Waldenburg

«Vertrauensbruch» und «nicht gerade ‹gentlemanlike›» – Zwischennutzer stehen vor dem Aus

Das Areal der Revue Thommen ist ikonisch für Waldenburg und steht für wirtschaftlich florierende Gewerbezeiten. Jetzt will die Eigentümerin das Areal verkaufen. Die Zwischennutzung steht vor dem Aus, Gemeinde und Nutzer sind enttäuscht.

Das ehemalige Areal der Revue Thommen in Waldenburg hatte gerade erst wieder angefangen zu leben. Rund 20 Zwischennutzer, vom Skulpturenkünstler bis zum IT-Start-up, wirken hier seit etwa einem Jahr. Doch damit könnte es schon bald wieder vorbei sein: Die Eigentümerin Thommen Aircraft Equipment AG in Muttenz sucht im Internet nach einem Käufer für die Liegenschaft.

Für fünf Millionen Franken ist das Objekt auf einer Immobilienplattform ausgeschrieben – ein Betrag, der wesentlich höher ist als das Angebot der zwei Stiftungen, die das Areal übernehmen wollten, um es den Zwischennutzern im Baurecht zu überlassen.

«Ein Vertrauensbruch»

Der Basler Verein «Unterdessen», der das Zwischennutzungsprojekt zusammen mit der Genossenschaft «Röwü» koordiniert, hat nun die Notbremse gezogen. Per 30. September hat er den Mietvertrag mit Thommen Aircraft Equipment gekündet und die zahlreichen Nutzerinnen und Nutzer informiert, dass folglich auch ihre Untermietverträge aufgelöst werden müssten.

«Unser Problem ist, dass die Nebenkosten so hoch sind, dass wir jeden Monat drauflegen», erklärt Barbara Buser von «Unterdessen». In einem klar definierten Zeitraum wäre das machbar, beispielsweise wenn mit einem Vorvertrag gesichert sei, dass es in den nächsten fünf Jahren zu einem Verkauf an die Stiftungen komme und die finanziellen Mittel zurückflössen. Aber ohne Aussicht auf eine Änderung könne man nicht dauernd Vorleistungen erbringen. «Wir mussten das Experiment abbrechen», stellt Barbara Buser fest.

Das Verhalten der Eigentümer kommt für sie einem Vertrauensbruch gleich: «Wir sind ziemlich überrascht worden, denn eigentlich war die Zwischennutzung in einer partnerschaftlichen Zusammenarbeit als Instrument der Arealentwicklung gestaltet, und wir haben auch Lösungen für eine Weiterführung angeboten.» Das Kaufangebot der Stiftung Edith Maryon habe Thommen Aircraft Equipment jedoch nicht beantwortet und stattdessen die Revue Thommen zum Verkauf ausgeschrieben. Barbara Buser hofft trotzdem, dass eine Lösung gefunden wird, damit die Zwischennutzer bleiben können.

Enttäuscht ist auch Andrea Kaufmann, die Gemeindepräsidentin von Waldenburg: «Ich finde das Vorgehen nicht gerade ‹gentlemanlike›.» Die Initianten hätten gute Arbeit geleistet und zahlreiche Untermieter gefunden. Es wäre bedauerlich, wenn sie alle die Revue verlassen müssten.
Kaufangebot war zu tief
Thema war die Revue auch an der Gemeindeversammlung vom Montagabend – dabei machte das Gerücht die Runde, dass bereits ein Käufer existiert. Das sei nicht der Fall, betont Bernhard Kranz, CFO der Thommen Aircraft Equipment AG. «Unser Ziel ist nach wie vor, ein bisschen Leben nach Waldenburg zu bringen.» Verschiedene Interessenten hätten angeklopft, aber konkret sei noch nichts. Das Immobilieninserat diene dazu, den Marktwert zu testen, fährt Bernhard Kranz fort. Das Angebot der Edith Maryon Stiftung sei «ein bisschen tief» gewesen, angesichts dessen, dass über Wohnen und Arbeiten geredet werde. Den Vorwurf, das Kaufangebot sei nicht einmal beantwortet worden, weist Bernhand Kranz jedoch zurück. In einer E-Mail sei angekündigt worden, dass ein Originalschreiben per Post kommen werde. Dieses sei jedoch mehr als vier Wochen später eingetroffen.
Bernhard Kranz unterstreicht ferner, dass nicht die Thommen Aircraft Equipment AG, sondern der Verein «Unterdessen» den Vertrag gekündet hat. Das Projekt habe sich nicht gerechnet, unter anderem wegen der hohen Heizkosten. «Wir bedauern es sehr und haben auch selber viel Geld ausgegeben, um das Projekt zu ermöglichen», sagt der CFO. «Wir müssen aber auch schauen, dass unsere Betriebsrechnung stimmt.»
Ein Lichtblick wenigstens bleibt: Wenn Arbeitsplätze involviert sind, dürfen die Zwischennutzer etwas länger bleiben und müssen die Revue Thommen nicht am 30. September verlassen, wie Bernhard Kranz versichert. Mit dem Präsident der Genossenschaft «Röwü» sei er in Kontakt, um eine Zwischenlösung zu finden.

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