Werner Widmer, Verwaltungsratspräsident des Kantonsspitals Baselland (KSBL), sah keine andere Zukunft als die Fusion mit dem Universitätsspital Basel und nahm nach dem Volks-Nein vom 10. Februar den Hut. Bis Ende Juni muss der verbliebene Verwaltungsrat der Baselbieter Regierung ein Rettungskonzept vorlegen. Erstmals nimmt nun Interims-Präsidentin Madeleine Stöckli öffentlich Stellung – und scheut sich nicht vor radikalen Ideen.

Frau Stöckli, seit vier Monaten wissen Sie, dass die Fusion mit dem Unispital für das KSBL keine Option ist. Ende Monat läuft die Frist für ihr Konzept ab. Wie sind Sie unterwegs?

Madeleine Stöckli: Ich bin sehr zufrieden, wie unsere Arbeit voranschreitet. Der Zeitplan ist allerdings sehr ambitioniert. Seit der Abstimmung war es denn auch ein ziemlicher Spurt, doch Verwaltungsrat wie auch Geschäftsleitung haben intensiv gearbeitet. Wir werden die Frist einhalten.

Wie ist die Stimmung am KSBL? Trauern viele der verpassten Fusion nach oder freuen sich die meisten, dass das Spital selbstständig bleibt?

Das Abstimmungsresultat kam für viele Mitarbeiter unerwartet. Doch wir konnten das Personal relativ schnell für das Szenario «Alleingang KSBL» gewinnen. Uns war es wichtig, dass es von Anfang an in den Prozess eingebunden wird. Wir spürten beim Kader grosses Interesse, konstruktiv an einer Lösung mitzuarbeiten.

An der gescheiterten Spitalfusions-Vorlage wurde unter anderem kritisiert, dass sie von den beiden Regierungen als alternativlos dargestellt wurde. Droht nun nicht wieder dasselbe Problem, da Sie der Baselbieter Regierung erneut nur einen einzelnen Vorschlag machen sollen?

Das ist der Auftrag. Aber wir haben dieses Mal vier Varianten parallel vorangetrieben. Wir legen zwar nur eine davon der Regierung vor, doch es ist letztlich bloss eine Empfehlung. Der Kanton als Eigner entscheidet und kann auch noch Anpassungen vornehmen.

Was war die Vorgabe des Kantons?

Das Kantonsspital Baselland soll eine Antwort auf das Fusions-Nein erarbeiten und damit die Versorgung der Patienten unseres Einzugsgebietes gewährleisten. Gleichzeitig soll das KSBL finanziell auf stabile Beine gestellt werden. Die Frage ist grundsätzlich, wo im Baselbiet es welche Angebote braucht – und nicht nur, was wir an den bestehenden Standorten anbieten wollen.

Schon im Abstimmungskampf hiess es, dass das KSBL in der heutigen Form nicht überleben kann. Oberflächliche Strukturkosmetik genügt also nicht ...

Etwas sage ich: Der Verwaltungsrat scheut sich nicht vor unpopulären Entscheiden.
Das heisst, Sie schlagen die Schliessung von ganzen Standorten vor?

Ich darf inhaltlich nicht ins Detail gehen, aber es steht fest, dass wir nicht mehr überall alles anbieten können. Unter den Varianten, die wir ausgearbeitet haben, sind auch welche, die mit weniger Standorten planen.

Welcher Standort ist am ehesten bedroht? Liestal, Bruderholz oder Laufen?

Dazu will ich mich nicht äussern, aber wir haben die Schliessung von einem, zwei oder allen drei Standorten diskutiert.

Dann beinhaltet ein Szenario also auch einen kompletten Neuanfang?

Eine unserer Varianten schlägt einen Neubau auf grüner Wiese vor, der alle Dienstleistungen beinhaltet, die das KSBL braucht. Das wäre aus unserer Sicht am attraktivsten, da es am einfachsten wäre, ein «Spital der Zukunft» zu gestalten, anstatt um die bestehenden Gegebenheiten herum zu planen. Wir wurden explizit dazu angehalten, in alle Richtungen zu denken.

Müssen Sie denn nicht etwas vorschlagen, das auch politisch umsetzbar ist?

Wir entscheiden unternehmerisch, wie das KSBL in Zukunft erfolgreich sein kann. Aus staatspolitischer oder versorgungsrelevanter Sicht können andere Varianten vorteilhafter sein. Im Moment haben wir – und auch das Kader – klare Präferenzen. In den Wochen bis zum Abgabetermin müssen wir nun alle Varianten durchrechnen, ob sie auch finanziell tragbar sind.

Was können Sie sonst noch zu den Varianten sagen?

Wir haben auch in die andere Richtung Überlegungen gemacht: Braucht es für eine optimale Versorgung vielleicht sogar zusätzliche Standorte? Hier sprechen wir aber nicht von einem neuen Grundversorgerspital, sondern eher von nicht-stationären Angeboten. Zum jetzigen Zeitpunkt kann und will ich gar nichts ausschliessen. Am Ende ist es am Eigner, zu entscheiden.