Galerie Beyeler

Vom Papst gesegnet? Schwerreicher Pratteler Unternehmer holt das Papamobil ins Baselbiet

Die Galerie Beyeler zeigt Exponate der Schweizergarde, erwartet werden Waffen, Papstkrone und das Papamobil.

Grosse Ereignisse werfen ihre Schatten weit voraus. In diesem Fall ist es nicht der Schatten, sondern das Gebäude am Gallenweg 19 in Pratteln selbst: Es weist auf seiner Fassade darauf hin, dass sich die Päpstliche Schweizergarde demnächst in der Galerie Beyeler präsentieren wird – anlässlich einer Berufsausstellung der ungewohnten Art.

Der Grund für die Ausstellung: Baselland ist 2020 Gastkanton an der Vereidigungsfeier der neuen Gardisten. Die Ausstellung ist aber keinesfalls ein «Gegengeschäft», wie Markus Baumgartner, Sprecher der Berufsausstellung, klarstellt. Die Idee hatte der Prattler Unternehmer Hermann Beyeler, realisiert wird sie von Heinz Simonet. Der Kurator von der Stiftung Kunst und Kultur Region Basel ist momentan mit der Vorbereitung beschäftigt. Drei vollgepackte Lastwagen haben in den letzten Tagen diverse Ausstellungsstücke aus dem Vatikan nach Pratteln gebracht.

«Die Ausstellung lebt von zwei Dingen: Grossformatigen Bildern von Papst und Garde sowie originalen Exponaten, die direkt mit der Päpstlichen Schweizergarde zu tun haben», erklärt Simonet. Der Kurator ist keiner, der um den heissen Brei herumredet, und gibt offen zu: «Wegen Bildern kommt praktisch niemand.» Dafür habe es der andere Teil umso mehr in sich. Die originalen Waffen, Hellebarden und Schwerter sind bereits in Pratteln angekommen. Dazu hat man die Zusicherung, diverse Unikate zu bekommen, die zum Teil noch nie zuvor den Vatikan verlassen haben. Beispielsweise ein Dokument aus dem 16. Jahrhundert, in dem die Päpstliche Schweizergarde erstmals als solche bezeichnet wird. Oder eine Soutane von Johannes Paul II., die über 200 Jahre alte Tiara (Papstkrone) und das Papamobil.

Ausstellung soll Junge für den Dienst für den Papst begeistern

Doch wie schafft man es, solch – nicht nur historisch – wertvolle Exponate für ein paar Wochen in Obhut zu erhalten? «Dafür muss man beste Beziehungen haben – zur Garde und zum Vatikan», sagt Heinz Simonet, der einen guten Draht zu Kardinal Rudolf Koletzko hat, schon mehrfach im Vatikan war und dabei auch einige Male Papst Franziskus («Ein äusserst zugänglicher, humorvoller Mensch») begegnet ist. Allein in den vergangenen vier Monaten war der Kurator sechsmal in Rom, um sich die Freigabe für die Exponate zu holen.

Die Galerie Beyeler wird für die Dauer der Veranstaltung zur «Hochsicherheitszone», das Gesamtbudget beträgt 500 000 Franken. Die Ausstellung will auch die Tätigkeit der Schweizergardisten näherbringen, im Fokus steht der jugendliche Teil der Besucher. «Wir betreiben etwas Rekrutierungshilfe», meint Simonet salopp, ehe er auf die Karrieremöglichkeiten zu sprechen kommt: «Der Dienst in der Garde ist ein guter Einstieg in die wachsende Sicherheitsindustrie.» Auch deshalb wird Kommandant Christof Graf unter den Persönlichkeiten aus Kirche, Politik und Kunst sein, die jeweils samstags von 11 bis 12 Uhr im Rahmen von Podiumsgesprächen über ihre Erlebnisse mit der Schweizergarde sprechen.

Die ausserordentliche Berufsausstellung dauert vom 26. Oktober bis Ende November. Bereits einen Tag vorher findet eine Vernissage im exklusiven Rahmen statt.

Heinz Simonet bedauert, dass die Alt-Bundesrätinnen Ruth Metzler (Präsidentin der Stiftung für die Päpstliche Schweizergarde) und Doris Leuthard (Präsidentin des Patronatskomitees für den Neubau der Kaserne) keinen Platz in ihrem Terminkalender finden konnten. «Als Ersatz können wir ja nicht inkognito den Papst einfliegen lassen», scherzt der Kurator, ehe er nach kurzer Überlegung hinzufügt: «Allerdings ist er schon für Spässe dieser Art zu haben …»

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