Paul Hofer, Präsident der Baselbieter FDP, schwor seine Schäfchen am Parteitag vom 17. Oktober in Sissach auf den Wahlkampf ein. Hofer setzt voll auf die sozialen Medien. Mit Postings und Tweets könne die Partei 1 bis 1,5 Prozentpunkte an Wählerstimmen gewinnen, zeigte sich der FDP-Präsident zuversichtlich.

Mit Workshops sollen die Kandidierenden für Facebook, Twitter und Co. gerüstet werden. Trotz der hochgesteckten Ziele: Der Vergleich mit der Präsenz von anderen Parteien im Internet zeigt, dass der Baselbieter Freisinn noch längst noch nicht am Ziel ist. Seine «Unique Selling Proposition» ist einzig, dass ausser ihm keine Kantonalpartei auf Instagram aktiv ist. Hofer gesteht ein, dass er seiner Vorbild-Rolle ebenfalls noch stärker gerecht werden könnte. So sei sein Facebook-Profil nicht immer aktuell. «Ich werde das», verspricht Hofer, «an einem der nächsten freien Tage in Angriff nehmen.»

Werbung könnte verärgern

Die Grünliberalen wiederum fürchten gar einen negativen Effekt, zumindest mit bezahlten Postings. Die Wählerinnen und Wähler, aber auch die Sympathisanten könnten auf Werbung auf Social-Media-Kanälen verärgert reagieren. Parteisekretär Yves Krebs schreibt: «Die Grenze zwischen Peinlichkeit und politischer Botschaft ist oft fliessend.» Für die eher kleine GLP seien die sozialen Medien attraktiv, weil man nicht zwingend Geld dafür ausgeben müsse. Wichtig sei, dass die Auftritte nicht zu professionell, sondern echt und spontan herüberkämen. «Wir sind der Meinung, dass Social-Media-Profile von Kandidatinnen oder Kandidaten auch von diesen selbst bewirtschaftet werden sollte. Nur das ist wirklich authentisch.»

Eine Zahl, wie viele zusätzliche Prozentpunkte seine Partei mit dem Engagement auf den diversen Kanälen holen könnte, will Krebs keine nennen. Er legt jedoch Wert darauf, dass gerade im Baselbieter Wahlsystem die Entscheidungen häufig extrem knapp ausfallen. «Da können bereits drei Stimmen entscheidend sein.» Krebs geht mit gutem Beispiel voran. Auf Twitter ist er sehr aktiv - via seinem persönlichen Profil.

Ein anderer Exponent einer Kleinpartei, der wegen seinem Gezwitscher auffällt, ist Marc Bürgi. Der Präsident der BDP Baselland äussert sich über seinen und den Partei-Account regelmässig zu unterschiedlichen Themen zu Wort. Bürgi schreibt der «Schweiz am Wochenende», für die BDP und die sechs Sektionen seien die Plattformen «sehr wichtig». Sie würden «grossflächig genutzt, weil sie eben gerade gratis sind».

Schon seit längerem fällt die CVP mit «sozialem» Engagement auf. Brigitte Müller, Präsidentin der Baselbieter Christdemokraten, sagt, die Schweizer Mutterpartei würde die kantonalen Sektionen seit den Wahlen im Herbst 2017 regelmässig briefen. Die Partei dürfe das Potenzial aber auch nicht überschätzen. «Wichtiger als Masse und Form ist uns der überzeugende, konstruktive Inhalt unserer Botschaft, die wir der Wählerschaft über physische Kontaktnahme überbringen möchten.» Heisst: Auch Stände vor dem Coop und Flyeraktionen in der Fussgängerzone bleiben wichtig.

Beinahe anachronistisch wirkt die SP. Obwohl sie online die grösste Reichweite der Parteien hat, liegt darauf nicht der Fokus. Sie setzt auch auf Stand- und Gipfeli-Verteil-Aktionen – aber nicht nur. Sie hat einen Kanal entdeckt, der in den USA bei Wahlkämpfen seit Jahrzehnten eine wichtige Rolle spielt (siehe Interview rechts): das Telefon. «Ziel ist es», schreibt Parteisekretär Ruedi Brassel, «mindestens 10 000 persönliche Gespräche zu führen und damit die WählerInnen und ihr Umfeld zur Wahl zu bewegen.»