Punkt 14 Uhr setzten sich in Therwil insgesamt 26 Formationen in Bewegung. Die Route führte vom Löwen-Kreisel bis zum Bahnhof respektive Piazzetta (Dorfplatz), wobei die Bahnhofstrasse zweimal auf und ab durchlaufen wurde. Die «Därwiler» Fasnacht ist über­schaubar und gänzlich lokal geprägt; die Cliquen setzen sich primär mit dem Alltag im 99er-Dorf (wie Therwil, das einwohnermässig zwar eine Stadt, im Charakter aber ein Dorf ge­blieben ist, genannt wird) auseinander.

Und auch die Passiven sind meist Therwilerinnen und Therwiler. Kurzum: Man kennt sich, man begegnet sich im Alltag – und natürlich an der «Därwiler Fasnacht», dessen Komitée im letzten Herbst sein 50-jähriges Bestehen fei­ern konnte.

Das diesjährige Sujet «Mir züglä» bezieht sich auf das neue Wilmatt-Schulhaus, das «hurti» fertiggestellt werden musste, auch wenn am Eröffnungstag noch einige «Män­gel» respekti­ve Defizite vorhanden waren. Die 99er Holzstiiifeli thematisierten den 1. Baselbieter Hüt­tengaudi, der – natürlich, ist man versucht zu sagen – in Therwil stattfand.

Frisch noch die Erinnerungen ans legendäre LandFest17, als «Därwil» zum Fest-Epizen­trum verkam und ein dreitägiges Volksfest auf die Beine stellte, in welchem das Nordwest­schweizerische Schwingfest integriert war. Aber eigentlich wird auch, oder eben vor allem, Fasnacht ge­macht, um dem ungeliebten Nachbarn (gemeint ist Ettingen) in Versform aufzuzeigen, dass die «Gug­ger» seit jeher fürs Leben gestraft sind, da diese wenig schmeichelhaft von den 99ern als Schattenkinder tituliert werden.

Revanche des «Guggerdorfes»

Aber heuer stand Ettingen, zumindest festmässig, den Gelb-Schwarzen (gemeint ist Ther­wil) in nichts nach. Das dreitägige Volksfest anlässlich von «750 Jahre Ettingen» lockte weit über 10‘000 Besucher ins Guggerfest – darunter auch viele aus der ungeliebten Nachbar­gemeinde. Eine halbe Stunde später wie in Therwil begann der Sonntagsumzug, der un­ter dem Sujet «Mir hän ä Ohrwurm» den Ortskern stand.

Dieses lehnte sich an den Jubiläums­song, der anlässlich des 750. Geburtstages von Ettingen im vergangenen Jahr die Men­schen in der Region berieselte. Der diesjährige Umzug überzeugte duch spektakuläre Wa­genkonstruktionen.

Thematisch gab man sich in Ettingen ganz lokal: Tempo-30-Zonen, die Wei­heranlage auf dem Gebiet Toggesssenmatten, die neue Tierarztpraxis, das Jubiläums­fest oder auch der Turnverein - in Ettingen ist eben mehr los als man denkt. Wie immer, wenn im Dorf am Blauen ein Fest steigt, war die Stimmung familiär. Das wird wohl der Grund sein, weshalb sich auch Menschen aus den Nachbargemeinden (primär aus dem Hinteren und Solothurnischen Leimental) nach Ettingen begaben.

«Schnäggedorf» als Fasnachts-Hochburg

Gleichzeitig wie in Ettingen begann in Oberwil der Umzug. Und das «Schnäggedorf» ist die Fasnachts-Metropole im Birsig- und Leimental. Die Hauptstrasse, vom Schwanenplatz bis zum Kreisel, ist eine einzige Festmeile. Während man in Therwil und Ettingen sich durch die Besucher drängen kann, ist in Oberwil zeitweise eine «Druggedde» wie am Basler Mor­gestraich. Insgesamt nahmen 400 Aktive am Umzug statt – damit ist Oberwil in den Di­mensionen von Allschwil und Reinach.

Die neue Weihnachtsbeleuchtung, welche der Gemeinde neuen Glanz verleihen soll, bauliche Hindernisse (der Verkehr ist ein Dauerthe­ma in Oberwil) und die Tatsache, dass die Bäckerei Müller nach 50 Jahren für immer schliesst, waren lokale Themata, welche im Dorf für Gespräch sorgten.

Seit 49 Jahren dabei

Andererseits gilt die Oberwiler Fasnacht für viele Basler Cliquen auch als eine Art «Haupt­probe» für die «Drey scheenschte Dääg» an der Rheinstadt. Und wir entdeckten die legen­däre Binninger Waggis-Glygge (bitte so geschrieben…) namens Vorstadt-Glunggi, die 1967 ge­gründet wurde.

Und heuer zum 49. Male, seit 1970 also, jeweils an der «Schnäg­gefasnacht» mit­macht. Bei ihrer verdienten Ruhepause auf dem Zentrumsplatz sprachen wir mit dem Nestküken Liv (7), die mit ihrem Opa bereits zum dritten Mal an der Oberwiler Fasnacht mitmacht. «Fasnacht ist sehr schön und gefällt mir; wir haben viele Süssigkeiten verteilt, so dass wir beim 2. Durchlauf nichts mehr hatten», verriet uns das aufgeweckte Mädchen.

Kurzum: Die Leimentaler Fasnacht zog bei idealen Witterungsbedingungen Tausende von Schaulustigen in die Ortskerne. Und die Nacht wird lange sein – und morgen geht es in Oberwil und Ettingen mit der Schülerfasnacht und einem Guggekonzert (Therwil) weiter, bevor der Dienstag ganz der Beizenfasnacht und den Schnitzelbängglern gehört.