Bonvinvant

Von biodyn bis Billigfleisch – was bleibt von der Weinpfütze?

Joël Gernet.

Joël Gernet.

Heute lasse ich hier zum letzten Mal den Korken knallen. Kronkorken! Es gibt Pet Nat. Hier ging’s nie um den teuren Stoff. Bordeaux, Burgund…diese wunderbaren Terrains werden genug beackert.

Ich hab’s mir lieber in meiner Nische bequem gemacht und über Lieblingsweine geschrieben. Für diese Narrenfreiheit bedanke ich mich.

Es ging um Geschichten. Um Substanz. Im Rap würde man sagen, um Delivery. Es ging auch um Regionalität und Handwerk. Um naturnahen Weinbau und Biodiversität. Um Weine mit Ecken und Kanten. Klingt selbstverständlich. Ist es aber nicht. Oft verwässern gut gemeinte Ansätze zu Marketing-Floskeln. Wein aus der Natur ist nicht zwangsläufig natürlich. Dazu gibt’s zu viele Tricks. Deshalb geht’s hier um Fragen, die über den Rebberg hinausreichen.

Ist Glyphosat krebserregend? Wirken biodynamische Präparate überhaupt? Egal wie man dazu steht: Es ist einleuchtend, dass chemische Unkrautbekämpfungsmittel den wichtigen Mikroorganismen schaden. Und egal, ob Hornkieselpräparat für vitalere Rebberge sorgt – wer im Gleichschritt mit Natur und Kosmos arbeitet, hat halt ein engeres Verhältnis zu Reben, Rebberg und dem werdenden Wein.

Natürlich sorgt eine nachhaltige Herstellung nicht automatisch für gute Crus. Und industriell produzierter Wein ist nicht zwangsläufig schlecht. Die Frage ist viel eher, ob wir wollen, dass für ein Genussmittel ganze Landstriche in Monokulturen bewirtschaftet und mit Chemikalien bespritzt werden.

Die Weinpfütze ist nämlich viel zu gross. Weil der Absatz wegen Corona zusammengebrochen ist, macht der Bund Millionen locker, damit Betriebe ihre Weine zu Essig oder Desinfektionsmittel verarbeiten.
In Krisen zeigt sich auch, wie sehr der Fachhändler und die Winzerin um die Ecke auf uns angewiesen sind. Es ist wichtig, was wir kaufen – und was nicht. So wie beim Billigfleisch.

Es gibt Lichtblicke. Wir können uns immer öfter über bessere und nachhaltigere Weine freuen. Diese müssen wir aber auch tatsächlich trinken. Es klingt ausgelutscht – aber das Leben ist wirklich zu kurz, um schlechten Wein zu trinken.

Dies war Joël Gernets letzte Bonvinvant-Kolumne. Wir danken ihm herzlich für seine Beträge und freuen uns auf die neue Reihe, die in 14 Tagen startet.

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