Beatrice Rieder, Betreiberin des «Herzlich» an der Liestaler Rathausstrasse, zog am Sonntagabend nach Rücksprache mit ihrem Koch die Reissleine: Sie schloss ihr vegetarisches und veganes Restaurant bis und mit kommenden Donnerstag. Gegenüber ihren Kunden begründet sie das mit den täglich 50 bis 80 Kilogramm Gemüse und Früchten, die in der «Herzlich»-Küche gewaschen und gerüstet würden.

Die Reinigung sei ab der Warnung am Freitag nur noch mit abgekochtem Wasser erfolgt. Dazu Rieder: «Es zeigte sich, dass es ein riesiger Aufwand ist, unsere Verantwortung zu erfüllen und den Kunden unbelastete Lebensmittel anzubieten.» Deshalb sei der Schliessungsentscheid erfolgt. Soweit bekannt ist Rieder die einzige, die in Liestal zu dieser Massnahme griff.

Felix Mühleisen und Toni Brüderli nehmen es gelassen

Felix Mühleisen vom gleichnamigen Café nimmt es gelassener, obwohl auch er viel Salat und Gemüse verarbeitet: «Der Mehraufwand ist für uns erträglich.» «Erträglich» heisst für ihn, um 4.30 Uhr morgens in der Küche zu stehen und Wasser abzukochen, um dann später mit dem abgekühlten Wasser Salat und Gemüse zu waschen.

Und zum Kaffee gebe es Mineralwasser. Das sei so billig, dass ihm kaum Mehrkosten entstünden. Mühleisen verspürte übers Wochenende keinen Umsatzrückgang.

Ganz ähnlich tönt es von Toni Brüderli, der in Liestal die «Kaserne» und das «Libretto» betreibt. Die Verunreinigung habe «ein bisschen Mehraufwand» für die ganze Wasserabkocherei zur Folge. Zudem hätten sie den Salat, den sie schon mit kontaminiertem Wasser gewaschen haben, weggeworfen.

«Das Ganze ist unangenehm. Aber es zeigt auch, wie toll wir es in der Schweiz im Normalfall haben: Wir können den Hahnen aufmachen und es ist selbstverständlich, dass sauberes Wasser herauskommt.»

Altersheim fürchtet Norovirus-Infektion viel mehr

In einer andern Lage befinden sich Alters- und Pflegeheime; sie haben keine Wahl bezüglich Schliessung oder nicht. Zudem haben sie nebst Babys die sensibelste Kundschaft, wenn es um verschmutztes Trinkwasser geht.

Bernhard Fringeli, Leiter des Liestaler Alters- und Pflegheims Frenkenbündten mit rund 140 Betten, sagt: «Wir haben unsere Menupläne umgestellt und verzichten auf Salate und Rohkost zugunsten von gekochtem Gemüse. Das bedeutet für die Küche einen Mehraufwand.»

Dazu komme ein erhöhter Bedarf an Mineralwasser, was sich als einziges in einem bescheidenen Rahmen finanziell auswirke. Logistisch sei das aber kein Problem, weil sein Heim immer einen grossen Vorrat an Mineralwasser habe.

Der heiminterne Krisenstab tage seit vergangenem Freitag regelmässig. Bei den Bewohnern habe es weder Krankheitsfälle noch Ängste gegeben. Und Fringeli relativiert: «Eine Norovirus-Infektion im Heim ist eine viel grössere und teurere Übung für uns.»