Forschung

Waldameisen in Wäldern beider Basel modellhaft erforscht

Freiwillige Basler und Baselbieter haben Waldameisen gezählt

Freiwillige Basler und Baselbieter haben Waldameisen gezählt.

Das erste flächendeckende Waldameisen-Inventar der Schweiz haben die beiden Basel erarbeitet: Knapp 1800 kartierte Nester erlauben Rückschlüsse auf Lebensraumansprüche und ermöglichen gezielten Schutz dieser nützlichen Insekten.

Ameisen haben nicht den besten Ruf. Regierungsrat Thomas Weber brachte das an einer Medienkonferenz im Gelterkindner Wald so auf den Punkt: «Ameisen gelten als stark, fleissig und soziale Wesen. In Haus und Garten empfinden sie viele als eklig.» Dass die unscheinbaren Insekten in den öffentlichen und gouvernementalen Fokus rückten, haben sie ihren Verbündeten zu verdanken – den Förstern respektive dem Amt für Wald beider Basel.
Sie fressen haufenweise Borkenkäfer

Dieses lud zum Informationsanlass ein, um eine «Pionierleistung» des Kantons Baselland vorzustellen – er liess als erster ein flächendeckendes Inventar der Waldameisennester erstellen. Dabei wirkten viele Freiwillige und Forstleute mit. Geleitet wurde das Ganze von Isabelle Glanzmann von der Firma Nateco; gekostet hat das Inventar den Kanton 140'000 Franken. Weber begründete den Ameisen-Effort mit den Worten: «Generell gilt, wir müssen wissen, nicht mutmassen. Die Erkenntnisse aus dem Inventar sollen mithelfen, die Ameisenkolonien zu stärken.» Denn die Tierchen würden einen wichtigen Beitrag ans Ökosystem leisten.

Kantonsförster Ueli Meier ergänzte: «Die Waldameise spielt eine grosse Rolle bei der Dezimierung von Schädlingen wie dem Borkenkäfer. Wir haben deshalb alles Interesse an guten Waldameisen-Beständen.» Waldameisen sind denn auch seit 1966 in der Schweiz geschützt.

Anschaulich führte vor einem Waldameisen-Haufen der nicht ganz unbekannte Biologe und alt Politiker Andres Klein ins Leben der Waldameisen ein. Er ist einer von fünf Dutzend Ameisen-Göttis im Kanton, die bei der Nest-Suche mithalfen. Klein schilderte, wie die Ameisen derzeit vor allem die Rottannen hinaufliefen, um Blattläuse zu melken, aber auch um Harz zu sammeln, das sie zur Desinfektion ihrer Nester brauchen.

Um eine Million Individuen – eine Eier legende Königin, zahlreiche kurzlebige Männchen und eine Masse von arbeitenden Weibchen - bewohnten einen Haufen. Ein solcher Haufen, auch Nest genannt, sei unter dem Boden grösser als oberirdisch. Ein Ameisenvolk sei ein eigentliches Zügelunternehmen, denn plötzlich stehe ihr Haufen einige Dutzend Meter entfernt. Und sie seien zuverlässige Wettervorhersager. Klein: «Sind viele Eingänge in ihrem Nest offen, regnet es in den nächsten Stunden nicht.»

Juraweiden und Frenkentäler als Eldorado

Am Erstaunlichsten ist für Klein aber etwas anderes: «Ich beobachtete im Januar, wie sich Tausende von Ameisen auf dem Nest von der Sonne aufwärmen liessen. Dann gingen sie hinein und heizten das Nest mit ihren warmen Körpern auf.»

In der Schweiz gibt es 140 Ameisenarten, davon sechs Waldameisenarten. Bei der Erstellung des Inventars hätten im Baselbiet alle fünf potenziell hier vorkommenden Waldameisenarten nachgewiesen werden können, informierte Projektleiterin Glanzmann. Am häufigsten seien die Rote und die Kahlrückige Waldameise. Insgesamt habe man im Kanton 1800 Nester gefunden. Da man nie alle ausmachen kann, rechnet Glanzmann mit einem Plus von einem Drittel.

Wobei die geografische Verteilung recht heterogen ist: Verbreitet sind die Waldameisen vor allem in den südlichen Kantonsteilen, allen voran auf der Blauen- und der Dittingerweide und in den beiden Frenkentälern. Im unteren Leimental und um Pratteln fehlen sie dagegen weitgehend. Noch kennt man den Grund dafür nicht.

Die Förster sollen nun die Erkenntnisse des Inventars vor allem bei Holzschlägen bei Schnee nutzen, da man dann die Nester nicht sieht.

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Autor

Andreas Hirsbrunner

Andreas Hirsbrunner

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