Schönenbuch

Wahlchaos in Schönenbuch: Erst siegt André Knubel, dann tritt er zurück

Chaotische Tage in der Gemeinde Schönenbuch. Erst holt André Knubel die Mehrheit der Stimmen in der Wahl des Gemeindepräsidenten, dann kommt aus, dass die Wahl wiederholt werden muss. Doch das ist noch nicht alles. Nun gab Knubel seinen Rücktritt bekannt.

Es hätte einfach sein können. Nur zwei Kandidaten – der ehemalige Gemeindepräsident Jürg Dieterle und sein Herausforderer André Knubel – traten im Juni für die Wahl des Gemeindepräsidenten in Schönenbuch an. Am 28. Juni hätte feststehen können, wer das Amt für die nächsten vier Jahre übernimmt.

So kam es aber nicht: Eine Stimmrechtsbeschwerde wegen behördlicher Einflussnahme wurde gutgeheissen, ein neuer Wahltermin angesetzt. Doch damit nicht genug: Vergangene Woche hat André Knubel seinen sofortigen Rücktritt aus dem Gemeinderat bekannt gegeben. Für die Neuwahl vom 23. August steht nur noch Jürg Dieterle zur Verfügung.

«Am Montag nach der Wahl habe ich es mir erstmals überlegt», sagt André Knubel. Mit 35 Stimmen Unterschied wäre er gewählt worden, wäre die Beschwerde nicht gewesen. An der Gemeinderatssitzung habe man besprechen wollen, wie man mit der Situation umgeht: «Wir hatten ja keinen Präsidenten. Ich war nicht offiziell gewählt und Dieterle abgewählt», so Knubel.

«Komisches Gefühl im Bauch» seit zwei Monaten

Aufgrund von Mailunterhaltungen sei für ihn klar gewesen, dass man vorübergehend eine neutrale Person als Gemeindepräsident einsetzt: Vizepräsident Rolf Roth. Doch dieser schlug Dieterle vor, der dann auch gewählt wurde – trotz Knubels Veto. «Auch zwei Mitglieder, die mir ihre Unterstützung zugesichert hatten, haben Dieterle gewählt», sagt Knubel.

«Ich hatte schon seit zwei Monaten ein komisches Gefühl im Bauch. Doch da merkte ich, dass ich den Rückhalt der anderen Gemeinderäte nicht habe.» Als der Regierungsrat am Donnerstag die Neuwahl bekannt gab, sei ihm klar geworden, dass das Vertrauensverhältnis im Gemeinderat nicht mehr stimme. «Um 15:47 Uhr habe ich den Rücktritt erklärt, heute war ich noch auf der Gemeinde, um meinen PC und den Schlüssel abzugeben», sagt Knubel gestern am Telefon.

Nächste Station: Schwingfest

«Es ist schon eine Veränderung. Ich habe die letzten 15 Jahre viel Zeit in das Amt investiert», sagt Knubel. Doch er würde sich als Mensch nicht über ein Amt definieren. «Und mir wird sicher nicht langweilig.» Nun konzentriere er sich auf das Eidgenössische Schwingfest 2022 in Pratteln, dessen Finanzchef er ist. «Und geniesse erst einmal die sitzungsfreie Zeit», fügt er an.

Von Knubels Entscheid zeigt sich Jürg Dieterle überrascht. Als Gesamtgremium habe man im Gemeinderat ein gutes Verhältnis gehabt, fügt er an. Den Rücktritt habe er nicht erwartet.
Ersatz für Knubel werde man noch suchen, «es ist ja Ferienzeit und erst wenige Tage her», so Dieterle.

Das Thema stand auf der Traktandenliste für die gestrige Gemeinderatssitzung. «Danach geben wir die neuen Wahltermine in einer Medienmitteilung bekannt», sagt Dieterle, der bis zur Neuwahl Gemeindepräsident bleibt. Dazu meint er: «Der Gemeinderat hat mir weiterhin sein volles Vertrauen zugesichert.»

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