Der Vierspurausbau und das neue Wendegleis im Bahnhof Liestal rücken einen grossen Schritt näher: Am 5. Oktober beginnt die öffentliche Planauflage. Die Projekte mit Gesamtkosten von 356 Millionen Franken sollen für mehr Pünktlichkeit und Kapazität im Bahnknoten Liestal sorgen, wie Vertreter der SBB, der Stadt Liestal und des Kantons am Donnerstag an einer gemeinsamen Medienkonferenz in Liestal erklärten. Öffentlich aufgelegt werden die Unterlagen für die Bahnausbauprojekte vom 5. Oktober bis 3. November im Rathaus Liestal. Frühster Baubeginn für den Vierspurausbau ist 2019. Das Wendegleis für die S-Bahn soll ab 2024 gebaut werden. Die Inbetriebnahme ist für beide Erweiterungen frühestens Ende 2025 vorgesehen.

Der Vierspurausbau soll Zugkreuzungskonflikte in Liestal entschärfen. Der Bahnhof soll dabei einen zusätzlichen 420 Meter langen Mittelperron erhalten. Das Wendegleis wird für S-Bahn-Züge mit Endstation Liestal benötigt. Weiter ist es eine der Voraussetzungen für einen späteren Viertelstunden-Takt der S-Bahn. Für die Zukunft ist vorgesehen, dass die S 3 alle 15 Minuten abwechselnd entweder bis zur Endstation Liestal oder bis Olten fährt.

650 Millionen für den öV

Beide Projekte sollen zudem mehr Pünktlichkeit auf der Linie Basel-Olten ermöglichen. Insgesamt werden die Bautrupps auf einer Länge von 2,4 Kilometern während mindestens sechs Jahren tätig sein, wie SBB-Gesamtprojektleiter Josef Lientscher am Modell ausführte. Um die Sicherheit zu erhöhen, werde während der gesamten Dauer die Devise gelten: «Wo gebaut wird, wird nicht gefahren. Wo gefahren wird, wird nicht gebaut.» Die grosse Herausforderung liege darin, durch die Grossbaustelle nicht den Betrieb im und um den Bahnhof lahm zu legen. «Wir bauen nicht auf der grünen Wiese, sondern in einem funktionierenden städtischen Raum. Die Komplexität des Bauvorhabens beruht darin, dass der Ausbau unter rollenden Rädern auf der wichtigen Nord-Süd-Bahnachse geschieht», erklärte Liestals Stadtpräsident Lukas Ott. Dies schliesse die möglichst reibungslose Aufrechterhaltung des Auto-, Velo- und Busverkehrs im Bahnhofsumfeld mit ein.

Die Vorhaben seien «unabdingbar», um das Bahnangebot in Liestal zu stabilisieren und zukunftsfähig zu machen, führte Stadtpräsident Ott weiter aus. Der Kanton erhoffe sich dadurch eine «rosige Zukunft» für die S-Bahn, ergänzte die Baselbieter öV-Delegierte Eva Juhasz. Um den Viertelstunden-Takt tatsächlich umzusetzen, wird es allerdings noch die Entflechtung von Güter- und Personenverkehrsachse im Raum Muttenz, Änderungen an den Signalanlagen in Pratteln sowie die Erweiterung des Bahnhofs Basel SBB im hinteren Bereich benötigen. Laut SBB sollen auch diese flankierenden Massnahmen im Idealfall bis Ende 2025 abgeschlossen sein.

Stadtpräsident Lukas Ott zum Vierspurausbau am Bahnhof Liestal

Stadtpräsident Lukas Ott zum Vierspurausbau am Bahnhof Liestal

Die Kosten für die Entflechtung des Bahnhofs Liestal betragen gemäss SBB rund 340 Millionen Franken. Sie werden vom Bund getragen und grösstenteils im Rahmen des Grossprojektes «Zukünftige Entwicklung der Bahninfrastruktur» (ZEB) finanziert. Die Kosten für das Wendegleis werden auf rund 16 Millionen Franken veranschlagt. Dieses soll aus dem Bahninfrastrukturfonds (BIF) finanziert werden. Rechne man noch die 300 Millionen Franken für die Modernisierung der Waldenburgerbahn hinzu, betonte Ott, werde deutlich, welch bedeutender Ausbauschritt im Bereich des öffentlichen Verkehrs auf die Region Liestal im nächsten Jahrzehnt zukommt.

Stadtpräsident Lukas Ott zum Vierspurausbau am Bahnhof Liestal

Stadtpräsident Lukas Ott zum Vierspurausbau: «Projekt ist nur mit der Bevölkerung realisierbar»

In Liestal überschneiden sich die Nord-Süd-Bahnlinien, die via Adlertunnel respektive Pratteln-Frenkendorf her kommen, und im Bahnhof selbst behindern sich Transit- und haltender Verkehr gegenseitig. Der Vierspurausbau soll mehr Möglichkeiten schaffen, Züge aneinander vorbei zu lenken, was der Pünktlichkeit der Personenverbindungen zugute kommen werde. Gleiskreuzungen werden an beiden Enden des Bahnhofs ermöglicht.

Seit der ersten Präsentation vor rund zwei Jahren sind beide Vorhaben konkretisiert und teilweise angepasst worden, wie SBB-Projektleiter Lientscher erklärte. Generell kommt laut Stadtpräsident Ott das ganze Projekt jetzt viel schlanker und konfliktärmer daher. So soll die wichtige Verkehrsachse ins Oristal während der gesamten Bauzeit mindestens einspurig offen bleiben. Optimiert wurde zudem aufgrund ausgedehnter geologischer Gutachten der in Richtung Olten liegende Abschnitt Burggraben.

BLT-Direktor ist zufrieden

Die Arbeiten an den bahnhofnahen Anlagen der Waldenburgerbahn (WB) wollen die SBB im Jahr 2022 vornehmen. Vorgesehen ist dabei eine Verschiebung des Perrons. Die Baselland Transport AG (BLT), welche die WB betreibt, nutzt den Unterbruch, um im selben Jahr die gesamte Infrastruktur der Bahn zu erneuern. Dabei wird die WB auch von 75 Zentimetern Schmalspur auf die üblichere Meterspur umgestellt. BLT-Direktor Andreas Büttiker zeigte sich gestern «sehr zufrieden» über die Art und Resultate der Zusammenarbeit mit den SBB: «Alle unsere Anliegen wurden aufgenommen.» Neben den Gleis-Anpassungen und den Perron-Erweiterungen beinhalten die Vorhaben in Liestal ferner den Neubau der Personenunterführungen und einer Passerelle sowie neue Stützmauern und Strassenanpassungen. Teil des Projektes ist zudem ein neues Parkhaus im Süden des Bahnhofs, das die heutige Park-and-Ride-Anlage ersetzen soll. Erstellt werden sollen darin 85 Parkplätze.

Unabhängig vom Quartierplan

Die Projekte Vierspurausbau und Wendegleis wollen die SBB unabhängig von der übrigen Entwicklung des Bahnhofareals ausführen, wie die Verantwortlichen weiter sagten. Sie beinhalten weder einen Neu- oder Umbau noch eine Sanierung des Bahnhofgebäudes. Zwar geht auch SBB-Gesamtprojektleiter Lientscher davon aus, dass es vereinzelte Einsprachen aus den Reihen von Anwohnern gegen Teile des Vierspurausbaus geben wird, aber da dass gesamte Gelände Eigentum der SBB sei, gehe er nicht von unlösbaren Schwierigkeiten aus.
Ein neues Bahnhofgebäude sowie ein Bürohaus und ein Hochhaus sollen separat im Rahmen von weiteren Investitionen von SBB Immobilien in der Höhe von voraussichtlich rund 100 Millionen Franken realisiert werden. Über den dafür nötigen Quartierplan Bahnhofcorso zur Arealentwicklung entscheiden die Stimmberechtigten von Liestal Ende November.