Coronavirus

Vier der fünf letzten Fälle – ausgerechnet an Schulen: Corona trifft in den beiden Basel plötzlich die Jungen

Der Kanton rechnet trotz zurzeit tiefer Infektionszahlen damit, dass die Fälle schon bald zunehmen könnten. (Symbolbild)

Der Kanton rechnet trotz zurzeit tiefer Infektionszahlen damit, dass die Fälle schon bald zunehmen könnten. (Symbolbild)

Vier Fälle an Baselbieter Schulen – auch in der Stadt immer jüngere Betroffene. Betagte infizieren sich seit Wochen nicht mehr – woran liegt diese Entwicklung?

Zweimal Therwil, einmal Laufen und einmal Pfeffingen: Vier der letzten fünf Baselbieter Coronainfektionen trafen Primar- und Sekundarschulen. Erst war es ein 14-jähriger Sekundarschüler, dann ein neunjähriger Primarschüler. In Laufen traf es eine Lehrerin. Beim neusten Baselbieter Fall in Pfeffingen wurde ein elfjähriger Junge positiv getestet. Auch in der Stadt infizierten sich Ende Mai zwei Schüler der Isaak-Iselin-Schule. Ist das bloss ein Zufall, oder sind Schulen tatsächlich Hotspots für das Virus?

Um Krisenherde handle es sich bei Schulen nicht, betont Andrea Bürki vom Informationsdienst des Kantonalen Krisenstabs Baselland. Es gibt Tausende Schülerinnen und Schüler, die im Baselbiet Schulen besuchen und von hunderten Lehrpersonen unterrichtet werden. «Setzt man diese Zahlen in Relation mit den fünf Covid-19-Fällen, dann kann keinesfalls von einem Krisenherd in den Schulen gesprochen werden», so Bürki.

Fallzahlen könnten bald wieder ansteigen

Weshalb an Schulen dennoch mehr Fälle auftreten als an anderen scheinbar klassischen Hotspots wie beispielsweise Altersheimen, liege an der strikteren Einhaltung der Massnahmen, meint Bürki: Die Alters- und Pflegeheime müssen sich nach wie vor an ein striktes Besuchskonzept halten, ebenso an die Abstandsregeln. «Diese Massnahmen scheinen Wirkung zu haben.» In Schulen gelten in der Theorie ebenfalls strenge Regeln, aber: «Dort ist die Umsetzung dieser Massnahmen weitaus schwieriger, da die Schülerinnen und Schüler nicht immer unter Aufsicht sind und sich bekanntermassen nicht immer an alle Regeln halten, auch unbewusst», erklärt Bürki. «Ausserdem bewegen sie sich in einem viel grösseren Umfeld als die Bewohnerinnen und Bewohner von Alters- und Pflegeheimen.»

Der Kanton rechnet trotz zurzeit tiefer Infektionszahlen damit, dass die Fälle schon bald zunehmen könnten. Dies aber nicht wegen der Schulen oder Altersheime, sondern wegen der neusten Lockerungen. «Da das Reisen nun wieder möglich ist, ist mit einem Anstieg der Fallzahlen nach den Sommerferien zu rechnen», sagt Bürki. Der Kanton will trotz der Lockerungen am Contact-Tracing festhalten. Wie das künftige Konzept dafür aussehen wird, kann Andrea Bürki derzeit aber noch nicht sagen.

Contact-Tracing muss stets möglich sein

Auch im Stadtkanton kann nicht von Schulen als Corona-Hotspots die Rede sein. Doch es sei eine Entwicklung bemerkbar, so Kantonsarzt Thomas Steffen: «Wir stellen generell fest, dass die neu angesteckten Personen seit den Öffnungsschritten im Durchschnitt 30 Jahre jünger sind als während der Hochphase der Pandemie.» Dies liege daran, dass die vermehrten Kontakte der Menschen untereinander bei Schule, Arbeit und Freizeit die Ansteckungswahrscheinlichkeit bei jüngeren Menschen erhöhten. Wie auch auf dem Land sind Alters- und Pflegeheime nun weniger betroffen. «Wir haben in den letzten Wochen keine Ansteckungsmeldungen von Menschen über 65 Jahren erhalten», sagt der Kantonsarzt.

Doch das könnte sich ändern: «Die Lockerungsschritte können zu einer Zunahme der Coronafälle führen, deshalb ist weiterhin die Einhaltung von Hygiene- und Abstandsregeln, der Schutzkonzepte, das Contact-Tracing und die Laboruntersuchung bei Symptomen von entscheidender Bedeutung», so Steffen. «Wir können einen starken Wiederanstieg verhindern, wenn sich hier alle weiterhin konzentriert beteiligen.»
Veranstaltungen mit bis zu 1000 Personen erschweren jedoch das Contact-Tracing. Trotzdem müsse das Nachverfolgen von Kontakten stets möglich sein, wie Steffen erklärt.

Der Veranstalter müsse deshalb sicherstellen, dass die Zahl der maximal zu kontaktierenden Personen nicht grösser als 300 ist, etwa durch die Unterteilung der Gäste in Sektoren. «Auch 300 Personen stellen eine Herausforderung dar, besonders weil sie rasch erreicht werden müssen», sagt Steffen. Man habe deshalb im Gesundheitsdepartement die entsprechenden Massnahmen ergriffen, um schnell die nötigen Mitarbeitenden für das Contact-Tracing zur Verfügung zu haben. «Und wir beobachten die Lage aufmerksam.»

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