Fasnacht

Verrückt: Legendäres Guggenkonzert Waldenburg ist gerettet – ausgerechnet dank «Cherusgälti»

Nachdem die Oberdörfer Gugge Los Ventilos im Mai angekündigt hat, das beliebte Guggenkonzert Waldenburg nach 34 Jahren aus finanziellen und personellen Gründen sterben zu lassen, folgt die Erlösung aus Gelterkinden: Ein neues OK übernimmt – und lässt die Preise purzeln.

Das Organisationskomitee des «Cherusgälti» in Gelterkinden scheint sich Etwas vorgenommen zu haben: Raus aus den Negativschlagzeilen. Beim Cherusgälti werden die Exzesse eingedämmt und nun rettet das OK gleich noch das im Frühling beerdigte Guggenkonzert Waldenburg. Es springt in die Bresche, nachdem die Oberdörfer Gugge Los Ventilos angekündigt hatte, den Anlass aus finanziellen und personellen Gründen sterben zu lassen. Die Rettungsmeldung hatte das Cherusgälti-OK im Juni fast unbemerkt verbreitet. Nun nimmt Präsident Stephan Béhé erstmals Stellung.

Sie wollten mit allen Mitteln verhindern, dass das Guggenkonzert in Waldenburg verschwindet. Weshalb?

Stephan Béhé: Die Leute in unserem OK-Team machen selber schon lange Fasnacht in der Region. Allen Fasnächtlern ist bewusst, wie wichtig das Guggenkonzert in Waldenburg als Event und Traditionsplattform ist für die Fasnacht im Tal. Es ist hier unbestritten der wichtigste Fasnachtsanlass. Als bekannt wurde, dass es das Guggenkonzert nach 34 erfolgreichen Jahren nicht mehr geben soll, war klar, dass es irgendjemand weiterführen muss. Wir drängten uns nicht auf, weil wir schon mit dem «Cherusgälti» genug zu tun haben. Erst boten wir bloss Hilfe an, was dann zu einer Absage führte. Schliesslich übernahmen wir die Organisation, weil wir es auch als unsere Aufgabe sehen, als Eventteam im Fasnachtsbereich derartige Anlässe zu unterstützen.

Bringen Sie als auswärtiger Organisator für die Waldenburger Veranstaltung dieselben Emotionen auf wie für den «Cherusgälti»?

Bestimmt. Es ist grundsätzlich das Gleiche: Es geht um Guggentraditionen. Unsere Bedingung war, dass jemand aus dem Waldenburgertal in unserem OK ist. Wir haben eine Person gefunden. Deshalb sind wir überzeugt, dass es genauso funkt.

Erhalten Sie auch am Anlass selber Unterstützung aus dem Waldenburgertal?

Ja, denn das war eine weitere Forderung von uns. Wir holten die Guggenmusiken ins Boot, um ihre Bedürfnisse auszuloten. Für eine Sitzung trommelten wir Vertreter aller Guggen im Tal und des Fasnachtskomitees Oberdorf zusammen. Der Tenor war eindeutig: Alle wollten diesen Event beibehalten. Wir treten primär als OK auf, die Helfer kommen aus dem Tal.

Können Sie innert weniger Tage zwei Grossanlässe stemmen?

Den Preis, den wir selber als Privatpersonen bezahlen, ist, dass unsere persönliche Fasnacht ein wenig bachab geht. Wir werden dann vermehrt mit Vorbereitungsarbeiten beschäftigt sein. Wenn man aber bereit ist, das einzugehen, dann ist das möglich. Weil das Guggenkonzert und der «Cherusgälti» so kurz nacheinander stattfinden, können wir Synergien nutzen. Wir haben viele Beziehungen, zum Beispiel zu Firmen für Bühnenbau, Baumaterialien oder Zeltbau.

Das Guggenkonzert in Waldenburg wird am Fasnachtsdienstag 2020 zum 35. Mal ausgetragen. Findet es im gleichen Rahmen statt wie seine Vorgänger?

Das Konzert wird etwa gleich ablaufen. An der Moderation von einer bekannten Persönlichkeit rütteln wird nicht, das zeichnet dieses Guggenkonzert aus. Ansonsten erfährt der Event schon einige Änderungen.

Welche?

Wir wollen dem Waldenburgertal einen Abend schenken, der für alle zum grossen Erlebnis werden soll. Auf den Eintritt von fünf Franken verzichten wir, der Anlass soll für alle zugänglich sein. Wir machen etwas für Kinder, auch Wettbewerbe. Kulinarisch wollen wir ebenfalls etwas mehr bieten als bisher.

Mit Gratiseintritt fehlt Ihnen Geld. Los Ventilos machten unter anderem finanzielle Gründe geltend, die sie zum Aufhören zwangen. Gehen Sie nicht ein Risiko ein?

Wir haben den Anlass gut durchgerechnet. Natürlich wissen wir, wenn 1000 Leute keinen Eintritt zahlen, dass uns dann einige Franken fehlen. Diese werden wir aber mit einem komplett anderen Sponsoringkonzept und dem neuen Festwirtschaftskonzept wieder ausgleichen.

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