Hafenbecken 3

«Wahnwitz sondergleichen»: Prattler Hardwald soll als Ausgleichsfläche dienen

Der Hardwald in Pratteln ist vollständig von Verkehrswegen umgeben.

Der Hardwald in Pratteln ist vollständig von Verkehrswegen umgeben.

Der Prattler Hardwald ist als Ausgleichsfläche für das Basler Hafenbecken 3 vorgesehen. Doch es gibt zonenrechtliche Bedenken.

Der Hardwald in Pratteln ist eingeklemmt zwischen diversen Bahnlinien und Gewerbearealen, Kantonsstrasse und Autobahn. Dieses versteckte Stück Grün soll eine Aufwertung durchmachen – falls die Stadtbasler in zehn Tagen dem Bau des neuen Hafenbecken zustimmen. Dann ist die Gateway Basel Nord AG gemäss Bundesgesetz verpflichtet, gleichwertige Ausgleichsflächen für die zerstörten Trockenwiesen von nationaler Bedeutung zu schaffen. Und einer dieser Ausgleichsflächen ist der Hardwald in Pratteln.

Dort soll an den Waldrändern ein Teil der Bäume gefällt und Humus abgetragen werden, damit der Kiesboden zum Vorschein kommt. Gleichzeitig sollen Erde, Schnittgut und Samen aus dem Basler Hafen zum Hardwald transportiert werden. Entstehen soll somit ein aufgelichteter Wald mit Freiflächen, die die Artenvielfalt fördern.

Punktesystem bewertet den ökologischen Wert von Arealen

Nur: Die Flächen, die durch den Hafenbau in Basel zerstört würden, sind weder rechtlich noch biologisch gesehen Wald. Der Hardwald hingegen ist beides. Was Gateway Basel Nord in Pratteln vorhat, ist für den ehemaligen Baselbieter Kantonsplaner Martin Kolb «eine supertechnokratische Lösung» und ein «Wahnwitz sondergleichen».

Kolb ist jetzt Vorstandsmitglied bei Pro Natura Basel und meint, es brauche im Hardwald eine Rodungsbewilligung. Und in der Planauflage könne man dagegen Einsprachen erheben, die Flächen stünden also noch lange nicht zur Verfügung. «Es stellt sich dann die Frage, ob eine Trockenwiese als Wald gilt.» Vermutlich müssten das die Gerichte entscheiden.

«Das ist ein ganz anderer Lebensraum»

Bedenken hat auch Philipp Schoch, der Grüne Prattler Gemeinderat, der der Naturschutzkommission der Gemeinde vorsteht. Zwar könne man mit Aufwertungsmassnahmen sicher für einzelne Lebewesen noch etwas aus dem Prattler Hardwald herausholen, sagt er. «Aber vermutlich ist es ein Trugschluss, wenn man meint, man könne eins zu eins ersetzen, was auf dem Basler Hafenareal verloren geht.» Dort sei ja kein Wald, höchstens Gebüsch. «Das ist ein ganz anderer Lebensraum.»

Gateway Basel Nord hat aber gar nicht das Ziel, die ökologischen Verhältnisse des Hafenareals einfach im Hardwald neu zu schaffen. Vielmehr will man eine ökologische Gleichwertigkeit schaffen, indem man die Verluste am Hafen quantifiziert und mit Pluspunkten an den verschiedenen Ersatzstandorten aufrechnet – wobei es auch um den Lebensraum von seltenen Tierarten und deren Vernetzung geht. Das Vorgehen erklärt auch, warum die Ausgleichsflächen vier Mal grösser sein sollen als die wegfallende Fläche am Hafen.

Dialog über Ausgleichsfläche

Zonenrechtlich bleibe der Hardwald Wald, betont Martin Haller, Verwaltungsratspräsident von Gateway Basel Nord AG. «Aber Wald gibt es in verschiedenen Schattierungen, auch als lichter Wald mit Trockenwiesen.» Und der Hardwald sei ein valabler Ersatzstandort, weil er gut vernetzt sei.

Kolb ist nicht grundsätzlich gegen eine Aufwertung des Hardwaldes, meint aber: «Nur dann schauen, wo man aufwerten kann, wenn gerade ein Ersatzstandort gesucht wird, das kann es doch nicht sein.» Haller hofft, dass nach der Basler Abstimmung mit den Umweltorganisationen ein Dialog über die Ausgleichsflächen zustande kommt.

Die Besitzerin des Waldes bleibt neutral

Das ist aber fraglich, denn der WWF und Pro Natura haben bereits angekündigt, vor Gericht zu ziehen, wenn Gateway Basel Nord sich wie vorgesehen auf ein «nationales Interesse» beruft, um im Hafen ein Naturschutzgebiet unter Bundesschutz bebauen zu dürfen.

Diplomatisch gibt sich in diesem Streit die Bürgergemeinde der Stadt Basel, der ein Grossteil des Prattler Hardwaldes gehört. Man habe zwar Hand geboten für die Ausgleichsmassnahmen, sagt Direktor Daniel Müller. «Wir haben aber nicht darüber zu entscheiden, ob die Massnahmen als Ausgleich sinnvoll sind.»

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