Der Liestaler KV-Saal strahlt die Gemütlichkeit eines vollen Pneu-Lagers aus – das Foyer erinnert an die Basler Bahnhofpasserelle um 8 Uhr: emsiges Gedränge. Trotzdem: Serviert wird dort fast alles, was zu einer unterhaltsamen Vorfasnachts-Party gehört. Da hat nicht nur Klamauk und Schabernack in all seinen Facetten Platz, der musischen und schauspielerischen Kunst wird genauso gehuldigt.

«Wir wollen die Leute zum Lachen bringen und sie den Alltag vergessen lassen», formuliert Thomas von Arx, Leiter der Gesamtregie, die Zielsetzung. Nun gut, die Geschmäcker sind verschieden – frech und bunt wars, einige Pointen scharf wie Tabasco, der Witz meistens leicht und locker, oft auch happig und nicht immer leicht verdaulich. Es gab gewiss schon stärkere Jahrgänge, das Rotstab-Cabaret ist und bleibt aber ein sicherer Wert auf dem üppigen Buffet der Fasnachts-Ouvertüren.

Orientierungslos im Stedtli

«Kommt mit an diesen Postenlauf», riefen die Cabarettisten zum Prolog ins Publikum. Und schon keuchten sie aufgeregt mit Karte und Kompass herum. Was die Spezialisten anlässlich des OL-Weltcup-Finals in Liestal praktisch nie verloren, nämlich die Orientierung, passiere im Rathaus täglich, frotzelten die zu Orientierungsläufern mutierten Fasnächtler.

Als genauso orientierungslos wurde der Wahlkampf zu den Regierungsratswahlen verspottet, denn man liess sogar im aargauischen Kaiseraugst Plakate aufhängen. Was den Cabarettisten recht ist, war den Pfeifern und Trommlern des Stamms und der jungen Garde billig. Da wurde im sportlichen OL-Outfit mit der «Route Symfonie» ein Potpourri zum Besten gegeben – für Musik-Gourmets bereits ein Highlight zum Auftakt. Im Verlauf des Programms ebenfalls sauber pfiffen «d’Veegel», denen die Tambouren in «Magic Kids» mit ihrem visualisierten Trommeln in nichts nachstanden.

Bleiben wir bei den Gourmets, aber denjenigen für edles Fleisch. Und denen hat Küchenchef «Schnitzelfritz» als Bänkler ganz gehörig auf den Magen geschlagen. So nehme er etwa für Châteaubriand Eselfleisch, Rindsohren für Ragout und aus Blinddarm entstehe Trutenbrust. «Nei, das isch nid verchehrt, i ha mi Handwärk äbe bim ene Bündner Metzger glehrt», so die bissige Entschuldigung von Fritz.

Was einen so nervt und juckt

Die Rahmenstücke waren wie immer die Würze des Fasnachtsmenüs. Da wurde Dampf abgelassen und über alles hergefallen, was einen so nervt und juckt. Unter dem Titel «E komischi Sach» hagelte es denn auch viel Spott und Häme für die Polizei. Mit Kommissar Neuenschwander und dem tollpatschigen Aspiranten Harry Dümmel waren nämlich zwei übereifrige Beamte auf Patrouille, die sowohl Daniela Gauglers Treiben in ihrem Bed & Breakfast wie auch verdächtige Typen als Drogendealer observierten.

Pompös dann der Traum des Turmwirts beim Liestaler Wahrzeichen. Nach dem gesponserten Wipfel-Pfad soll jetzt ein zwei Milliarden teurer gigantischer Magic Tower mit einer Achterbahn Looping Mountain entstehen. Gute Komik, aber etwas langatmig. Genauso auch der Sketch zum 100-Jahr-Jubiläum des Nationalparks, bei dem sich die Cabarettisten vor prächtigem Bühnenbild als Steinböcke, Gämsen, Murmeli, Wolf und Bär tummelten. Da erreichten die etwas plumpen Pointen nahe der Gürtellinie knapp das Mittelmass.

Zum Finale setzten wie immer die acht Stedtli-Singers als Publikumslieblinge den Glanzpunkt. Da wurden witzige Sujets wie Klimawandel, Daniela Gaugler, Geri Müller oder das Liestaler Ladensterben melodisch in bekannte Songs eingepackt und choreografisch fantasievoll vorgetragen. Ein humoristisches Sahnehäubchen zum Dessert.