Coronakrise

Vom Sofa in die Schuldenfalle – eine Warnung vor Krediten und Finanzsanieren

Peter Zwegat half bei RTL verschuldeten Menschen aus der Krise – in Basel sind nicht alle so gut beraten.

Peter Zwegat half bei RTL verschuldeten Menschen aus der Krise – in Basel sind nicht alle so gut beraten.

In den beiden Basel gibt es so viele Schuldenberatungen wie noch nie. In der Coronakrise scheinen die Menschen aber andere Sorgen zu haben als ihre Finanzen. Die Betreibungsämter haben ihre Arbeit auf Eis gelegt, was die finanziellen Sorgen etwas leichter verdrängen lässt. Aber die Probleme sind nicht gelöst.

Bei der Schuldenberatung Baselland ruht derzeit das Telefon. Doch die Probleme sind nur aufgeschoben, nicht aufgehoben. Je länger die Krise andauert, desto grösser werden die Schulden sein, wenn der Alltag einkehrt. Der Stapel nicht bezahlter Rechnungen baut sich nicht von alleine ab.

Die Vorsteherin der Fachstelle für Schuldenfragen im Kanton Baselland, Diana Häner, benutzt ein schweizerdeutsches Wort, um das zu beschreiben, was auf sie zukommt. «Bei uns wird es bald ‹räble›», sagt sie. Will heissen: Bald werden die Menschen Schlangen stehen bei der Schuldenberatung.

Beratungsfälle haben sich in drei Jahren verdoppelt

Das Problem der zunehmenden privaten Überschuldung von Privatpersonen ist nicht nur bedingt durch die Coronakrise. Die Entwicklung setzte vorher ein. Jährlich steige die Zahl der Beratungsfälle um rund 200, sagt Häner. Heute hat die Schuldenberatung Baselland rund tausend Fälle.

Eine ähnliche Tendenz beobachtet Jürg Gschwend von der Basler Budget- und Schuldenberatung Plusminus. Gemäss den noch unveröffentlichten Zahlen des Jahresberichts stieg die Zahl der Personen, die auf professionelle Schuldenberatung zurückgreifen mussten, zwischen 2017 und 2019 von 377 auf 612. Das ist nahezu eine Verdoppelung – notabene in Zeiten, in denen es wirtschaftlich bergauf ging. Die Betroffenen sind häufig nicht am unteren Ende der Einkommensskala anzutreffen. Häner sagt, einige verdienten gut, aber schafften es nicht, ihre Steuern oder Krankenkassenprämien zu bezahlen, weil sie das Geld lieber fürs Autoleasing oder Ähnliches ausgäben.

Legale und illegale Schuldenfallen

Oft mündet der vermeintliche Weg aus den Schulden in einer noch dunkleren Sackgasse, wie Häner und Gschwend immer wieder feststellen müssen. Sie warnen eindringlich vor privaten Schuldenberatern, welche nur ans eigene Portemonnaie denken. Gschwend stellt zudem einen starken Anstieg an sogenannten Finanzsanierern fest, welche den Kunden hohe Auszahlungen versprechen. «Ein Fall war besonders krass», sagt er. «Ein Institut stellte 28000 Franken in Aussicht. Davor musste mein Klient eine Genehmigungsgebühr über 1481 Franken bezahlen – Geld, das er nie mehr sah.»

Immerhin habe Gschwend den Hochverschuldeten davon abbringen können, weiter Geld einzuzahlen. Allerdings nur mit grösster Mühe. «Die verschuldeten Leute sind oft so verzweifelt, dass sie wie die Roulettespieler alles auf eine Zahl setzen», sagt Gschwend.

Wenn die Ex-Miss-Schweiz für riskante Kredite wirbt

Doch auch die seriösen Kreditinstitute stellen in den Augen der öffentlichen Schuldenberatungen eine Gefahr dar. Bei Firmen wie etwa der Cembra Money Bank (mit der ehemaligen Miss Schweiz Christa Rigozzi als Markenbotschafterin) würde den potenziellen Kreditnehmern eine falsche Sicherheit vermittelt – «was gerade in der heutigen Zeit folgenschwer sein kann», wie Gschwend festhält. Und dass etwa die Bank Now momentan die Werbekeule mit günstigen Krediten wedle, sei «gefährliche Abzocke». Diese wehrt sich und sagt auf Anfrage, die alljährliche Kreditaktion sei bereits am 9. März angelaufen, die Kreditvergaben würden streng geprüft.

Der Stellenleiter von Plusminus hat dazu eine klare Meinung: Jürg Gschwend sagt, das reiche nicht aus.

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