Ständerats-Wahlkampf Baselland

Vor dem zweiten Wahlgang: Bürgerliche stellen Maya Graf an den Pranger

Sie stehen für Daniela Schneeberger (Mitte) ein: (v.l.) Naomi Reichlin, Saskia Schenker, Sandra Sollberger und Felix Keller.

Sie stehen für Daniela Schneeberger (Mitte) ein: (v.l.) Naomi Reichlin, Saskia Schenker, Sandra Sollberger und Felix Keller.

Die Freisinnige Daniela Schneeberger startet in Runde zwei des Ständerats-Wahlkampfs. Dabei sucht sie die Konfrontation mit der grünen Nationalrätin Maya Graf. Sie sei keine Kandidatin der Mitte, sondern nur der Linken.

Jetzt ist fertig lustig. Gab sich FDP-Nationalrätin Daniela Schneeberger vor dem ersten Wahlgang der Baselbieter Ständeratswahl vom 20. Oktober noch ziemlich zahm und vermied es, ihre Konkurrentin Maya Graf von den Grünen allzu stark zu kritisieren, ändert sie für den zweiten Wahlgang ihre Taktik. Sie schaltet auf Angriff.

Gestern lancierte die Thürnerin den Wahlkampf für den 24. November. Dass sie nach Muttenz auf die Baustelle des alten Valora-Gebäudes gleich hinter der FHNW lud – Bohrmaschinenlärm, fehlende Türen und Rohbauästhetik inklusive –, mögen Schelme als sinnbildlich für den Zustand der Baselbieter FDP deuten. Schneeberger sieht in der angehenden Start-up-Plattform im fünften Stock dagegen die unternehmerische Zukunft des Kantons, der auf Innovation und Fortschritt setze.

Schneeberger nimmt Schenker ins Schlepptau

Der gestrige Medienanlass wirkte wie eine einzige grosse Reaktion, ein Gegen- und Befreiungsschlag wider all denjenigen Stimmen, die Maya Graf schon auf sicher im Stöckli sehen. So konnte Graf vergangene Woche nur wenige und – mit der Ausnahme von Elisabeth Augstburger (EVP) – unbekannte Mittepolitiker um sich scharen. Schneeberger hingegen trat zusammen mit SVP-Nationalrätin Sandra Sollberger und Felix Keller, CVP-Fraktionschef im Landrat, auf.

Im Gegensatz zu Graf zeigte sich Schneeberger ausserdem extra als Team mit jener Nationalratskandidatin, die im Falle einer Wahl Schneebergers in den Ständerat in die grosse Kammer nachrückt: FDP-Parteipräsidentin Saskia Schenker. Und während Graf und ihre Unterstützer sich darauf konzentrierten, die eigenen Stärken hervorzuheben, bestand ein Grossteil des Auftritts Schneebergers aus Statistiken, Grafiken und Rankings, die zwei Ziele verfolgten: (von ihnen ausgewählte) Fakten und Zahlen wirken zu lassen sowie Maya Graf die Qualität abzusprechen, das ganze Baselbiet in Bern zu vertreten.

FDP stellt Maya Graf in die ganz linke Ecke

«Auf welcher Faktenbasis preisen die Grünen ihre Kandidatin als Mitte-Politikerin an?», fragte FDP-Vizepräsidentin Naomi Reichlin und verwies auf das Parlamentarier-Rating der «NZZ». Dieses sieht Maya Graf bei einem Wert von 9,2, wenn 10 für «sehr links» und 0 für die Mitte des politischen Spektrums steht. Der bisherige Baselbieter Ständerat Claude Janiak von der SP kommt lediglich auf 5,7 Punkte. Schneeberger hingegen erreicht 3,9 Punkte, wenn 10 für «sehr rechts» und 0 für die Mitte steht. «Wir hoffen, dass die Öffentlichkeit diskutiert, wer welche Politik macht», sagte Schenker. Und für Felix Keller muss eine Ständerätin die Gesamtinteressen des Kantons vertreten, im Gegensatz zum Nationalrat: «Daniela Schneeberger ist eine pragmatische, kompromissbereite Frau, die über ihren eigenen und den Schatten ihrer Partei springen kann.»

Für Keller steht auch ausser Frage, welche Kandidatin der CVP näher steht. Eine Auswahl von wichtigen Abstimmungen der vergangenen sechs Jahre zeigt, dass Schneeberger fast immer mit der CVP einig war – wie auch mit dem Baselbieter Stimmvolk. Maya Graf hingegen vertrat jeweils die gegenteilige Parole. Freilich liess die Aufzählung Urnengänge wie das Baselbieter Nein zur Unternehmenssteuerreform III von 2017 vermissen, das Grafs Linie entsprach.
An die Adresse jener, die meinen, Graf könne besser mit der neuen Basler Ständerätin Eva Herzog (SP) zusammenspannen, hielt Schneeberger übrigens fest: «Mit Eva habe ich schon tipptopp zusammengearbeitet. Sie ist schliesslich eine moderate Linke.»

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