Ein Leser aus Sissach widerspricht: Einspuren in Kolonnen soll man zum frühestmöglichen Zeitpunkt; also unmittelbar dort, wo die gestrichelte Linie anfängt. Und ja nicht die volle Länge der Beschleunigungsspur ausnützen. Darauf sei er bei einer Besichtigung des Sissacher Autobahnpolizei-Sützpunkts ausdrücklich hingewiesen worden.

Es ist dies nur eine von zahlreichen Reaktionen, welche die bz-Glosse über den «Vollpfosten im Stossverkehr» provoziert hat. Viele verstehen den Ärger, wenn man selber mit dem Auto im Stau steckt, aber munter von anderen rechts überholt wird. Wenn im Feierabendverkehr im Füllinsdörfer A22-Tunnel auf der einzigen Fahrspur der Verkehr stockt, aber von der Einfahrt Liestal her massig zusätzliche Fahrzeuge in die Kolonne hineindrängen, spielen sich im Tunnel Wildwest-Szenen ab.

Da gibt es jene, die in der Kolonne absichtlich nahe auf das Vorderfahrzeug auffahren, um ja niemanden vor sich hineinzulassen. Und eben jene «Vollpfosten», die rechts überholende Fahrzeuge mit einem Hupkonzert eindecken - den Hauptprotagonisten der keineswegs erfundenen bz-Glosse. «Mir ist selber schon passiert, dass einzelne Automobilisten sogar rechts ausscheren, um die Beschleunigungsspur für nachfolgende Fahrzeuge zu blockieren», sagt der Baselbieter Polizeisprecher Adrian Gaugler. «Das ist nicht nur dumm, sondern auch gefährlich.»

Nur so funktioniert der Reissverschluss

Geht alles gar nicht, findet Stephanie Eymann, seit eineinhalb Jahren die oberste Baselbieter Verkehrspolizistin. Denn die Sachlage ist eindeutig und wird schon seit Jahrzehnten in allen Fahrschulen gepredigt: Der berühmte, angestrebte «Reissverschluss» gilt nach wie vor und funktioniert nur, wenn die Spur «erst und korrekterweise ganz am Schluss gewechselt wird»; also unmittelbar vor der Verengung, der Baustelle oder auch der Einmündung auf die Autobahn. Vorbeifahrende werden laut der Polizei-Majorin zu unrecht als Drängler abgestempelt: «Dabei leisten sie einen wichtigen Beitrag, um Stau zu verhindern, was unser aller Ziel sein sollte.» Wann und weshalb von der Autobahnpolizei Sissach eine gegenteilige Meinung geäussert worden sein soll, könne sie sich nicht erklären.

Auch Eymann beobachtet, wie «in gutschweizerischer Manier» oft schon bereits beim ersten Hinweis auf eine Verengung die Spur gewechselt wird: «Wohl auch vor lauter Sorge, sonst nicht mehr reinzukommen.» Für den Leser aus Sissach ist es dagegen sein schlechtes Gewissen, das dazu führt, dass er die volle Länge der Beschleunigungsspur nur noch ganz selten und nur noch dann ausnützt, wenn er in Eile ist.

40 Stutz für falsches Hupen

Mal ganz abgesehen davon, dass man sich durch Unmutsbekundungen an korrekt Vorbeifahrenden strafbar machen kann - für jedes ungerechtfertigte Hupen winkt eine Ordnungsbusse von 40 Franken: Ein Baselbieter Fahrlehrer, der nicht namentlich genannt werden will, empfiehlt ein einfaches Rezept, wie man als Stausteher die rechts an sich vorbeiziehenden Fahrzeuge psychologisch verdauen kann: «Alles gleicht sich aus im Leben. Mal bist du derjenige, der im Stau steht, und trotzdem die Lücke für den Reissverschluss anbietest, ein anderes Mal bist Du es, der einspurt, und froh bist um jemand so rücksichtsvollen wie dich.»

Jene ganz Gescheiten übrigens, die von der Kolonne auf die Beschleunigungsspur ausweichen, um die Stauzeit abzukürzen, kassieren, falls sie erwischt werden, eine Ordnungsbusse von bis zu 140 Franken.