Gerichtsentscheid

Versuchte Vergewaltigung einer Elfjährigen – für einen Schuldspruch reichte es nicht

Fabienne Rehmann, Staatsanwältin: «Einer Zwölfjährigen wird angelastet, zu wenig detailliert zu schildern.» (Kantonsgericht Liestal)

Fabienne Rehmann, Staatsanwältin: «Einer Zwölfjährigen wird angelastet, zu wenig detailliert zu schildern.» (Kantonsgericht Liestal)

Der Mann wurde der versuchten Vergewaltigung eines elfjährigen Mädchens beschuldigt. Für einen Schuldspruch reichte es aber nicht.

Ein 37-jähriger Frenkendörfer ist am Dienstag in zweiter Instanz vom Vorwurf der versuchten Vergewaltigung und sexueller Handlung mit Kindern freigesprochen worden. Das Beschaffen der Opfer-Aussagen sei zu umstritten gewesen. Damit folgt das Kantonsgericht dem Strafgerichtsurteil von August 2018.

Ein Mädchen aus Nizza hatte den Angeklagten im Dezember 2012 angezeigt und bei einer Befragung erzählt, dass sie als Elfjährige im August 2011 während eines Ferienaufenthaltes beim Angeklagten sexuell missbraucht worden sei. Leider hat die französische Polizei die Videoaufnahmen der Befragung verloren; im Protokoll befinden sich einige Suggestivfragen. Auffallend war, dass das Opfer ihre Aussagen veränderte. Es hatte zuerst von mehrminütigem Geschlechtsverkehr gesprochen, sowie dass der Beschuldigte vor ihr masturbiert habe. In einer zweiten Einvernahme wich sie dann aber zurück und erklärte, es habe bloss ein Berühren des Glieds des Mannes und ein Berühren ihrer Geschlechtsteile mit dem Glied, gefolgt von einer gescheiterten Penetration stattgefunden.

Opfer soll zu jung gewesen sein, um Geschehen genau zu schildern

Die Anwältin der Klägerin wie auch die Staatsanwältin sind der Ansicht, dass diese Abweichungen den Sachverhalt nicht komplett verändern. Es ändere zwar die Anklage von einer vollendeten Vergewaltigung zu einer versuchten Vergewaltigung. Aber dass die Aussagen des Opfers konstant bleiben, wonach ein Übergriff stattfand, sei unbestreitbar. Die Anwältin erinnert daran, dass das Mädchen zur Zeit der Befragung zwölf Jahre alt war und man ihr nicht vorwerfen könne, nicht zu wissen, was genau eine Penetration sei. Die Staatsanwältin räumt ein, dass die Polizei bei der konkreten Befragung geschlossene Fragen gestellt hat. Das lasse sich aber mit dem Alter des Opfers erklären, das die Worte nicht hatte, um sich auszudrücken. «Man darf vom Opfer nichts Unmögliches verlangen.»

Für die Verteidigerin weisen die Unsicherheiten des Opfers «markante und massive Abweichungen vom Kerngeschehen» auf. Die mögliche Beeinflussung durch die Suggestivfragen der Polizei sei nicht wegzuwischen. Dass das Opfer erst anderthalb Jahre später Anzeige erstattete, nachdem eine Fernseh-Doku über Vergewaltigungen sie aufgewühlt hatte, sei ein Beweis ihrer Beeinflussbarkeit. Das sahen auch die Richter so. Neben der Unsicherheit über den genauen Tathergang räumen sie zwar ein, dass das Opfer über die vielen Jahre konstant geblieben sei in seiner Schilderung eines Übergriffes. Aber dass das Opfer beeinflusst hätte werden können oder sich gar selbst etwas suggeriert haben könnte, sei nicht wegzuräumen. «Es ist nicht auszuschliessen, dass dem Opfer im Sommer 2011 in Frenkendorf ein belastendes Ereignis widerfahren ist. Der genaue Tathergang lässt sich aber nicht mehr feststellen.»

Schuldig der versuchten schweren Körperverletzung

Das Berufungsgericht bestätigt aber den erstinstanzlichen Schuldspruch der versuchten schweren Körperverletzung sowie der Verletzung des Ausländergesetzes. 2014 hatte der Beschuldigte einem Landsmann mehrere Messerstiche verpasst. Die beiden stritten sich um Geld, das der Beschuldigte von einem Cousin des Opfers erhalten hatte, um ihn nach Schweden zu schleusen. Der Beschuldigte hatte ihn aber nur bis nach Freiburg im Breisgau gebracht und sich geweigert, das Geld zurückzuerstatten.

Meistgesehen

Artboard 1