Buchdruck

Vor 550 Jahren druckte ein Laufner das erste Buch der Schweiz – für dieses erntete er allerdings nur Spott

Seit 30 Jahren steht Helias Helye in Laufen auf dem Helyeplatz.

Seit 30 Jahren steht Helias Helye in Laufen auf dem Helyeplatz.

Vor 550 Jahren entstand das erste gedruckte Buch der Schweiz. Der verantwortliche Laufner Helias Helye wurde dafür aber alles andere als gefeiert. Das Meisterwerk des Pfaffenkindes erntete statt Anerkennung nur Spott.

Helias Helye hatte eigentlich die richtige Geschäftsidee zur richtigen Zeit. Geld und Ruhm haben es ihm zu Lebzeiten dennoch nicht eingebracht. Der Chorherr und Bürger von Laufen druckte vor 550 Jahren das erste Buch der Schweiz. Von 1470 bis 1500 gewann der Buchdruck auch hierzulande an Popularität: Dadurch wurde es möglich, Schriften in grosser Stückzahl zu kopieren. Eine der grössten Errungenschaften des Mittelalters, ohne die die Reformation nicht möglich gewesen wäre. Der Pionier Helye erntete für sein erstes Buch aber hauptsächlich Spott.

Helias wurde um 1400 als Pfaffenkind, also als Sohn eines Priesters, in Zürich geboren. Weil seine Familie aus dem Laufental stammte, war er dort Bürger. Selbst gelebt hat er aber nie im Städtchen im Baselbiet. Trotzdem steht dort seit fast 30 Jahren eine Statue des Druckers auf dem gleichnamigen Helyeplatz – wenigstens ein bisschen Ehre knapp 520 Jahre nach seinem Tod.

Abgesehen von Laufen und Beromünster, wo er seine Druckerei hatte, kennen wohl die wenigsten den Namen Helias Helye. Zum 550-Jahr-Jubiläum kam jetzt aber ein Buch über seine aussergewöhnliche Geschichte heraus. In «Elias wird Buchdrucker» erzählt Ludwig Suter anhand von selbstgemalten Illustrationen aus dem Leben des kleinen Gutenbergs aus der Schweiz. Er selbst ist Grafiker und beschäftigt sich seit 50 Jahren mit der Geschichte des Buchdrucks. Mit dem Buch über Helye wollte er etwas Neues, etwas Eigenes schaffen. Das, nachdem er in seinem Job über Jahre Aufträge von anderen umgesetzt hat. Mit seinem Buch sieht der Autor auch eine Parallele zu Helye: «Auch er hat etwas Neues geschaffen.»

Gutenberg diente ihm als Vorbild

Helye studiert Jurisprudenz und kam dadurch an einen längeren Prozess in Basel. Dort lernt er Druckgesellen aus dem Umkreis von Johannes Gutenberg kennen. Die Idee für seine letzte grosse Hinterlassenschaft ist geboren. Er kehrt zurück nach Beromünster und gründet seine eigene kleine Druckerei. Er besorgt sich eine Druckerpresse, giesst Bleibuchstaben und druckt mit etwa 70 Jahren das Werk «Mammotrectus super Bibiliam».

Ein 600 Seiten dickes Handbuch zur besseren Verständlichkeit der Bibel. Nicht gerade eine leichte Lektüre. Später werden zahlreiche Exemplare in Umlauf gebracht, Luther wird das Werk als «Teufelsmist» bezeichnen. Noch heute finden sich weltweit 30 bis 40 Exemplare. Als Helye sein Werk aber erstmals präsentiert, lacht man ihn aus: «Viele konnten damals gar nicht lesen, und dann war das Buch auch noch auf Latein geschrieben», erklärt sich Suter die Unpopularität.

Helye gibt nicht auf und druckt bis zu seinem Tod 1475 noch fünf weitere Bücher. Obschon sein Bibelhandbuch vor 550 Jahren ein Flop war, ging Helye damit in die Geschichte ein. Es ist das Werk mit der ältesten Datierung und Helias Helye somit offiziell der erste Buchdrucker der Schweiz.

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