kanton will Strassen ausbauen, das ärgert den VCS

Wenn die Strassen ausgebaut werden, gibt es automatisch auch mehr Autos. (Archivbild)

Wenn die Strassen ausgebaut werden, gibt es automatisch auch mehr Autos. (Archivbild)

Der Kanton rechnet mit einer Zunahme der Autos auf den Strassen, weshalb er diese ausbauen will. Das ärgert den VCS.

Der Motorisierungsgrad im Baselbiet hat zugenommen. Das geht aus dem Bericht Verkehrsfluss heraus, der jährlich vom Kanton veröffentlicht wird. So kommen auf 100 Einwohner heute 66,3 Motorfahrzeuge. Vor zwanzig Jahren waren es noch 59,1. Mit anderen Worten heisst das: Pro hundert Personen sind sieben Autos mehr unterwegs.

17 von 40 Standorten ungenügend bewertet

Der Blick auf das jährliche Verkehrsaufkommen zeigt kein einheitliches Bild. So seien deutliche lokale Unterschiede auszumachen, heisst es im Bericht. Ein klares Wachstum des Verkehrs zeigt sich auf den Autobahnen und auf der H18 im Laufental. Auch künftig rechnet der Kanton Baselland mit einem deutlichen Nachfragewachstum auf fast allen National- und Kantonsstrassen im Baselbiet. Dies vor allem auf der A3 und den Kantonsstrassen zwischen Birs- und Leimental.

An 40 Orten im Kanton wurde die Verkehrsqualität gemessen. Das Ergebnis: Elf Standorte wurden als mangelhaft, sechs als ungenügend eingestuft. An diesen Stellen kommt es häufiger zu Staus und Überlastungen. Die Situation an einer Kreuzung gilt als mangelhaft, wenn die mittlere Wartezeit mehr als 45 Sekunden beträgt. Um den Verkehrsfluss zu verbessern, werden verschiedene Massnahmen ergriffen. Auf der A2 zwischen Hagnau und Augst soll etwa in beiden Richtungen eine zusätzliche Spur entstehen.

Genau solche Massnahmen kritisiert der VCS beider Basel in einer Medienmitteilung. «Das Baselbiet hält eisern an einer veralteten und kontraproduktiven Strategie zur Bekämpfung von Staus fest», heisst es dort. Anstatt die Strassen weiter auszubauen, müssten griffige Massnahmen zur Förderung ökologischer Verkehrsformen und zur Reduktion des Autoverkehrs getroffen werden.

Strassenausbau führe zu mehr Stau

«Wenn man die Strassenkapazitäten weiter ausbaut, dann nehmen automatisch auch die Autos zu», sagt Florian Schreier, Geschäftsführer VCS beider Basel. Das führe längerfristig zu mehr und nicht zu weniger Stau. Der Verkehrs-Club fordert Investitionen in einen attraktiven öffentlichen Verkehr.

Auch der Verkehrsbericht des Kantons räumt ein, dass sich ein Ausbau des öffentlichen Verkehrs auch positiv auf die Situation auf den Strassen auswirke. Deshalb sieht der Kanton im Bericht Verbesserungen des ÖV-Angebots vor. Geplant ist eine höhere Frequenz bei den S-Bahnen oder eine Tramverlängerung im Leimental. Dem VCS reicht das nicht: «Die Hauptstossrichtung liegt auf einem Strassenausbau», sagt Schreier. Auch kritisiert er die teilweise langsame Umsetzung der ÖV-Projekte.

Diese Kritik lässt der Kanton nicht gelten: «Der Fokus des Berichtes liegt auf dem Strassenverkehr nicht auf dem ÖV», schreibt die Bau- und Umweltschutzdirektion. Im öffentlichen Verkehr seien derzeit viele Projekte in Erarbeitung, die nicht im Bericht vorkommen. So zum Beispiel das Projekt «Fahrplanstabilität Bus». Buslinien sollen dabei durch verschiedene Massnahmen eine bessere Fahrplanstabilität erreichen. Zudem seien verschiedene Tramprojekte am Laufen. Das deutliche Ja zum Ausbau des Hochleistungsstrassennetzes habe ausserdem gezeigt, dass die Baselbieter Bevölkerung einen Ausbau der Strassen wünsche.

Um den öffentlichen Verkehr zu fördern, unterstützt der VCS die Initiative «ÖV für alle», die Ende Oktober eingereicht wurde. Die Juso-Initiative fordert eine umfassende Subventionierung des U-Abos für Baselbieter. Der Preis für das ÖV-Abonnement sei in den letzten Jahren immer weiter gestiegen, kritisiert Schreier.

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