Die Migros geht unter die Fischzüchter. Sie will ihren Bedarf an Egli künftig selber decken – mit einer Mastanlage in Birsfelden. Nichts gegen Fisch – wir freuen uns sogar auf die Egli-Filets made in Baselland. Und wir freuen uns auch über die neuen Jobs, die entstehen. Trotzdem wirft die Standortwahl Fragen auf. Denn an diesem Ort wäre mehr möglich, und die Fischzucht könnte genauso gut anderswo stattfinden: Sie braucht den Hafen nicht. Und umgekehrt braucht der Hafen die Fischzucht nicht.

Vor allem aber zeigt der Fall exemplarisch auf, dass es mit dem Hafen nicht vorwärts geht. Die Verantwortlichen haben offensichtlich gar kein Interesse daran, die Transformation dieses Gebiets voranzutreiben. Oder es fehlt ihnen der Mut. Sie alle, die Schweizerischen Rheinhäfen, der Kanton als grösster Grundeigentümer, aber auch die Standortgemeinde Birsfelden verstecken sich hinter Gesetzen und Verträgen. Zwar haben sie sich bisher zur Öffnung des Geländes erstaunlich wohlwollend geäussert. Jetzt zeigt sich aber: Das waren wohl alles Lippenbekenntnisse. Nicht weniger, aber auch nicht mehr.

Die beste Adresse bleibt der Fischzucht vorbehalten

So wird das nichts mit dem neuen Quartier, nicht einmal ansatzweise. Für ihre Zuchtbecken hat sich die Migros das Areal ihrer früheren Grossbäckerei Jowa im Birsfelder Hafen ausgewählt. Und so werden in den Hallen an bester Lage bald Wasserzuber stehen, aber keine Lofts oder eine Konzerthalle. Die Rheinhäfen haben den Baurechtsvertrag mit dem Migros-Betrieb Delica um zehn Jahre verlängert. Das Gelände ist also nicht mehr bis 2029, sondern sogar bis 2040 belegt.

Es erstaunt, dass Birsfelden kein Veto eingelegt hat gegen die Vertragsverlängerung. Dabei gehört es in der Birsfelder Politszene fast schon zum guten Ton, sich über den Kanton und die Leitung der Rheinhäfen zu beschweren. Fast einen Viertel des Gemeindegebiets besetze der Hafen, lautet das alte Klagelied. Doch dessen Potenzial liege brach. Wie so manches Material, das dort gelagert wird. So bleibe Birsfelden auf Gewerbe sitzen, das wenig Steuern abwirft, aber umso mehr Dreck und Lärm. Die Gemeinde werde doppelt bestraft, hielt Gemeindepräsident und FDP-Landrat Christof Hiltmann 2015 in einem Postulat im Parlament fest. Einmal besetzte der Hafen wertvolles Gebiet, das, anders genutzt, höhere Erträge abliefern könnte. Dann gleich noch einmal, weil die Schweizerischen Rheinhäfen ihren Gewinn an die beiden Basel abliefern, aber nicht an die Hafengemeinden.

Der Kanton Baselland als grösster Grundeigentümer des Hafens argumentiert mit geltenden Verträgen. Man wolle das Hafengebiet zwar als Wirtschaftsstandort fördern und weiterentwickeln, schreibt die für den Hafen zuständige Volkswirtschafts- und Gesundheitsdirektion der bz. Das schon. Aber eine Transformation könne «nicht von heute auf morgen passieren». Von heute auf morgen war gar nie die Rede. Die Migros hätte sich für die Zeit ab 2029 nach einem Ersatzstandort umsehen müssen. Dafür wären ihr über elf Jahre Zeit geblieben.

Der Kanton hält auch fest, dass die Tanklager eine Wohnnutzung in der Nachbarschaft nicht zulassen würden, wegen Explosionsgefahr. Anderswo waren die Tanks kein Hindernis für Umnutzungen. Auf der Klybeckinsel, dem Gelände in Basel-Stadt, das die Schweizerischen Rheinhäfen geräumt haben, wurden die Anlagen 2012 abgebaut. Ein Teil der Lagerkapazität befindet sich heute – es mag ironisch klingen – rund vier Kilometer rheinaufwärts: im Birsfelder Hafen.

Den Verantwortlichen sei geraten, einmal bei der Jowa-Parzelle ans Ufer zu stehen. Der Blick wird über den Stausee schweifen, hinüber nach Grenzach, zum idyllischen Rheinufer mit Bootshafen, weiter hinten thront der Hörnlifelsen. Dann wird auch bei ihnen vielleicht die Erkenntnis kommen: Schön hier! Viel zu schön für eine Fischzucht.