Zahlen lügen nicht: 1797 Stimmen erzielte Christoph Buser bei der letzten Wahl in den Landrat 2015, 1146 waren es am Sonntag bei der Abwahl. Buser hat jeden dritten Wähler verloren. Und dies, obwohl seine FDP im Wahlkreis Pratteln gegenüber 2015 sogar leicht zulegen konnte. Anstelle des Wirtschaftskammer-Direktors, der seit 2007 im Baselbieter Parlament politisiert, wird künftig der Prattler Gemeindepräsident Stephan Burgunder für die FDP nach Liestal fahren.

Buser dachte im Vorfeld, es würde reichen, wie er im Interview einräumt. Die Abwahl Busers habe sie schon überrascht, sagt die FDP-Kantonalpräsidentin ad interim Saskia Schenker. Abwegig sei das Szenario aber nicht gewesen. «Wir hatten auch im Wahlkreis Pratteln eine starke Liste, die Kandidierenden standen im Wettbewerb untereinander.»

Abgestraft wegen Rechtsstreit

Wie konnte es soweit kommen? FDP-Fraktionschef Rolf Richterich verweist darauf, dass neben Buser auch SVP-Regierungsrat Thomas Weber ein schlechtes Resultat eingefahren habe. Für Richterich ist klar: Teilweise sind die beiden abgestraft worden für ihre Rolle im Rechtsstreit um die Arbeitsmarktkontrollen im Kanton.

Obwohl die Verfahren längst abgeschlossen sind: «Weber und Buser ist es nicht gelungen, für die Öffentlichkeit sichtbar Tabula rasa zu machen.» Diese Einschätzung teilt Saskia Schenker. Daneben führt Richterich für Busers Niederlage einen übergeordneten Grund an: «KMU-Vertreter haben es angesichts der Grosswetterlage schwer. Ihre Anliegen sind nicht hip.»

Die Baselbieter FDP hält den Ball flach nach der Abwahl einer ihrer prägendsten Figuren. Natürlich habe dies Einfluss auf die Fraktion – wie etwa der durch die Amtszeitguillotine erzwungene Rücktritt von Rolf Richterich, sagt Schenker. Sie betonte am Neujahrsapéro der FDP, dass die Partei mit allen Wirtschaftsverbänden zusammenarbeite. «Daran ändert die Abwahl von Christoph Buser nichts.» Ob letzterer Mitglied der FDP-Fraktion sei oder nicht, habe keinen Einfluss darauf, ob die FDP die Wirtschaftskammer vor Wahlen um Unterstützung frage, sagt Schenker.

Für Grünen-Fraktionschef Klaus Kirchmayr hat die Abwahl Busers Konsequenzen für die Kantonspolitik. «Das ist ein weiterer Schritt im Emanzipationsprozess des bürgerlichen Lagers von der Wirtschaftskammer.» Busers Vorgänger Hans Rudolf Gysin hatte im Landkanton ein System etabliert, Gesetze zu initiieren und die Wirtschaftskammer dann mit der lukrativen Umsetzung zu beauftragen.

Dieses System funktionierte nach Busers Antritt als Verbands-Chef im September 2012 zunächst weiter. Im Herbst 2015 erlitt Busers zuvor steil nach oben zeigende Karriere einen Knicks: In der Ausmarchung um den einzigen Ständeratssitz unterlag er Claude Janiak (SP) deutlich, bei den Nationalratswahlen konnte er sich auf der FDP-Liste nicht gegen Amtsinhaberin Daniela Schneeberger durchsetzen.

Auf normales Mass zurückgestutzt

Zuvor hatten Medien über Ungereimtheiten bei den Schwarzarbeitskontrollen berichtet, in welche die Wika als Sozialpartnerin involviert ist. «Ihr Einfluss ist mittlerweile auf ein normales Mass zurückgestutzt – und das ist gut so», sagt Kirchmayr. Ab 1. Juli wird erstmals seit Jahren kein Angestellter des Dachverbands des Baselbieter Gewerbes mehr im Landrat sitzen.

Zeitweise waren es gleich drei – neben Buser der ehemalige Vizedirektor Markus Meier (SVP) und der Berufsbildungs-Verantwortliche Urs Berger (CVP). Wegen der Amtszeitguillotine muss im Sommer zudem Verbands-Vizepräsident Hansruedi Wirz (SVP) den Hut nehmen.

Dennoch mangelt es im neuen Landrat nicht an Wirtschaftskammer-nahen Landräten, darunter Zentralvorstand Rolf Blatter (FDP), Wirtschaftsrat Marc Scherrer (CVP) oder Andreas Dürr (FDP), der für den Verband juristische Mandate hält. «Weder war die Wirtschaftskammer in der Vergangenheit allmächtig, noch ist sie nun bedeutungslos», findet Kirchmayr. Der Sitzverlust Busers habe dennoch Auswirkungen auf den Verband: «Ohne Mandatsträger wird es schwieriger, die Mitglieder davon zu überzeugen, den Verband ideell und finanziell mitzutragen.»