Magere Antworten

Vierspurausbau Liestal: Einsprecher sind enttäuscht von den SBB

Die SBB stehen mit ihrem Grossprojekt Vierspurausbau in Liestal unter Zeitdruck. Trotzdem haben sie sich fast ein Jahr Zeit gelassen, um die Einsprachen gegen das Projekt zu beantworten. Und die Antworten fielen dürftig aus.

In den letzten Tagen haben die Einsprecher gegen den Vierspurausbau der SBB in Liestal Post vom Bundesamt für Verkehr (BAV) erhalten. Dieses Amt, das das Verfahren koordiniert und erstinstanzlich auch über die Einsprachen entscheiden wird, leitete den Einsprechern die Stellungnahme der SBB zu ihren Eingaben von letztem Herbst weiter. Wie viele von den einst 43 Einsprechern nun Post erhalten haben und wie viele sich mittlerweile mit den SBB geeinigt haben, wollen weder SBB noch BAV sagen. Klar ist aber, dass die der bz bekannten Einsprecher alles andere als glücklich sind über die Antworten.

Stellvertretend dazu sagt Markus Häring, der in einer Sammeleinsprache zwei Dutzend Personen vertritt: «Die SBB haben für ihre sehr magere Antwort ohne jegliches Zugeständnis fast ein Jahr Zeit gebraucht.» Sein Fazit: «Ich bin nicht gegen den Vierspurausbau, aber ich halte an unseren Forderungen fest.» Deren wichtigste formuliert Häring so: «Wir wollen einen rollstuhlgängigen Realersatz für die Aufhebung des Bahnübergangs Schwieriweg.»

Kein solcher Realersatz ist für ihn der von den SBB ins Feld geführte Orisbachsteg, den erst noch die Stadt Liestal berappen muss, wie Häring betont. Der Orisbachsteg ist eine ebenerdige Fussgänger- und Veloverbindung vom heutigen Bahnübergang Schwieriweg bis zum Bahnhof auf der Südseite der Gleise. Häring moniert: «Jetzt können die Bewohner des Schwieriquartiers und auch viele aus dem Oristal direkt über den Bahnübergang ins Stedtli.

Nachher müssen sie einen Umweg von insgesamt 600 Metern über den Bahnhof machen.» Jene, die gut zu Fuss seien, könnten zwar über die Passerelle gehen, aber allen andern sei die Steigung von 16 Prozent auf der Gartenstrasse nicht zumutbar. Für Häring und seine Miteinsprecher steht anstelle des heutigen Bahnübergangs eine Unterführung im Vordergrund.

Südquartiere besser anbinden

Ähnlich tönt es aus dem Oristal. Auch Markus Ringger, der neben dem von den SBB geplanten Parkhaus am Taleingang eine Liegenschaft besitzt, ist von der SBB-Antwort enttäuscht. Er hat zwar nichts gegen dieses «sinnvolle» Parkhaus und gegen den Vierspurausbau, aber etwas gegen die Ausgestaltung des Parkings: «Entweder baut man das Parkhaus unterirdisch, was die beste Lösung wäre. Oder man versieht es aus Lärmschutzgründen mit einer geschlossenen Fassade und einem Deckel obendrauf.»

Gefährlich findet er zudem, dass Ein- und Ausfahrt direkt an die Tiergartenstrasse zu liegen kommen, die täglich von 860 Schülern begangen werde. Letzteres hat er mit einer Zählung eruiert.

Grundsätzlicher ausgerichtet ist die Einsprache von Bernhard Bossard, als Vater der Idee «Nadel von Liestal» einem breiteren Kreis bekannt. Er bemängelt die geplante «unattraktive Fussgängerverbindung» ins Oristal, auch wenn sie besser sei als die jetzige. Bossard: «Man darf die südlich der Gleise liegenden Quartiere nicht länger vernachlässigen und muss sie besser an die Stadt anbinden. Der Vierspurausbau ist eine grosse Chance dafür.» Auch er hält an seiner Einsprache fest.

SBB in Verzug

Unabhängig von den Einsprachen ist der auf 356 Millionen Franken veranschlagte Vierspurausbau in Verzug. Wie sehr, ist mit einem grossen Fragezeichen versehen. Denn zuerst hiess es am Donnerstag beim BAV auf Anfrage der bz, dass mit der Baubewilligung frühestens im dritten Quartal des nächsten Jahres anstatt wie ursprünglich Ende Januar zu rechnen sei.

Kurz danach korrigierte das BAV die Verspätung nach unten. Sprecher Gregor Saladin: «Das BAV strebt an, die Baubewilligung im April 2019 zu erteilen.» Dies, weil man amtsintern «Beschleunigungsmassnahmen» umsetzen wolle. Das tönt ziemlich verwirrlich. Trotzdem bleibt der Liestaler Stadtpräsident Daniel Spinnler optimistisch: «BAV und SBB haben schon andere Grossprojekte innert Frist umgesetzt. Ich bin zuversichtlich, dass das auch in Liestal gelingt.»

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Autor

Andreas Hirsbrunner

Andreas Hirsbrunner

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