Europa-Cup und die letztjährige Sm’Aesch-Pfeffingen-Topskorerin Laura Künzler: Diese Konstellation wird wohl vorläufig nicht in einer Liebesgeschichte enden. Beim Auswärtsspiel im CEV-Europacup gegen Ciudad de Logrono (Spanien) Anfang November lag Sm’Aesch Pfeffingen mit 1:0 nach Sätzen und mit 6:5-Punkten im zweiten Satz in Führung, als nach einem Angriff der Schweizerin ein Schrei die Halle erzittern liess.

Eine spanische Spielerin kam bei ihrer Abwehraktion mit dem Fuss unter dem Netz auf die gegnerische Seite, und Künzler landete nicht auf dem ebenen Hallenboden, sondern auf des Gegners Fuss, knickte um und riss sich die Bänder. «Ich hatte einen Schock. Der schreckliche Schmerz und die Ungewissheit, was mit meinem Fuss passiert ist, lösten bei mir einen Heulkrampf aus», sagt die Gymnasiastin, die nach ihrem Abschluss Profi-Volleyballerin werden will.

Viel Geduld und eiserner Wille

Doch im Moment muss die Weihnachten 1995 geborene Diagonalangreiferin ganz andere Prioritäten setzen. «Es braucht jetzt meinerseits ganz viel Geduld. Ich darf nicht zu schnell, zu viel wollen. Zurzeit stehen Krafttraining und Beweglichkeit im Vordergrund. Bei einigen Übungen habe ich noch Schmerzen, aber es wird von Tag zu Tag besser», sagt Künzler. Die früher bei Kanti Baden spielende Neuendörferin hatte dabei noch Glück im Unglück: «Es ist meine erste grössere Verletzung überhaupt, und da es in der Schweizer Nationalmannschaft erst wieder im Frühling zur Sache geht, hat meine Verletzung keinen Einfluss auf meine nahe Zukunft als Nationalspielerin.»

Da auch eine Operation umgangen werden konnte, entstehen für sie zudem keine finanziellen Einbussen. Doch in ihrem Kopf konnte die grossgewachsene Künzler die Geschehnisse noch nicht ausblenden. Seit dem Vorfall in Nordspanien träume sie von der für sie fatalen Aktion und schrecke dabei mitten in der Nacht auf. «Zum Glück habe ich meine Familie, meinen Freund und ein tolles Umfeld bei Sm’Aesch Pfeffingen, die mir helfen, das Geschehene mental so rasch wie möglich zu verarbeiten.»

Türe zum Achtelfinal weit offen

Ob an Stöcken, wie gleich nach dem Unfall, oder mit einer Spezialschiene am Fuss, Laura Künzler ist immer mit dabei. So auch heute Dienstagabend im finnischen Hämeenlinna, wo das Rückspiel (Hinspiel 3:0 für Sm’Aesch) im 1/16-Final im CEV Challenge Cup ansteht. Und dies, obwohl sie am Montagabend noch die Ehrung der Topskorer von Swiss Volley besuchen musste und erst am Morgen der Mannschaft in den kalten Norden folgen kann. «Nach dem klaren Heimsieg genügen uns zwei Satzgewinne, um in die nächste Runde einziehen zu können. Ich bin aber überzeugt, dass wir auch das Auswärtsspiel gewinnen. Das Programm der letzten Wochen war zwar happig, doch Erfolg beflügelt», sagt die optimistische, aber zum Zuschauen verdammte Topvolleyballerin.

Auch ihr Trainer Timo Lippuner freut sich auf das Spiel von heute Abend: «Wir haben einen klaren Plan. Und wenn wir diesen befolgen, werden wir mit einem riesigen Erfolgserlebnis in die Schweiz zurückfliegen.»